Geschichte des Parks - Warum nicht in DE?

Fragensteller Hat den Namen Disney schonmal gehört
Hallo zusammen,

ich habe zur Geschichte des Parks schon Einiges gefunden, u.a. das hier:


Allerdings würde mich genauer interessieren, warum man sich gegen Deutschland entschieden hat.
Wie lange war Deutschland überhaupt "im Rennen", welche weiteren (ausgeschiedenen) Standortalternativen (außer Barcelona, Marseille, Paris) gab es noch?
Vielleicht kennt sich ja jemand hier mit der (Planungs-)Geschichte gut aus. :)

Und denkt ihr, dass Deutschland das Rennen gemacht hätte, wenn damals der Fall der Mauer absehbar gewesen wäre?
Das hätte den Park ja direkt in die neue Mitte des neuen/vereinten Europas katapultiert....

Danke für eure Antworten. :)
 
torstendlp Administrator
Teammitglied
Hi!

Schöne Frage!

Erst einmal zu den Standorten:
Es waren noch viele andere Standorte im Rennen, die alle recht früh ausgeschieden sind.
Auf jeden ein weiterer in Spanien, aber zentraler, die südliche Niederlande, Großbritannien.

Die waren alle mehr oder minder schnell raus, weil sie entweder zu abgelegen (Zentralspanien), nicht ideal mit dem Auto erreichbar (Großbritannien) waren oder keine wirklich geeigneten, zusammenhängenen Landgebiete (Niederlande) in der nötigen Größenordnung gefunden wurden.

Deutschland, mit einem Standort nördlich von München, unweit des Flughafens Franz Josef Strauß, war auch recht schnell raus.
Das lag zum einen an den höheren Auflagen in Deutschland, größeren Problemen, das Land zu bekommen und keinen Signalen, dass Deutschland viel Unterstützung geleistet hätte, aber vor allem an der damaligen Randlage.

Schnell haben sich die spanische Mittelmeerküste und Marne-la-Vallee rauskristallisiert und es gab quasi den Wettstreit darum, den letzlich Frankreich mit vielen Zugeständnissen, aber auch der dann alles in allem doch besseren Lage, dem Mythos Paris etc. für sich entschieden hat.

Allerdings habe ich mehrfach, auch wenn das natürlich nie offiziell gesagt wurde, auch einmal von einem guten Kenner der Frühgeschichte des Resorts und gleichzeitig höherrangigem CM damals, Anfang der 2000er, gehört, dass man die Entscheidung für Frankreich letztlich doch bereut habe - aus unterschiedlichen Gründen.

Hätte man Mitte der 1980er Jahre, 1986, gewusst, dass 1989 die Mauer fallen würde und auch die anderen Staaten Osteuropas ihre Freiheit bekommen würden, Deutschland vom Rand des westlich und marktwirtschaftlich orientierten Europas in dessen Zentrum rücken würde, man es zumindest angestrebt hätte, in Deutschland zu bauen bzw. das die erste Präferenz geworden wäre.

Ob das allerdings dann etwas geworden wäre, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich wäre es auch weiterhin darauf angekommen, wie weit das Land Bayern, der Bund und auch die Kommunen Disney entgegen gekommen wären, in die Infrastruktur investiert hätten etc. Da war Frankreich ja sehr weit bereit - hinzu kam, dass das in Deutschland auch auf Grund der föderalen Struktur weniger einfach gewesen wäre, Zugeständnisse zu erringen.
 
Fragensteller Hat den Namen Disney schonmal gehört
Danke für deine ausführliche Antwort. Das klingt ja sehr interessant. :)

Welche Zugeständnisse hat Frankreich denn gemacht?

