Disneyfiguren - und was dahinter steckt

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Mir kam die Idee, mal was über die Disneyfiguren und was hinter ihnen steckt zu schreiben. Damit meine ich, die Geschichte hinter den Figuren. Gab es sie wirklich oder nicht?

Ich fange mal mit Schneewittchen an.
Schneewittchen basiert auf dem Märchen Schneewittchen aus der Sammlung Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Es gibt im Märchen keinen Bezug, wo es genau spielt. Daher ist mir nicht sicher bekannt, ob es ein wahres Vorbild für das Märchen gibt.
Schneewittchen hat eine weiße Hautfarbe, blutrote Lippen und ebenholzschwarzes Haar. In früheren Versionen des Märchens der Brüder Grimm war sie noch blond.
Es gibt mehrere Orte und Städte, die sich als Schneewittchenort bzw. -stadt titulieren.
1. Alfeld an der Leine: Die Sieben Berge ist ein Höhenzug des Leineberglandes und in der Nähe gibt es ein Steinkohlbergwerk. Dieses Bergwerk könnte der Arbeitsort der sieben Zwerge gewesen sein. Allerdings waren die Brüder Grimm nie in der Nähe von Alfeld, um Märchen zu sammeln.
2. Bergfreiheit (Stadtteil von Bad Wildungen): Hier gab es die Grafentochter Margaretha von Waldeck, die Vorlage für Schneewittchen gewesen sein könnte. Margaretha war sehr schön und blond und hatte eine dominante Stiefmutter. Die 7 Zwerge könnten auch Kinder gewesen sein, die im Bergwerk gearbeitet haben.
3. Langenbach im Taunus (Ortsteil von Weilmünster): Hier gab es früher Bergbau, den Gemarkungsnamen "Im Zwergengrund" und unweit davon den Glasberg. In einer österreichischen Überlieferung ist nämlich von einem Glasberg statt einem Glassarg bei der Bestattung Schneewittchens die Rede.
4. Gieselwerder (Ortsteil von Wesertal): Der Ort liegt an der Deutschen Märchenstraße, ist von 7 Bergspitzen eingerahmt und es gab hier Bergbau.
5. Lohr am Main: Hier könnte Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal die Vorlage für Schneewittchen sein. Die Berge und der Bergbau könnten im Spessart gewesen sein.

Gerne dürft ihr mit anderen Figuren weitermachen.
 
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Ich mache jetzt mal mit Cinderella weiter.

Das Märchen stammt höchstwahrscheinlich aus Frankreich. An und für sich passt die Figur mit der Hauptfigur des Märchens Aschenputtel der Brüder Grimm überein. Es gibt auch eine französische Fassung des Märchens aus der Sammlung mit dem Namen Cendrillon ou la Petite Pantoffle de verre. In der deutschen Fassung trägt Aschenputtel einen goldenen Schuh, in der französischen einen Schuh aus Glas. Daher denke ich, dass sich Disney damals für den Film eher an der französischen Fassung orientiert hat. Dafür spricht auch, dass im Film weder ein Haselnussbäumchen noch helfende Tauben vorkommen und eine Fee die Kutsche aus einem Kürbis zaubert. Ob es ein reelles Vorbild für die Figur gibt, lässt sich leider nicht genau sagen.

Beim Vorbild für Aschenputtel bzw. Cinderella könnte es sich um Madame de Maintenon handeln. Sie war die letzte Mätresse und 2. Ehefrau von König Ludwig XIV. von Frankreich. Außerdem hatte sie eine ähnliche Lebensgeschichte wie die Märchenfigur.

Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die Grundlage für die Figur eine Mischung aus verschiedenen Geschichten und Lebensläufen diverser Personen ist.
 
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Heute geht es mit Alice aus Alice im Wunderland weiter.

Die Verfilmungen basieren auf dem gleichnamigen Werk von Lewis Caroll. Carolls Figur basiert auf seiner Muse Alice Pleasance Liddell. Während seiner Sommerferien lernte der Mathematiker das Mädchen kennen und schrieb 1865 die Geschichte für sie. Die Geschichte ist sozusagen ein Porträt des Mädchens.

