Das Schicksal nimmt seinen Lauf | Arbeiten im Disneyland Paris

Wie versprochen melde ich mich mit „Teil 2“ zurück, auch wenn es nun doch etwas spät geworden ist… Nachdem wir also einmal mehr am 9. März aus einem kurzen DLP-Urlaub im „Séjour & Affaires“ kamen und uns widerwillig zurück in den Berliner Alltag begaben, war nach vielem Hin und Her und einigen langen Diskussionen klar: Wir werden es mit einer Bewerbung im DLP einfach mal versuchen! Ich informierte Frau R. Von der Arbeitsagentur/ZAV noch einmal telefonisch – und dann ging es auch schnell an die schriftliche Bewerbung. Diese ist per E-Mail möglich und umfasst folgende, notwendigen Dokumente:- einen mehrseitigen Fragebogen der ZAV (in dem man u.a. auch angeben kann, in welchem Bereichen man eingesetzt werden möchte) –> Dokument und Infos HIER
– einen französischen „lettre de motivation“, also ein Anschreiben, aus dem die Beweggründe für die Bewerbung und die eigene Qualifikation hervorgehen
– sowie einen CV (Lebenslauf) auf französisch, dem die Recruiter persönliche Angaben, Kontaktdaten und die bisherigen beruflichen Stationen entnehmen können.

Das Abenteuer Arbeiten im Disneyland Paris beginnt – mit einer Bewerbung

Das alles ist nicht wirklich überanspruchsvoll und darf alternativ auch auf englisch eingesandt werden. Wir haben für unsere beiden Bewerbungen insgesamt ca. 1 Woche benötigt. Man kann es sicher auch an einem Tag schaffen… aber wenn man erst abends nach Hause kommt und sich dem Thema dann max. noch 1-2 Stunden widmen kann, dauert es schon länger. Mich hat dabei nicht nur das Formulieren des Motivationsbriefes auf Französisch viel Zeit gekostet, sondern vor allem auch die Umgestaltung des Lebenslaufes in die „französische Form“, die in einigen Punkten von „unserem“ Lebenslauf abweicht… und der natürlich auch in allen Punkten (und Jobbezeichnungen) ins Französische übersetzt werden muss. Die Bewerbungsunterlagen für meine bessere Hälfte mussten wir natürlich auch gemeinsam erstellen, da sie zwar 3 Jahre Französisch in der Schule hatte – was aber 10 Jahre zurückliegt und zugegebenermaßen nicht sonderlich wirkungsvoll war. Die Grundkenntnisse von Grundkenntnissen waren zwar da – aber sie konnte keinen einzigen (kurzen) Satz auf Französisch formulieren. Beste Voraussetzungen also fürs Casting – juhuu!
Die also quasi von mir geschriebene Bewerbung meiner Freundin sowie meine eigenen Unterlagen sandten wir also Anfang April per Mail bei der ZAV ein. In der Bewerbung selbst waren wir beide durchaus auf unsere Disney-Fan-Geschichte, also unsere Liebe zu Disney und Disneyland, wie auch unsere jeweilige Erfahrung im Bereich der Kundenkommunikation eingegangen. Außerdem haben wir betont, dass wir die Atmosphäre, die wir selbst so an Disneyland lieben, gerne an die anderen Gäste weitergeben möchten – und deshalb gerne selbst Teil dieser wunderbaren Welt werden möchten. Das ist auch wirklich so: Ich persönlich wollte in Disneyland arbeiten, weil ich die Stimmung, die mich erstmals im Sommer 2009 so fasziniert hat, an andere, neue wie alte Gäste zurückgeben möchte. Es ist einfach unglaublich schön, wenn man den Gästen, und vor allem den Kindern, weiterhelfen und/oder sie in den Parks begeistern kann. Und es ist natürlich ein sehr direktes Feedback, das man von seiner Arbeit bekommt, weil man so nah an den Gästen ist. Früher habe ich ein hunderte Kilometer entferntes Callcenter angerufen, um mit den Verantwortlichen vor Ort zu besprechen, wie die Mitarbeiter am Telefon auf diese oder jene Anfrage eines Kunden reagieren sollen. Jetzt stehen die Kunden direkt vor mir – was einem, im wahrsten Sinne, ganz neue Blickwinkel eröffnet. Aber es macht wirklich sehr viel Freude – und es ist natürlich nebenbei sehr hilfreich, den ganzen Tag auf Französisch und Englisch kommunizieren zu müssen. Ich will aber trotzdem nochmal betonen, dass dieses von mir beschriebene Motiv, warum man in DLP arbeiten möchte (und das bei jedem ein anderes sein kann) in meinen Augen unverzichtbar ist. Denn meiner Meinung nach reicht es nicht, Disney einfach nur toll zu finden. Es muss einem wirklich klar sein, dass man über den von uns gewählten Weg – zumindest vorerst – wirklich nur sehr einfache Aushilfsjobs machen wird – und das muss man wollen. Und, dass man als Cast Member (ich denke egal auf welchem Job-Niveau) Dinge sieht, die den eigenen Blick auf die Disney-Magie nicht nur ändern, sondern durchaus auch zerstören können. Meine Kollegen haben mir erzählt, dass schon einige Cast Member, die in erster Linie große Disney-Fans waren, im DLP gescheitert sind, weil es ihnen nicht gelungen ist „ihre Rolle“ einzunehmen bzw. von der Realität eingeholt wurden, die nicht so ganz ihrem Disney-Traum entsprach…

