Disneyland Paris in Zeiten von Corona oder Hercules mal wieder

Teil 5 - Noch ein Patzer und ich rede nicht mehr mit mir

Noch fünf Kilometer, 3...2...1 Raus! Jetzt aber schnell. Die Wahl zwischen Toilette und Zapfsäule geht mit 100 % an Erstere. Da hatte die Zapfsäule aber auch nicht den Hauch einer Chance. Noch eine Kurve, dann den Schildern folgen. Links und nochmals links und Parkplatz. Ich verschnaufte. Hatte ich doch Angst mich zu bewegen. Aber ich wusste ja, ich musste. Und zwar mich nicht nur bewegen. Auch beeilen. Schnell einen Euro gesucht, gefunden. Und dann eingeschlossen. Ich erspare euch weitere Details. Aber ich kann euch versichern. Nachher ging es mir deutlich besser.
Das Tanken war auch eine Wissenschaft für sich. Aber mit ein wenig Hilfe der Fähigkeit Lesen, erkannte ich im dritten Anlauf, dass man trotz fortgeschrittener Stunde erst zahlen, dann tanken durfte. Das kannte ich zwar von einer Tankstelle in Belgien auch. Aber es galt da nur zu unchristlichen Tageszeiten. Um mit Karte zu tanken, stand ich leider an der falschen Zapfsäule. Es ist eben alles nicht so einfach heutzutage.
Doch auch das konnte meine euphorische Stimmung nicht mehr trüben. Ich hatte das Auto gefüttert und jetzt würde mich nichts mehr auf dem Weg zum Land der Maus aufhalten. Und, weil Sonntag, mein Glückstag zu sein scheint, hatte ich noch nicht meine ganze Dosis Glück ausgeschöpft. Ich zappte so durch das Radioprogramm und stieß auf den Anfang, mir wohlbekannter Klänge. Ich erwischte einen Sender, der es für eine gute Idee hielt eines meiner Lieblingschorwerke zu spielen. Das war vor gut 30 Jahren Teil meines ersten Konzertes zu Weihnachten. Ich war verblüfft. Nicht nur spielten sie von Anfang an das Werk Vivaldis. Sondern sie verwöhnten mich mit dem ganzen Werk. Ich konnte sogar noch alles mitsingen. Sogar bei den Soli war ich textsicher. Gut, der war nicht so schwierig. Die Töne schon eher. Als das ganze beendet war und das Land der Maus schon fast in Sicht, schüttelte ich mein Haupt. Kein Wunder, dass mich bei alltäglichen Dingen, mein Gedächtnis oft zu trügen scheint, wenn ich für solch Unnützes unnötig Speicherplatz verschwende. Man müsste mal ordentlich die Festplatte aufräumen. Mit einer Fragmentierung zu liebäugeln widerstrebt mir noch.
Da die Ausfahrt gerade rechtzeitig erblickte ich das langersehnte Schild. Noch ein paar wenige Meter. Wo war denn noch das Schild mit der Richtungsangabe Val de France? Vorbei! Also langsam wollte ich aber doch mal auf den Hotelparkplatz. Das Schild war wohl das kaputte vorhin, auf dem man die letzte Zeile nicht entziffern konnte. Da nur halb noch vorhanden. Seufzend drehte ich eine Ehrenrunde Richtung Parkplatz, überlegte kurz, ob ich doch zuerst in den Park wollte. Doch das Hotel gewann. Eine Kurve oder zwei mehr. Da war es dann endlich. Ich fand einen guten Parkplatz. Hievte den Koffer heraus, schnappte meine übrigen Sachen und ging zielstrebig Richtung Empfang.
Mein Abenteuer Disneyland in Zeiten von Corona hatte noch gar nicht richtig begonnen und ich war schon geschafft.
 
Teil 6 - angekommen, aber wirklich.

Check in. Kein Problem. Das war ja schon mal erfreulich. Keine Warteschlange, keine krähenden Kinder oder überforderte Väter. Sehr ruhig und gelassen. Frühstück gebe es wie immer. Allerdings habe das Restaurant abends nicht geöffnet. Da müsse man sich mit der Bar oder dem Hamburgerstand draußen behelfen. So die Dame hinter dem Schalter und der Plexiglasscheibe. Dafür gab es dann auch gleich zwei Gutscheine. Und zudem auch sofort das Kärtchen für das Zimmer. Da konnte ich mich doch mal gleich frisch machen. Das war doch wirklich erfreulich.
Schnell war ich wieder unten, um mit dem Shuttle ins Land der Maus zu reisen. Das Zimmer war selbstverständlich super ordentlich und sauber. Ein Kärtchen mit einem Ansprechpartner lag bereit. Die Fernbedienung war in Frischhaltefolie eingewickelt, das war sie auch noch am Ende meines Besuches. Alles hübsch, keine Klagen. Da ich den letzten Shuttle um knapp fünf Minuten verpasst hatte. Und daran war nicht einmal eine Toilette schuld. Spazierte ich vom Campanile Richtung Magic Circus Hotel. Aber siehe da, das war hermetisch abgeschlossen. Genau wie sein großer Bruder, das Dream Castle. Ich hoffte zumindest, dass beim Explorer Leute stünden, sonst müsste ich wieder zurücklaufen. Aber das Explorer war offen. Ich war überrascht darüber, dass die anderen Hotels geschlossen waren. Immerhin hätte ich beinahe dort gebucht. War erst im letzten Moment auf das Campanile gestoßen und daraufhin das unschlagbare Angebot ergriffen. Hätte ich vor dem Zaun genächtigt, fragte ich mich.
Ziemlich zeitnah mit mir kam der Bus angefahren. Nicht sehr voll, klimatisiert und sehr angenehm chauffierte mich der Fahrer Richtung Bahnhof. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern. Da war auch schon die Sicherheitskontrolle in Sicht. Verteilt auf die Reihen ging das unerwartet zügig. Dann der erste Blick auf das Disneyhotel. Herrlich. Nur noch zwei Scans, dann einmal das Ticket vor den Einlass gehalten und es hieß "Welcome".
 