Am 4.5.1852 wurde Alice in Westminster geboren. Ihr Vater war Schulleiter des noch heute existierenden Internats Westminster School, als Alice geboren wurde. 1856 zog die Familie nach Oxford, wo sie im gleichen Jahr noch Lewis Carroll kennenlernte. Lewis besuchte die Familie Liddell häufig und Alice war ein beliebtes Fotomodell für ihn. Alice war auch immer die Heldin seiner Geschichten. Die verrückte Teeparty spielt an Alice' 4. Geburtstag. Aus unbekannten Gründen wurde die enge Beziehung zwischen Alice und Lewis 1861 beendet. Alice' Eltern vernichteten die Seiten ihres Tagebuches aus dem Zeitraum und es ist auch bekannt, dass ihre Mutter Lewis' Briefe verbrannte. 1870 wurde Alice ein letztes Mal von Lewis fotografiert, allerdings erhielt sie trotzdem noch bis in die 1890er Jahre Exemplare der von ihm verfassten Werke. 1880 heiratete Alice Reginald Gervis Hargreaves und traf wahrscheinlich 1891 Lewis zum letzten Mal. Zu seiner Beerdigung 1898 schickte sie zwar einen Trauerkranz, nahm aber nicht teil. Aus der Ehe zwischen Reginald und Alice gingen 3 Söhne und eine Tochter hervor. Als Dame der englischen Gesellschaft engagierte sie sich bei Wohltätigkeitsorganisationen und starb am 16.11.1934 in Westerham.
 
mrs.michalzik Cast Member
Lewis Caroll ist immer ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Es schwingt immer der dunkle Schatten der vermuteten Pädophälie über seinen Werken. Er hat Alice, ihre Schwestern und über 100 weitere Mädchen im Alter zwischen 5 - 8 nach Hause "gelockt" (er hatte Kostüme und Spielsachen dort) und dort teilweise in Feenkostümen, teilweise auch nackt fotografiert. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum die Familie so plötzlich den Kontakt zu ihm abbrach. Davor hat er die Familie und die Kinder täglich besucht und plötzlich: Kontaktabbruch von jetzt auf gleich. Alice Mutter hat sämtliche Briefe von Caroll an ihre Tochter verbrannt, die Erben von Caroll haben nach seinem Tod alle Tagebuchseiten von ihm aus jenem Zeitraum vernichtet. Es schwingt immer ein bitterer Beigeschmack mit, auch wenn bis heute nichts bewiesen werden konnte.
 
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Celli1985 Imagineer
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Lewis Caroll ist immer ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Es schwingt immer der dunkle Schatten der vermuteten Pädophälie über seinen Werken. Er hat Alice, ihre Schwestern und über 100 weitere Mädchen im Alter zwischen 5 - 8 nach Hause "gelockt" (er hatte Kostüme und Spielsachen dort) und dort teilweise in Feenkostümen, teilweise auch nackt fotografiert. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum die Familie so plötzlich den Kontakt zu ihm abbrach. Davor hat er die Familie und die Kinder täglich besucht und plötzlich: Kontaktabbruch von jetzt auf gleich. Alice Mutter hat sämtliche Briefe von Caroll an ihre Tochter verbrannt, die Erben von Caroll haben nach seinem Tod alle Tagebuchseiten von ihm aus jenem Zeitraum vernichtet. Es schwingt immer ein bitterer Beigeschmack mit, auch wenn bis heute nichts bewiesen werden konnte.
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Heute geht es mit Peter Pan weiter.

Peter basiert auf der Hauptfigur einiger Kindergeschichten des schottischen Schriftstellers James Matthew Barrie. Seinen ersten Auftritt hat er in der Erzählung "Kleiner weißer Vogel" aus dem Jahr 1902, die an und für sich eigentlich eine Geschichte für Erwachsene ist. In dieser Geschichte war er ein Serienmörder.
Allerdings lies Barrie auch eigene Erfahrungen in die Geschichten rund um Peter Pan einfließen.
1. Seine Mutter Margaret soll z.B. den Tod ihres Sohnes David, der 1867 beim Eislaufen verunglückte, nicht verkraftet haben. Sie soll Trost für diesen Verlust in der Tatsache gefunden haben, dass David so für immer ein Junge bleiben würde.
2. Barries Ehe mit der Schauspielerin Mary Ansell war gescheitert. 1898 traf er in den Londoner Kensington Gardens auf zwei Jungs im Alter von fünf und vier Jahren und freundete sich mit ihnen und ihren Eltern an. Die Jungen hießen George und Jack Llewyn Davies und ihre Eltern bekamen später noch die Söhne Peter, Michael und Nico. Barrie übernahm die Patenschaft für alle 5 Jungen als die Eltern starben. 3 der Jungen starben auf tragische Weise: Peter warf sich vor einen Zug, im 1. Weltkrieg fiel George und in einem Seitenarm der Themse ertrank Michael.

