Hercules oder der Wahnsinn hat Methode

Also gut. Auf den Wunsch einer einzelnen Dame erzähle ich hier die Geschichte, die ich im Donalds Desaster Thread angedeutet habe.


Wie so viele Menschen bin ich nicht nur in einem Forum aktiv, sondern auch noch in einem zweiten Medium dieser Art. Dort auch schon länger, so annähernd 11 Jahre. Seit einigen Jahren hat sich bei uns eingebürgert, dass wir bei runden Geburtstagen dem Geburtstagskind etwas zu schenken. Wir sind ein überschaubarer Kreis mit rund 20 aktiven Mitgliedern, also artet das auch nicht aus. Dieses Mal hatte die Forumsgründerin und -betreiberin gerundet und damit fängt das Ganze an....


Hercules und das Geheimnis des verwunschenen Paketes


Eine Dramödie in fünf Akten

Prolog

Jemandem ein Geschenk zu machen ist eine gute Idee. Sie zu verwirklichen etwas ganz Anderes.
(alte griechische Weisheit oder Weisheit eines alten Griechen?)

Es begab sich also zu jener Zeit, dass eine Frage in den Raum geworfen wurde. Was wollen wir unserer Chefin zu ihrem runden Geburtstag schenken? Eines Tages fand sich diese Frage in meinem Postfach. Oh weh! Wie immer bin ich als Mann in dieser Situation überfordert. Ich verschenke zwar ganz gerne, aber mit den Ideen da hadere ich ab und an ganz gerne. Nun gemeinsam knobelten wir etwas aus. Außerdem wollten wir noch insofern eine besondere Freude machen und ihr jeder eine Karte zum Geburtstag schicken. Die sollten an das Organisationskomitee gehen, dass alles dann verpacken und absenden sollte.

1. Akt – Das Leben ist ja so einfach …

manchmal zumindest. Es sei denn man macht es sich unnötig kompliziert. Da ich im Juni das Land der Mau bereisen wollte, entschloss ich mich noch eine Kleinigkeit extra zu besorgen. Denn im Forum dort bin ich für meine Disneymanie berühmt und berüchtigt. Ich fügte also ihren Namen auf meine Liste der zu Bedenkenden und los ging es. Das Geschenk zu besorgen war weiter gar nicht schwer. Ich ahnte ja nicht, dass es wirklich das Einfachste bei der Aktion sein sollte. Nach meiner Rückkehr wurde sofort das Geschenk, eine hübsche Minnie-Tasse, samt Geburtstagskarte gut verpackam anderen Tag zur Paketaufgabe gebracht. Immerhin waren nicht mehr so viele Tage bis alles in der Geburtstagszentrale angekommen sein sollte. Ich zahlte, erhielt meinen Beleg und die Dinge nahmen ihren Lauf. Ihren unheilvollen Lauf.
 
LittleAngel1988 Stammgast in den Parks
So lieb von dir :cuddleteddy:
Hab das auch in meiner Pause lesen können und hab mich super gefreut, schon dank dem Anfang ist der heutige Tag 100 Mal besser als der gestrige :yourock:
So so dumm wie es auch lief, hat es am Ende noch was gutes bewirkt :)
 
Weiter geht es dann:


2. Akt – Früher war alles viel besser …

oder auch nicht. Warten, warten, warten. Die Tage zogen ins Land. Dem armen Hercules erinnerte es an das Warten auf das Christkind in seinen Kindertagen und da schien der Heilig Abend schon mal gut und gerne gefühlt einen Monat zu Dauern, wenn nicht länger. Und dazu lag noch ein Wochenende zwischen der Abgabe des Paketes bei dem Nachfolge Unternehmens der von Thurn und Taxis einst geführten Postmeisterei. Mir kam das spanisch vor. Oder um den Spaniern nicht zu nahe zu treten, seltsam. Keine Antwort, keine Bemerkung, dass mein Paket angekommen sei. Ich fragte bei der Empfängerin nach, doch die hatte von meinem Paket weder etwas gehört, geschweige denn gesehen. Mir schwante Unheil, sollte doch nicht ausgerechnet das Paket verloren gegangen sein. Ich also meinen Einlieferungsbeleg genommen und das Internet befragt. Das Paket sei nicht zustellbar gewesen, konnte ich als Informationen herausfiltern. Wie? Ich war verblüfft. Die grauen Zellen ratterten. Und was stand da noch, das Paket würde an den Absender zurück geschickt werden? Was war da schief gelaufen. Ich hatte keine Ahnung. Doch dann schlug der Blitz ein. Die Gedanken ordneten sich und ich schaute noch mal auf die Adresse. Hausnummer drei hatte ich geschrieben, glaubte ich. Ich vergewisserte mich bei der Empfängerin. Nein, wir haben die Hausnummer fünf. Das durfte doch nicht wahr sein. Echt hatte ich das falsch verbessert? Musste wohl so sein.
Aber dennoch, wie konnte man nicht einfach bei den Nachbarn einfach mal nachfragen, wunderte ich mich. Ich muss einen kleinen Exkurs machen. Die von uns so genannte Geburtstagszentrale lag nun beileibe nicht in einer Großstadt. Gut, sie lag und liegt immer noch in Bayern, was ja quasi Ausland für uns Ruhrpöttler ist. Aber besteht doch nur aus einer sehr überschaubaren Ansammlung von Häusern. Und da bei uns in der Regel alle Sendungen sehr wohl ihren Empfänger finden, wenn auch mal mit Hilfe der Nachbarn, dachte ich, dass das auch im Bayrischen möglich sein müsste. Nun, an dem war es nicht so. Obwohl die Nachbarn in Rufweite, weder neu, noch verfeindet lebten, strandete das Paket, da der seltene Name der Empfängerin, nennen wir sie der Einfachheit Müller, so selten ist der Name nämlich, eben nicht vor der Tür, sondern so teilte man es mit, es würde zurück geschickt werden. Ich war leicht genervt, aber dennoch noch optimistisch. Die Zeit drängte zwar, aber wie lange könnte es schon dauern, das Paket aus dem Land der Bayern zurück zu mir zu schicken?
 
Direkt mal den 3. Akt nachschiebe, ehe es in die Pause geht ;)



3. Akt – Als ein Sommer noch ein Sommer war ….

Eine Woche später. Es war einer jener heißen Sommertage, die man in unseren Breiten nur selten erlebt und noch weniger aushält. Die drückende Schwüle hatte sich bis in die letzten Winkeln in den Wohnungen der Stadt eingeschlichen und erschwerte das Atmen. An Schlaf war nicht zu denken. Der Mann starrte auf den Monitor. Die Ärmel hochgekrempelt, die Stirne gerunzelt, Ein Schweißtropfen bahnte sich langsam, den Weg von der Stirn über den Nasenrücken. Nichts. Es war schon spät, die letzten Sonnenstrahlen verzogen sich hinter den sich langsam aufürmenden, schwarzen Wolken am Himmel. Es grollte, die ersten Blitze zuckten und erhellten die Abenddämmerung. Sollte es endlich das erlösende Gewitter geben, nach denen sich die Menschen im Ruhrge ….. Halt, halt! Stopp! Zurück zum Anfang, das ist hier doch keine Detektivgeschichte à la Dashiell Hammett oder Rymond Chandler. Ich bin doch nicht Sam Spade, geschweige denn ein Philip Marlowe. Irgendwie nimmt mich die Erinnerung an jene Episode doch mehr mit als erwartet.
Es war ein heißer, drückender Abend. Ich war nach Hause gekommen und das Paket lag noch immer nicht im Hausflur. Eine Woche vorbei. Wo blieb es nur. Die Zeit drängte nun langsam sehr. Also auf ins Internet und nachgeschaut und da stand dann doch tatsächlich, das gesuchte Objekt würde am nächsten Morgen dem Empfänger zugestellt werden. Dem Empfänger? Das hieß doch wohl, es käme in der kleinen, wehrhaften Gemeinde im Bayrischen an? Erfreut teilte ich das mit. Meine Freude und Zuversicht wurde geteilt. Ein schöner Abend. Und der nächste Tag konnte eigentlich doch dann höchstens noch besser werden. Ahnungsloses Ich.
Der nächste Tag verging im Flug. Ich las im Internet, dass das Paket angenommen worden sei. Party! Endlich! Ich fuhr eilig nach Hause, öffnete die Haustür und erstarrte. Im Hausflur lag das Paket. Das durfte doch nicht wahr sein.
 
wolfgang Disneyland? Kenn ich!
Vielen Dank für diesen spannenden Krimi! Ich kann es leider sehr gut nachvollziehen. Was hatte ich schon Ärger mit Paketdiensten. Wobei ich sagen muss, DHL ist meist (!) noch harmlos. Nur wenige Sendungen habe ich mit Hermes/DPD versendet und dort mehr Probleme als mit allen DHL-Sendungen zusammen. :(
 
Wir nähern uns dem Ende.