Und weißt du auch, wo genau im Norden des Münchner Umlands der ins Auge gefasste Standort war?
Ist ja sicher nicht einfach, etwas Unbebautes/Zusammenhängendes in dieser Größe (lt. Google Earth hat die Innenfläche des Straßen-Rings um das DLRP 750 Hektar!) zu finden und gleichzeitig auch alle Grundstückseigentümer zu überzeugen, das dann zu verkaufen... wie hat man Disney das in Frankreich geschafft? Oder war das Bauland dort in staatlichem/kommunalem Besitz?

Danke nochmal :)
 
torstendlp Administrator
Teammitglied
Ja, interessant waren die Artikel, aber eben typischer Spiegel-Duktus. Abwertender Tonfall, gegenüber allem, was (angeblich) keine hohe Kultur ist.

Damals (und auch heute noch) stempeln viele Leute Themenparks als zu kitschig oder zu künstlich ab. Als das, damals noch Euro Disney genannte, Disneyland Paris gebaut werden sollte, war das ja auch genauso.
Aber genau diese Leute, die das ablehnen, schütten oftmals großes Lob über Lustgärten und ähnliches aus und vergessen dabei, dass thematisierte Welten schon sehr früh auch Bestandteil der europäischen Kultur warn.
Dabei gab es doch in früheren Lustgärten auch sehr viele thematische Elemente.
In der Hochzeit der sogenannten „Orientbegeisterung“ haben wir in europäischen Lustgärten zum Beispiel nachgebaute Moscheen und Minarette gesehen, in mitteleuropäischen Gärten künstlich angelegte mediterrane Grotten, es gab einen „chinesischen Palast“ und es gibt immer noch eine künstliche Burgruine in dem riesigen Komplex aus Schlössern und Gärten in der Lednice-Valtice Region in der Tschechischen Republik, der heutzutage als „der Garten Europas“ bezeichnet wird und als Paradebeispiel für hochkulturelle Parkanlagen gilt.

Man kann auch sagen, dass Perraults Perystil am Louvre in Paris nach dem architektonischen Stil der römischen Antike gestaltet ist.
Auch das Grand Trianon, oder zumindest einige seiner Elemente, in den berühmten Gärten von Versailles, erinnert an die Antike.
Quer durch Europas Schlossgärten können überall Statuen alter griechischer Gottheiten bewundert werden, auch eine Thematisierung in Form eines Rückgriffs auf die Antike.
Das sind nur einige wenige Beispiele, und es gibt noch viele mehr.

Von solchen Autroen kann mir aber keiner erklären, warum die Urteile über „frühere thematisch gestaltete Attraktionen“ und „moderne thematisch gestaltete Attraktionen“ so weit auseinandergehen - die Antwort darauf entstammt letztlich elitärem Dünkel, ist aber sachlich nicht begründbar.

Das damalige Zitat vom kulturellen Tschernobyl, das ja im Kontext entstand, dass die Kultur Frankreichs in Gefahr sei, wenn Disney sich dort ansiedeln würde, war meiner Meinung nach sehr selbstentlarvend.
Für wie schwach muss man die eigene Kultur denn halten, wenn man sie durch die Ansiedelung einer Unterhaltungs- und Freizeiteinrichtung in Gefahr sieht?
 
prinzphillip Besucht die Disney University
Beim Mauerfall befand sich das Resort ja noch mitten im Bau.

Ich habe mal gelesen, dass man ab diesem Zeitpunkt mit noch viel mehr Gästen rechnete und noch großzügiger in das Resort investiert wurde.
Es gab ja einige "Budgetbreaker" seitens Michael Eisner. Allerdings weiß ich nicht, inwiefern diese durch den Fall der Mauer beeinflusst waren.

Disney hatte damals bekanntlich nur eine "Angst": Dass das Resort "zu erfolgreich" sein könnte...