Peter Davies war wahrscheinlich die Vorlage für Peter Pan.

Ähnlich wie bei der Beziehung von Lewis Caroll und Alice Liddell scheint es zwischen den Davies Jungs und Barrie eine Beziehung gegeben zu haben, die in heutiger Sichtweise in Richtung Pädophilie ging. Er soll zwar nicht pädophil gewesen, aber dafür von Jungs besessen gewesen sein. Barrie konnten nie Misshandlungen nachgewiesen werden, auch wenn verschiedene Interpretationen der düsteren Geschichte logisch hergeleitet klingen. Gänzlich kann nicht geklärt werden, wieviel "Wahrheit" in die Geschichte einfloss.
 
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Heute geht es mit Dornröschen weiter.

Dornröschen basiert auf dem Märchen La Belle au bois dormant von Charles Perrault. Es gibt auch eine Variante in der Sammlung der Brüder Grimm. Die Hauptfigur bei Perrault heißt sie Aurora, bei den Brüdern Grimm hat sie keinen Namen. Ansonsten gibt es kaum Unterschiede zwischen beiden Varianten.

Es gibt kein reales Vorbild für Dornröschen. Allerdings gilt die Sababurg im Hofgeismarer Reinhardswald (Landkreis Kassel) als Dornröschenschloss. Die Burg soll von 1571 bis 1591 von einer 5 km langen und 3 m hohen Dornenhecke umgeben gewesen sein.
 
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Heute geht es mit Mogli aus dem Dschungelbuch weiter.

Mogli basiert auf den Dschungelbucherzählungen von Rudyard Kipling. Im Film wächst das Waisenkind Mogli bei den Wölfen auf.

Das Vorbild für Mogli wahr wahrscheinlich Dina Sanichar, der in den 1880er Jahren in Indien lebte.
In einer Wolfshöhle im Distrikt Bulandschar (Bundesstaat Uttar Pradesh) entdeckten Jäger 1867 neben einigen Tieren einen ca. 6jährigen Jungen. Der Junge lief auf vier Beinen und heute wie ein Wolf. Durch sein den Wolfen abgeschaute Verhalten, kämpfte er gegen die Jäger, als sie ihn einfangen wollten und zeigte das Verhalten von Tieren, die sich in die Enge gedrängt fühlen. Nachdem der Junge gefasst wurde, kam er in ein Agra in das Waisenhaus Sikandra. Er kam an einem Samstag dort an. Aufgrund des wochentags gab man ihm den Namen Sanichar, da dies die Bezeichnung für Samstag auf Hindi ist. Selbst im Waisenhaus aß er noch rohes Fleisch, ging auf vier Beinen und machte Wolfsgeräusche. Die Betreuer im Waisenhaus versuchten Sanichar menschliches Verhalten anzutrainieren. Da der Junge höchstwahrscheinlich geistig beeinträchtigt war, lernte er allerdings nie das Sprechen und zeigte entsprechendes Verhalten. Durch das jahrelange Kriechen waren seine Beine verformt. Dadurch fiel im das Gehen auf zwei Beinen schwer. Bis zum Tod lehnte Sanichar gekochtes Fleisch ab und zerriss Kleidung, die man ihm gab. Das einzige Verhalten, dass er "erfolgreich lernte", was ungesund: Er lernte nämlich das Rauchen. Mehr als zwanzig Jahr lang lebte er unter den Menschen. Durch seine Nikotinsucht beschleunigt, erkrankte er an Tuberkulose, was zur Folge hatte, dass er im Jahr 1895 im Alter von 34 Jahren daran starb.