4. Akt – Gehe zurück auf Los …

ziehe nicht 3000 Euro ein und halte dich zurück. Manchmal ist das Leben echt schon ein Solches. Mein Paket, von dem ich annahm, dass es inzwischen in der idyllischen Kleinstadt in Bayern angekommen war, war auf wundersame Art und Weise wieder bei mir gelandet. Ich sah gleich auf dem Aufkleber die ominöse, falsche Hausnummer förmlich in Leuchtfarben strahlen. Nun denn, mein Fehler. Alles lamentieren half nichts. Also hoch in die gute Stube, neuer Aufkleber, richtige Adresse und alles bereit für den morgigen, frühen Versand.
Anderntags ging es gleich in einen Paketshop. Noch mal frankiert ging das Paket auf den Weg. Geläutert und schlauer wurde der Weg des Paketes diesmal aufmerksam verfolgt und siehe da am übernächsten Tag konnte ich lesen, dass das Paket ausgeliefert worden sei. Ich strahlte im Büro den Computer an. Geschafft, endlich war das Geschenk angekommen und konnte von Bayern aus weiter ins südlicher liegende Ausland nach Österreich transportiert werden. Mir war zwar schleierhaft, wie das ohne Komplikationen gehen sollte. Ausland, von Bayern aus. Aber bitte, das lag nun nicht mehr in meiner Hand. Meine Arbeit war erledigt, es ist vollbracht jubilierte ich und fuhr gut gelaunt gegen Abend nach Hause. Ich öffnete die Haustür und im Flur lag strahlend und erwartungsfroh, mein Paket.

Ich fiel förmlich aus allen Wolken auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Wie war das nur möglich? Was war geschehen? Wieso lag das Paket hier und nicht in der Zentrale der Geburtstagsplanung? Würde es jemals dort ankommen? War überhaupt noch so viel Zeit? Schweren Schrittes erklomm ich die Treppen zu meinen Gemächern. Ich sammelte mich und meine Gedanken. Griff zum Kommunikationsknochen, wie die Dinger einst ein Magier aus dem Mittelalter namens Catweazle nannte. Ich wählte die Nummer des Dienstleisters und wartete. Ich wartete und wartete. Die Zeit verginge, die Haare wurden noch weniger, während ich auf eine menschliche Stimme hoffte, die mein Begehren erfüllen würde. Dann endlich gute 18 Minuten später meldete sich eine Stimme, die fragte, was ich denn wollte. Kurz schilderte ich, dass ich ein Paket ins bajuwarische Ausland zu schicken versuche. Und das dieses jetzt zum zweiten Male nicht angekommen sei, Diese Mal sei es sogar, direkt wieder an mich zurückgeschickt worden. Ich gab die Nummer durch und der Mann widersprach. Es sei doch von einer Dame mit dem Namen des Empfängers angenommen worden. Das könnte er im System ersehen. Ich wies in höflichst daraufhin, dass meine Nachbarin, die das Paket entgegen genommen hatte, eben zufällig auch Müller hieße. Es käme schon vor, dass Menschen den gleichen Nachnamen hätten. Der Mann ließ das nicht als Erklärung durchgehen. Sie hätten alles richtig gemacht und wenn ich erneut etwas verschicken müsste, sollte ich eben noch einmal in eine Filiale vor Ort gehen. Mögliche Probleme meinerseits, was Termine und Zeit angingen, wären nicht sein Problem. Ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch und noch kürzer davor meine durchaus vorhandene höfliche Art zu verlieren. Also entschuldigte ich mich bei dem jungen Mann dafür, dass er jetzt all meinen Ärger über das Prozedere abbekäme. Denn dem müsste ich mir langsam aber sicher Luft machen. Doch, so vermutete ich, er sei das bestimmt gewöhnt. Aber der junge Mann meinte nur, nein das käme sonst nie vor. Nahezu sprachlos, fast perplex schaffte ich gerade noch ein: "Dann muss das heute ihr erster Tag in der Firma sein." und legte auf.
 

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