Ich habe irgendwo eine Grafik aus den 80ern, in der Disney die Einwohner- und Besucherzahl der Disney-Parks von den USA und Japan der Einwohnerzahl von Europa gegenüberstellt. Dazu nur ein Wort: "Imagine".
 
prinzphillip Besucht die Disney University
MikeFink Cast Member
Das das mit Asterix nichts wird versteht sich von selber. Schließlich darf man nicht vergessen das Asterix selber einen Park seit 1989 bei Paris hat. Also gar nicht so weit vom DLRP entfernt (ca. 30 Kilometer). Und die Franzosen würden sicherlich eine amerikanische Konkurrenz auf so nahem Raum sicher nicht dulden.
 
disneyfan5000 Stammgast in den Parks
torstendlp schrieb:
Hi!

Schöne Frage!

Erst einmal zu den Standorten:
Es waren noch viele andere Standorte im Rennen, die alle recht früh ausgeschieden sind.
Auf jeden ein weiterer in Spanien, aber zentraler, die südliche Niederlande, Großbritannien.

Die waren alle mehr oder minder schnell raus, weil sie entweder zu abgelegen (Zentralspanien), nicht ideal mit dem Auto erreichbar (Großbritannien) waren oder keine wirklich geeigneten, zusammenhängenen Landgebiete (Niederlande) in der nötigen Größenordnung gefunden wurden.

Deutschland, mit einem Standort nördlich von München, unweit des Flughafens Franz Josef Strauß, war auch recht schnell raus.
Das lag zum einen an den höheren Auflagen in Deutschland, größeren Problemen, das Land zu bekommen und keinen Signalen, dass Deutschland viel Unterstützung geleistet hätte, aber vor allem an der damaligen Randlage.

Schnell haben sich die spanische Mittelmeerküste und Marne-la-Vallee rauskristallisiert und es gab quasi den Wettstreit darum, den letzlich Frankreich mit vielen Zugeständnissen, aber auch der dann alles in allem doch besseren Lage, dem Mythos Paris etc. für sich entschieden hat.

Allerdings habe ich mehrfach, auch wenn das natürlich nie offiziell gesagt wurde, auch einmal von einem guten Kenner der Frühgeschichte des Resorts und gleichzeitig höherrangigem CM damals, Anfang der 2000er, gehört, dass man die Entscheidung für Frankreich letztlich doch bereut habe - aus unterschiedlichen Gründen.

Hätte man Mitte der 1980er Jahre, 1986, gewusst, dass 1989 die Mauer fallen würde und auch die anderen Staaten Osteuropas ihre Freiheit bekommen würden, Deutschland vom Rand des westlich und marktwirtschaftlich orientierten Europas in dessen Zentrum rücken würde, man es zumindest angestrebt hätte, in Deutschland zu bauen bzw. das die erste Präferenz geworden wäre.

Ob das allerdings dann etwas geworden wäre, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich wäre es auch weiterhin darauf angekommen, wie weit das Land Bayern, der Bund und auch die Kommunen Disney entgegen gekommen wären, in die Infrastruktur investiert hätten etc. Da war Frankreich ja sehr weit bereit - hinzu kam, dass das in Deutschland auch auf Grund der föderalen Struktur weniger einfach gewesen wäre, Zugeständnisse zu erringen.
Das München eine Option gewesen sein soll, ist mir neu. Ich habe mal gehört, das eine Gegend um Frankfurt in der Verlosung gewesen sein soll. Ich glaube nicht, das ein Disneyland Resort in Deutschland so funktioniert hätte, wie man es bei einem Disneypark sonst sieht. Es hätte bestimmt schon in den achtzigern größere Umweltauflagen für Disney gegeben, auch die Tatsache das Disney gegen Ende des Tages, Feuerwerke veranstaltet, hätte bestimmt zu Problemen geführt. Und ob man sich einfach so erweitern hätte können, hmmm? Also für Disney hätte es aus dieser Sicht bestimmt viel mehr Probleme gegeben als in Frankreich. Und es stellt sich auch die Frage, ob Disney, wenn sie jetzt irgendwo in Deutschland wären, sich tatsächlich so erweitern hätten können, wie sie es jetzt aktuell vorhaben. Trotzdem schade das es mit Deutschland damals nicht geklappt hat.
 

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