Dadurch war Sanichars Leben viel tragischer als Moglis, der im Dschungelbuch sowohl das Gehen auf zwei Beinen, Essen mit Besteck und Sprechen lernte. Außerdem ging Mogli zu seinen Freunden zurück in den Dschungel und sein Verbleib und weiteres Leben blieb offen.
 
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Heute geht es mit Robin Hood weiter.

Robin Hood ist eine fiktive Person. Es gibt keinen Beleg, dass es eine Person mit dem Namen und der Geschichte gibt.

Dennoch schreibe ich jetzt mal was über die Person. Im England des 13. Jahrhunderts wurde der Namen Robin Hood als Spitz- oder Beinname benutzt. Der Name ist ein Synonym für Gesetzesbrecher. Gegen 1500 wurde die älteste Ballade über Robin Hood mit dem Titel Robin Hood and the Potter vollständig schriftlich festgehalten. Altere Balladen sind nur noch in Teilen erhalten.

Schon jetzt mal sorry, für den langen Text. 🫣

Anfang der 1440er Jahre verfasste Walter Bower die Ansicht, Robin Hood sei ein Anhänger von Simon de Montfort gewesen. Montfort, Earl of Leicester, führte 1265 eine gescheiterte Rebellion an. Im Jahr 1521 stellte John Major die These auf, Robin Hood habe zur Zeit von Richard Löwenherz gelebt. Diese Auffassung setzte sich im Verlauf des 16. Jahrhunderts zunehmend durch. Zudem vertrat John Leland die Meinung, Robin Hood stamme aus adligem Hause.

1569 griff Richard Grafton in seiner "Chronicle at Large" die Datierung Majors auf und ergänzte Lelands Aussagen dahingehend, dass Robin Hood ein Earl gewesen sei. Laut Grafton habe Robin Hood aufgrund eines verschwenderischen Lebensstils hohe Schulden angehäuft, sei daraufhin geächtet worden und in die Wälder geflohen. Dort habe er Überfälle begangen, bis er schließlich im Kloster „Bircklies“, vermutlich eine fehlerhafte Schreibweise von Kirklees, bei einem Aderlass verblutete. Grafton zufolge war das angebliche Grab Robin Hoods zu seiner Zeit noch zu besichtigen.

Der Balladendichter Martin Parker sammelte nach eigenen Angaben Informationen aus „zuverlässigen“ englischen Chroniken und vertrat um 1632 in "True Tale of Robin Hood" die Auffassung, der verstorbene Robert, Earl of Huntington, könne mit Robin Hood identisch gewesen sein. Dieser Earl war bereits 1198 gestorben. Parker zitierte zudem ein Epitaph, das sich angeblich im Kloster Kirklees befunden habe. Ein weiteres Epitaph zweifelhafter Echtheit fand sich später in den Nachlasspapieren des Dekans von York, Thomas Gale. Auch darin wurde Robin Hood als Earl of Huntington bezeichnet, allerdings mit dem Todesjahr 1247.

Der englische Historiker Ralph Thoresby beschrieb 1715 in seinem Werk "Ducatus Leodinensis" einen angeblichen Grabstein nahe Kirklees mit einer kaum lesbaren Inschrift, bei dem es sich möglicherweise um Robin Hoods Grab gehandelt haben könnte. 1743 entwickelte William Stukeley in seiner "Paleographica Britannia" eine Ahnenreihe, nach der Robin Hood ein Enkel von Ralph Fitzooth gewesen sei, einem normannischen Gefolgsmann Wilhelms des Eroberers. Nach heutigem Forschungsstand gilt diese Genealogie jedoch als frei erfunden und historisch nicht haltbar.

Der französische Historiker Augustin Thierry vertrat in seiner 1825 erschienenen "Histoire de la Conquête de l'Angleterre par les Normands" erstmals die Auffassung, Robin Hood sei zur Zeit von König Richard Löwenherz Anführer einer Gruppe unterdrückter und entrechteter Angelsachsen gewesen, die sich patriotisch gegen die normannischen Eroberer zur Wehr gesetzt hätten.