Ich hoffe, es verwirrt nicht allzu sehr, dass ich hier nicht 100% chronologisch berichte. Der hier beschriebene Zeitraum liegt eben ungefähr schon ein Jahr zurück, weshalb ich natürlich selbst auch ein wenig beeinflusst bin von dem, was seither geschah – deshalb kommentiere ich mein Erlebtes von damals jetzt ein wenig mit dem Blick von heute. Auch wenn ich das bei der Bewerbung natürlich noch gar nicht wissen konnte, ist es vielleicht für zukünftige Cast Member in dieser Runde dennoch hilfreich, sich bereits an dieser Stelle über die ein oder andere Frage im Vorfeld Gedanken zu machen…

Und damit zurück zum Thema. Wir haben unsere Bewerbungen also abgeschickt – und wenige Tage später jeweils einen Brief von der ZAV erhalten, in dem uns einerseits der Eingang der Bewerbungsunterlagen bestätigt wurde. Andererseits musste man diesen unterschrieben zurückschicken – und damit bestätigten, dass man mit dem Weiterversand der Unterlagen ins Fantasia-Gebäude im Val d’Europe (wo sich das Casting-Team befindet) einverstanden ist.

Französisch pauken – die Sprache muss sitzen

Nachdem wir das Formular zurückgefaxt hatten, ging es nun also um unsere brenzligste Baustelle: Das Französisch meiner Freundin. Ihr Plan war: Sie besucht ab sofort einen Intensivkurs, so dass sie – mit etwas auswendig gelernten Antworten – einen Monat später das für (mittlerweile) Anfang/Mitte Mai angesetzte Casting bestehen würde. Anschließend würde sie den Kurs noch 3 Monate bis Mitte August weitermachen, um dann zumindest so gut sprechen zu können, um in Frankreich beginnen zu können. Der Rest – so der Plan – würde sich dann durchs „dort sein“ und die Arbeit vor Ort ergeben, was ja bekanntermaßen der beste Weg ist, um eine Sprache WIRKLICH zu lernen.

Der Französisch-Kurs musste einerseits möglichst günstig sein – andererseits aber auch zeitlich flexibel, da meine Freundin selbst recht unregelmäßige Arbeitszeiten hatte. Wir merkten deshalb recht schnell, dass deshalb wohl kein Weg an einem Einzelunterricht vorbei führen würde. In Berlin fanden wir dann dennoch eine Sprachschule, die genau das zu recht vertretbaren Preisen anbot: Für rund 200 € pro Monat konnte sie nun 2x wöchentlich je 1 1/2 Stunden im Einzelunterricht Französisch lernen und gleichzeitig jede Woche neu ihre 2 Unterrichtstage bestimmen… Bevor sie den Vertrag allerdings für 4 Monate unterschrieb, bangten wir erstmal weiterhin, ob wir überhaupt zum Casting eingeladen würden… Rund 2 Wochen nach Einsendung unserer Fax-Bestätigung kam dann allerdings an uns beide per E-Mail die erleichternde Nachricht: Eine Einladung zum DLP-Casting in Dresden, welches im Mai stattfinden würde. Ein genaues Datum, Uhrzeit oder Ort wurden allerdings noch nicht mitgeteilt.