Teil 7 - Es geht los, so richtig.

Ein unbeschreibliches Wohlgefühl durchflutete mich. Ich war wirklich da. Gleich spürte ich die Freude, die in der Luft lag. Gute Laune, Spaß, Genuss. All das, was im aktuellen Alltag zurzeit leider zu kurz kommt. Man nimmt sich leider oft selbst zu wichtig, vergisst, dass Freude oft im Kleinen steckt und einfach nur entdeckt werden möchte. Im Land der Maus wird sie allem entlockt. Freigelegt, präsentiert sich jedem, der bereit ist sich auf das alles einfach einzulassen. Im Winken der Castmember, im Lachen und in den Begegnungen, auch auf Distanz.
Auf den ersten Blick ging es überall sehr manierlich zu. Die meisten trugen ihre Masken pflichtgemäß. Man achtete auf einen gewissen Abstand. Auf den Wegen und Straßen natürlich kein Problem. In den Shops war es manchmal etwas schwieriger. Aber auch da gaben sich die Besucher meistens Mühe. Allerdings wurde das im Laufe des Tages etwas nachlässiger gehandhabt. Vor allem einige Männer scheinen Schwierigkeiten gehabt zu haben ihre Nase im Gesicht zu verorten. Aber da halfen dann gerne die Castmember aus und schon wanderte die Maske über die Nasenspitze. Es dauerte auch bei mir nicht sehr lange, bis ich automatisch zu fast jedem Desinfektionsspender gelaufen bin. Das hat mein Tempo sehr nach unten gedrosselt. Aber ich hatte ja Zeit und war schon am Ort meiner Bestimmung angekommen. Das Desinfizieren geht einem so schnell in Fleisch und Blut über, dass ich das heute in jedem Laden und bei jedem Eingang nach einem Spender schiele.
Ich befürchte, dass etliche Schichten Haus auf Händen und Handgelenken verlustig gegangen sind. Aber was erduldet man nicht alles, wenn es einem gutgeht? Auch die Maske vergaß ich nach einiger Zeit. Erst als ich etwas trinken wollte, fiel mir auf, dass das so einfach gar nicht geht.
Wie gewohnt schlenderte ich gemächlich auf der rechten Seite der Main Street Richtung Schloss. Natürlich mussten alle Geschäfte inspiziert werden. War es doch mein hehres Ziel, schon möglichst viel, für die anstehenden Geburtstage und das nahende Weihnachtsfest zu besorgen. Zwar entdeckte ich nicht sehr viel Neues, aber das hatte ich auch sobald nach der Wiedereröffnung auch nicht erwartet. Dennoch, gab es reichlich. Und etliche Dinge schafften es auch mit mir nach Hause. Wie üblich, galt mein erster großer Halt dem Karussell. Ein paar Runden auf einem der stattlichen Pferde sollten mein Glücksgefühl heben.
 
Teil 8 - ein fast holpriger Start

Schnell konnte ich das kleine Labyrinth zum Karussell durchschreiten. Eine winzige Kleinigkeit musste ich warten, ehe ich mich, entgegen meiner früheren Gewohnheiten, auf einen edlen Rappen schwang. Bisher zog ich es nämlich eher vor in der Kutsche gezogen zu werden. Da musste man nicht die Peinlichkeit ertragen, dass man entweder nicht auf ein Pferd steigen konnte oder der Sicherheitsgurt nicht passte. Die Drehorgel spielte einen munteren Galopp. Und ich überlegte, dass mein Rappe doch das Tempo erhöhen könnte. So im Takt zur Musik. Aber, ich wurde enttäuscht. In der Ahnenreihe meines Pferdes muss wohl irgendwo, trotz allem, ein Esel sein Werk verrichtet haben. Selten bin ich einem so störrischeren Tier begegnet. Nun denn. Wie sagt der Franzose? C'est la vie. Oder wie der Rheinländer in mir gerne sagt. C'est la Fisch.
Alice lag auf dem Weg. Also ging es mit den Teetassen weiter. Und dann natürlich auch Peter Pan. Die Wartezeit war mehr als erträglich. Das Wetter auch. Also gab es keinen Grund, auf die Fahrt durchs nächtliche London in die Ferne des Neverlands zu verzichten. Dann einmal eine Tour durch die Ach so kleine Welt. Die ermüdete mich einigermaßen. Es kann natürlich auch an meinem frühen Aufstehen und der Fahrt gelegen haben. Zudem darf ich mein Alter nicht außer Acht lassen. Damit alle Müdigkeit überdeckt wurde, gönnte ich mir einen Kaffee und ein Wasser. Und wo ich schon mal so nah war, lud mich die europäische und orientalische Märchenwelt auf eine interessante Reise ein. Was mich nur immer wundert ist, dass ich nie an einer Stelle warten muss, wo es schattig ist. Und meist an einem Ort, wo die Musik mich eher stört, als erquickt. Aber gut, das sind kleine Einschränkungen, die ich gerne in Kauf nehme. Mir blieb noch ein wenig Schwung übrig, also Casey jr. Der hatte anscheinend eine kleine Pause eingelegt. Aber jetzt würde er wieder loslegen. Offensichtlich inzwischen ein Unternehmen der deutschen Bahn. Aber die Musik passte. Der Wind pfiff einem um die Ohren. Und das rasante Tempo löste in mir derartig einen Adrenalin Ausstoß aus, dass ich wieder Dummheiten machte.
 

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