1846 stellte der Altertumsforscher Thomas Wright die These auf, Robin Hood habe einen mythischen Ursprung. Auch die britische Anthropologin Margaret Alice Murray schloss sich dieser Auffassung an. In der modernen Forschung gilt diese Theorie inzwischen als widerlegt.

Joseph Hunter kam in einer 1852 veröffentlichten Untersuchung zu dem Schluss, dass Robin Hood mit einem Robert Hood identisch gewesen sei, der 1316/17 in den Manor Rolls von Wakefield in Yorkshire erwähnt wird. Zwar vertrat der amerikanische Gelehrte Francis James Child 1888 in seiner maßgeblichen Ausgabe englischer und schottischer Balladen die Ansicht, Robin Hood sei eine rein literarische Erfindung der Balladendichtung, doch wurde Hunters Theorie später durch neue Urkundenfunde von J. W. Walker und P. Valentine Harris gestützt. Nach Hunters Rekonstruktion beteiligte sich der in den Manor Rolls genannte Robert Hood 1322 an der gescheiterten Rebellion des Thomas Plantagenet, 2. Earl of Lancaster, gegen König Eduard II. Aufgrund seiner Beteiligung sei er geächtet worden und habe sich in den Barnsdale Forest geflüchtet. Im folgenden Jahr soll er vom König, der nach Nottingham gereist war, begnadigt und in den königlichen Dienst aufgenommen worden sein. Tatsächlich erscheint 1324 in den Schatzkammerakten ein Kammerdiener namens Robyn Hod, der Ende desselben Jahres wegen Arbeitsunfähigkeit mit einer finanziellen Unterstützung aus dem Dienst ausschied. Diese Darstellung weist Parallelen zur "Gest of Robyn Hode" auf, in der Eduard II. Robin Hood begnadigt und an seinen Hof aufnimmt. Allerdings sprechen mehrere Argumente gegen Hunters Theorie: Zum einen tritt sein „Robin Hood“ vergleichsweise spät in Erscheinung, zum anderen konnte der Mediävist James Clarke Holt nachweisen, dass der königliche Kammerdiener bereits Monate vor Eduards Aufenthalt in Nottingham im Dienst stand. Daher bleibt fraglich, ob Robert Hood und Robyn Hod tatsächlich dieselbe Person waren.

James Clarke Holt versuchte, aus verschiedenen historischen Hinweisen ein mögliches reales Vorbild für Robin Hood zu rekonstruieren. Dabei stützte er sich auf urkundlich belegte Personen des 13. und frühen 14. Jahrhunderts mit Namen wie Robin Hood oder ähnlichen Schreibvarianten. Die Quellenlage zu diesen Personen ist jedoch äußerst dürftig. Bedeutend war insbesondere eine Entdeckung des Historikers David Crook aus dem Jahr 1984: Er identifizierte zwei lateinische Quellen aus den Jahren 1261 und 1262, in denen ein flüchtiger Räuber namens William, Sohn des Robert le Fevre, erwähnt wird. In einer späteren Quelle wird dieser Mann als Willelmi Robehod fugitivi bezeichnet. Daraus schloss Crook, dass Namen wie „Robinhood“ oder „Robehod“ bereits Mitte des 13. Jahrhunderts als gebräuchliche Spitznamen für geächtete Räuber verwendet wurden. Wenn dies zutrifft, müsste ein möglicher historischer Robin Hood bereits vor 1262 gelebt haben. Tatsächlich häufen sich zwischen 1265 und 1322 urkundliche Nachweise von Personen mit Namen wie Robinhood, Robehod oder Rabunhod in ganz England, wobei allerdings nicht alle dieser Personen kriminell auffielen. Holt vermutete, dass ein 1225 in den "Pipe Rolls" erwähnter flüchtiger Robert Hod das ursprüngliche Vorbild für den Balladenhelden gewesen sein könnte. Dieser war einem Gerichtstermin in York ferngeblieben, woraufhin sein Besitz im Wert von über 32 Schilling eingezogen wurde. Zwei Jahre später erscheint derselbe Geächtete in einer Aktennotiz unter dem Namen Hobbehod und wird dort als Pächter des Erzbistums York bezeichnet. Holt nahm an, dass sich aus dieser Figur im Laufe der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Robin-Hood-Legende entwickelte, die sich in ganz England verbreitete und nach und nach Elemente weiterer historischer Personen aufnahm.