Als Startschuss für den Französischkurs reichte es aber natürlich. Und nun wurde also gelernt, was die verbleibende Freizeit hergab. Und um gleich die Ernüchterung mitzuliefern, die Chiyo ja hier auch teilweise schon beschrieben hat: Es ist sehr viel schwieriger, als man es sich vorher denkt. Oder anders: Es geht einfach sehr viel langsamer voran, als man glaubt und jeder Fortschritt in dieser nicht ganz simplen Sprache ist für Anfänger leider ziemlich mühsam. Mittlerweile war auch schon Ende April. Wir hatten aber immer noch kein Casting-Datum, was also hätte bedeuten können, dass es z.B. schon Anfang Mai stattfindet. Und dann hätte zumindest sie es unmöglich bestehen können. Die Nervosität stieg also beträchtlich … Gleichzeitig wurde unsere Wohnung französisch: Jedes Möbelstück wurde mit seinem französischen Namen beklebt und auf großen Plakaten wurden stichwortartig die Fragen und Antworten notiert, die in Dresden gestellt werden könnten: Sich auf Französisch vorstellen… Warum möchte ich in Disneyland arbeiten? Wo möchte ich in Disneyland arbeiten? Was qualifiziert mich dafür? Was mag ich an Disney und Disneyland? Aus einigen französischen und englischen Foren und durch die bisherigen Erfahrungsberichte hier wusste ich nämlich schon so ungefähr, auf was wir uns im Gespräch wohl werden einstellen müssen. Während ich mich also eher inhaltlich auf mein Interview vorbereiten musste, hatte meine Freundin es natürlich ungleich schwerer: Sie musste gleichzeitig weiterhin wie wild französisch lernen, darüber hinaus aber Sätze und Antworten lernen (die sie teilweise nicht einmal 100%ig verstand) – und natürlich auch die möglichen Fragen in jeder Variation lernen, damit sie überhaupt verstehen können würde, was man nun von ihr wissen wollte… Zusätzlich nicht einmal wissen zu können, WANN dieses Interview denn nun stattfinden sollte, war der Situation irgendwie auch nicht gerade zuträglich…

Die Vorbereitung auf das Casting

Am 3. Mai war es dann endlich soweit: Wir erhielten tatsächlich, direkt von der Recruiterin Nicole aus DLP, eine Einladung zum Casting, welches am 23. und 24. Mai in Dresden stattfinden sollte. Direkt in der E-Mail befand sich ein Link zu einer Art Online-Kalender, in der man dann seinen eigenen „Slot“ für Montag oder Dienstag wählen konnte. Außerdem musste man seine Telefonnummer eintragen. Wir haben echt schon so dermaßen Angst gehabt, als wir nur diesen Termin online bestätigt haben! Vor allem weil durch die Angabe der Tel-Nummer ja irgendwie die Möglichkeit bestand, dass man zusätzlich noch angerufen werden könnte… Ein zweideutiger Eintrag in der Facebook-Gruppe zum Casting schürte dann zusätzlich noch das Gerücht, es würden teilweise vorab Anrufe gemacht, um die Sprachkenntnisse zu testen…! Oh je… wir wollten unsere Handys ab sofort echt ausgeschaltet lassen!!!

Mit der Angst hörte es ab diesem Tag auch leider überhaupt nicht mehr auf. Ich weiß gar nicht, woher es kam. Im Grunde genommen war eine mündliche Abi-Prüfung oder meine Diplom-Präsentation nach dem Studium viel schwerwiegender. Trotzdem war die Angst jetzt viel viel größer – naja, vielleicht wird man irgendwann älter und ist nicht mehr so gelassen… Eigentlich hatten wir auch immer gesagt: Wir gehen zum Casting – und egal, ob es klappen würde – ob wir wirklich nach Paris gehen, entscheiden wir später. Hauptsache erst einmal die Möglichkeit dazu haben. Vielleicht.

Leider kristallisierte sich aber für mich mehr und mehr heraus, dass es mir doch sehr, sehr wichtig wäre, wirklich nach Paris gehen zu können. Und da drängte sich natürlich auch irgendwann die Frage auf: Was, wenn nur eine/r von uns genommen würde…??? Wir hatten vorher ganz klar gesagt, dass wir dieses Abenteuer nur gemeinsam starten würde – weil alles andere in einer Beziehung wohl auch irgendwie – zumindest für uns – weltfremd gewesen wäre. Alleine hätte ich, denke ich, nicht soo viel Angst vor dem Casting gehabt. Aber da ich wusste, dass es für meine Freundin noch schwerer würde, als für mich, war ich doppelt aufgeregt. Und sie eben auch. Wahrscheinlich haben wir uns da viel zu sehr reingesteigert… Manchmal muss man sich dann echt sagen: „Es geht NUR um einen Aushilfsjob in einem Freizeitpark.“ Geholfen hat es nichts… die Zeit bis zum Casting war echt unerträglich.