Zu diesen möglichen Vorbildern zählt auch Roger Godberd. Wie der von Walter Bower beschriebene Robin Hood war er ein Anhänger Simon de Montforts. Nach dem Scheitern der Rebellion von 1265 führte Godberd eine Gruppe Geächteter an, die Nottinghamshire, Derbyshire und Leicestershire unsicher machte. Erst nach jahrelanger Verfolgung wurde er gefasst und starb 1276 im Gefängnis von Newgate. Ihm wurden unter anderem Überfälle auf Klöster und der Mord an einem Mönch vorgeworfen. Bemerkenswert ist zudem, dass ihn laut Anklage ein Ritter namens Richard Foliot unterstützte – eine mögliche Parallele zur Figur Richard of the Lee aus den Balladen. Als mögliches Vorbild für Bruder Tuck gilt wiederum der Geistliche Robert Stafford, der zwischen etwa 1417 und 1429 gemeinsam mit einer Bande zahlreiche Straftaten und sogar Morde in Surrey und Sussex beging und dabei den Decknamen „Friar Tuck“ verwendete.

Der Robin-Hood-Forscher Barrie Dobson vertrat dagegen die Auffassung, dass es möglicherweise nie ein konkretes historisches Vorbild für Robin Hood gegeben habe. Aus dem gehäuften Auftreten des zusammengeschriebenen Namens „Robinhood“ und ähnlicher Varianten seit dem späten 13. Jahrhundert schloss er, dass dieser ursprünglich kein Eigenname gewesen sei, sondern eine volkstümliche Bezeichnung für „Dieb“ oder „Räuber“. Der Name habe demnach zunächst als allgemeiner Spitz- oder Platzhaltername für Gesetzlose gedient und sei erst später auf die legendäre Figur übertragen worden. Im Laufe der Zeit habe die literarische Gestalt Robin Hood die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs verdrängt. Unabhängig von dieser Debatte gilt Dobsons gemeinsam mit J. Taylor veröffentlichte Quellenedition "Rymes of Robyn Hood" von 1976 bis heute als ein wissenschaftliches Standardwerk.

In die Robin-Hood-Erzählungen flossen zudem Motive aus älteren Legenden ein, insbesondere aus den Geschichten um Hereward the Wake, einen tatsächlichen Widerstandskämpfer gegen die normannische Eroberung Englands. Mit der wachsenden Popularität Robin Hoods geriet die Erinnerung an Hereward zunehmend in den Hintergrund. In der Forschung ist allerdings umstritten, in welchem Umfang Elemente der Hereward-Legenden tatsächlich in die Robin-Hood-Tradition übernommen wurden. Vergleichbare Diskussionen gibt es auch hinsichtlich möglicher Einflüsse der Geschichten um den nordfranzösischen Banditen Eustache le Moine.
 
MinnieMaus18 Imagineer
Wahnsinn, vielen lieben Dank für deine Beiträge, ich finde das alles mega spannend. Auch wenn die Tatsachen und Realität in so vielen Filmen so unfassbar romantisiert wird. Versteht mich nicht falsch, ich liebe diese Filme und wünschte, die Welt wäre ein bisschen mehr Disney. Aber es ist manchmal so schade, welch schrecklichen Geschichten hinter den tatsächlichen Figuren/Menschen stecken...
 
Pachi Stammgast in den Parks
Lancys Naschkatzengrundsicherer
Danke @Cassi_Tonia , du hast ja einen eigenen Robin Hood Roman geschrieben. :pixiedust::s036:
Die Robin Hood Legende hat mich immer schon fasziniert. Ich bin in den 80ern mit der wundervollen Robin of Sherwood Serie groß geworden und habe alles zu dieser Legende gelesen, was ich in die Finger bekam. Zum Disney Film hatte ich ein Sammelalbum von Panini und ein Klassenkamerad konnte die Figuren ganz toll zeichnen. Erstaunlich, welche Erinnerungen mit diesen Figuren verbunden sind, egal ob sie real waren oder erfunden sind.
 
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