Für Dienstag, 24. Mai hatten wir uns dann beide Urlaub genommen. Da das Casting schon morgens ab 9:30 h stattfinden sollte und wir ja aus Berlin anreisen würden, haben wir uns außerdem für eine Hotelübernachtung für die Nacht von Montag auf Dienstag entschieden. Direkt gegenüber der Arbeitsagentur gab es ein Achat-Hotel, in welchem ich dann aufgrund der unschlagbaren Lage ein Zimmer für uns gebucht habe.

Die letzten Tage, bevor es endlich am Montagabend nach Dresden gehen sollte, bestanden eigentlich nur noch aus Interview-Vorbereitung, gegenseitigem „Abfragen“ und lernen, lernen, lernen… Da ich ja schon viele Fragen herausgesucht hatte, die ehemalige Casting-Teilnehmer in anderen Sessions gestellt bekommen hatten, versuchten wir uns beide mit guten Antworten auf jede mögliche Situation vorzubereiten. Gleichzeitig sollte es ja aber auch nicht zu sehr „auswendig gelernt“ sein, sondern musste irgendwie freundlich, lächelnd, locker rüberkommen. Trotzdem habe ich in der Vorbereitung erstmal richtig feststellen müssen, wie wenig (oder wie wenig hilfreich) 9 Jahre Schulfranzösisch sind: nämlich gar nicht. Alle Dinge, die ich im Casting gerne loswerden wollte, musste ich in mühsamer Kleinarbeit vorfomulieren, aufschreiben und versuchen, zu verinnerlichen. Bei meiner Freundin war es natürlich noch viel schwieriger. Trotzdem war sie auf dem besten Wege, die „Dialoge“, auf die sie sich vorbereitet hatte, in guter Aussprache und überzeugend zu sprechen – und sie verstand auch die Fragen, die wir zusammen erarbeitet hatten… aber würde das reichen…???

Das Casting – es ist soweit

Am Montag, den 23. Mai, kam ich nachmittags direkt vom Verlag zum Hauptbahnhof, wo wir uns zur Abfahrt verabredet hatten. Etwas verunsichert, aber auch irgendwie froh, dass es nun endlich losgehen würde, setzten wir uns in den Intercity nach Dresden und genossen die Fahrt im plüschigen Restaurantwagen der tschechischen Bahnen. Nach dem Check-In ins Hotel nutzten wir den Abend im Hotelzimmer, um uns weiter vorzubereiten und noch einmal alles durchzugehen. Das Einschlafen fiel natürlich nicht gerade leicht… weil die Gedanken nicht aufhören wollten zu kreisen. Trotzdem war ich guter Dinge. Wir hatten alles getan, was in der Kürze der Zeit machbar war, mehr war nicht möglich. Wenn es also jetzt nicht klappen würde, sollte es also wohl einfach nicht sein.

Am Morgen standen wir gegen 7 Uhr auf, um beide noch vor dem Frühstück duschen und uns fertig machen zu können. Anschließend ging es runter zum Buffet, wo einige andere Frühstücksgäste irgendwie auch so aussahen, als würden sie gleich zum Casting gehen. Bloß sahen die wirklich alle viel entspannter aus als wir! An einem Tisch direkt am Buffet entdeckte ich dann auch zwei Damen mit „Nametag“ der Arbeitsagentur. Dass es Frau R. mit ihrer Kollegin war, mit der ich nun ja schon mehrfach telefoniert hatte, sollten wir dann ca. eine Stunde später feststellen. Den Aufpreis für das Frühstücksbuffet, das – anders als in den Disney-Hotels – nicht im Zimmerpreis enthalten war, hätten wir uns aber echt sparen können: Wir bekamen beide kaum einen Bissen herunter. Nach dem Frühstück noch einmal kurz Zähneputzen… und tatsächlich noch einmal ein kurzes absurdes Gespräch darüber führen, ob wir wirklich zum Casting gehen sollen, weil es uns gerade so schlecht ging… Angst, Bauchschmerzen, Herzklopfen, Schwindelgefühl… Ich bin echt ein Weichei!!!

Pünktlich um kurz vor halb 10 gingen wir rüber in die Arbeitsagentur Dresden, Budapester Str. 30… und so nahm das Schicksal seinen Lauf…

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