Ankündigung auf der D23 Expo?

Space Mountain im Magic Kingdom: Gerüchte um einen großen Umbau

| John HenchMagic KingdomSpace MountainTomorrowland

Das Eingangsschild von Space Mountain im Magic Kingdom in Walt Disney World, weiße Schrift, in Neongrün umrandet an einer Chromesäule

Es gibt nicht viele Attraktionen, die ein halbes Jahrhundert nahezu unverändert überstehen. Space Mountain im Magic Kingdom ist so ein Fall: Seit dem 15. Januar 1975 rasen dort Raketenzüge durch die Dunkelheit eines weißen Betonbaus, der längst ebenso zur Silhouette von Walt Disney World gehört wie das Cinderella Castle. Ausgerechnet jetzt, gut fünf Wochen vor der D23 Expo 2026 in Anaheim, verdichten sich allerdings die Anzeichen, dass dem Klassiker der größte Eingriff seiner Geschichte bevorstehen könnte.

In diesem Artikel
  • Berichten zufolge plant Walt Disney World einen umfassenden Umbau von Space Mountain im Magic Kingdom: kompletter Streckenaustausch, dazu Veränderungen an Warteschlange und Stationen.
  • Offiziell bestätigt ist nichts — es gibt kein grünes Licht, keine Schließungsdaten und keine Stellungnahme von Disney.
  • In der Diskussion ist eine Schließung Anfang 2027 mit Wiedereröffnung 2029 oder 2030, nach dem Vorbild der Sanierung von Big Thunder Mountain Railroad.
  • Die wahrscheinlichste Bühne für eine Ankündigung wäre die Disney Experiences Showcase auf der D23 Expo am 15. August 2026.
  • Unsere eigene Analyse zeigt zudem: Anders als häufig behauptet, wäre im Magic Kingdom durchaus Platz für einen kompletten Neubau nach Tokyoter Vorbild — die eigentliche Hürde ist das Geld, nicht die Geografie.

Der Ursprung der Gerüchte um Space Mountain in Walt Disney World

Am 9. Juli 2026 berichtete das US-Portal WDWMagic unter Berufung auf eigene Quellen, Walt Disney World befinde sich in der Planungsphase für einen umfassenden Umbau der Achterbahn — ein Projekt, das nahezu jeden Bereich der Attraktion betreffen soll: vom kompletten Austausch der Strecke über die Warteschlange bis zum Ein- und Ausstieg. Offiziell bestätigt ist davon nichts. Und doch passt die Meldung auffallend gut zu einem Muster, das sich seit Monaten abzeichnet – vom Erfolg der Big-Thunder-Mountain-Sanierung über den spektakulären Neubau in Tokio bis zur stillen Verwandlung des gesamten Tomorrowland, die bereits jetzt im Gange ist.

Grund genug für einen ausführlichen Blick auf das Thema: auf die Gerüchtelage und ihre Belastbarkeit, auf 50 Jahre Space-Mountain-Geschichte, auf das Rekordprojekt in Japan – und auf die Frage, was ein Umbau in Florida bedeuten würde. Inklusive einer eigenen Karten-Analyse, mit der ich der gängigen Lesart der US-Fanszene in einem zentralen Punkt widersprechen werde.

Das Gerücht zu Space Mountain verdichtet sich

Kompletter Streckentausch, neue Station, neue Queue?

Die Gerüchte um einen Umbau von Space Mountain im Magic Kingdom sind nicht neu. Sie kommen seit Jahren immer wieder auf, verschwinden wieder und erscheinen aufs Neue.
Aktuell allerdings scheinen sie plausibler als in den letzten Jahren. Der aktuelle Auslösers ist der oben erwähnte und verlinkte Bericht vom 9. Juli. Demnach arbeitet Walt Disney World an den Planungen für einen Umbau, der weit über eine gewöhnliche Renovierung hinausgeht: Im Inneren des Berges soll die komplette Achterbahn erneuert werden, einschließlich eines vollständigen Austauschs der Strecke. Auch die Warteschlange und die Be- und Entladestationen sollen verändert werden. Als möglicher Zeitpunkt für eine offizielle Ankündigung wird die D23 Expo im August genannt.

Neu ist die Idee eines großen Umbaus nicht. Bereits seit Februar 2025 kursiert in einschlägigen Fanforen ein bemerkenswert konkretes Gerüchtepaket unter dem Arbeitsbegriff „Space Mountain 2.0″: Demnach sollte die Attraktion unmittelbar nach der Wiedereröffnung von Big Thunder Mountain für einen großangelegten Innenumbau schließen – mit nur noch einer statt zwei Strecken, Zügen mit Zweierreihen und dem niederländischen Achterbahnhersteller Vekoma als möglichem Partner. Dass die aktuelle Berichterstattung inhaltlich exakt an diese anderthalb Jahre alten Details anschließt, spricht eher für als gegen die Substanz des Ganzen.
Was aber dagegen spricht, dass die ursprünglichen Gerüchte Substanz hatten: Big Thunder Mountain ist schon eine gute Weile wieder offen. Eine sich unmittelbar anschließende Schließung von Space Mountain erfolgte nicht und ist bisher auch nicht konkret in Sicht.

Bericht, Analyse oder Wunschdenken?

Trotzdem – oder gerade deshalb – lohnt sich ein nüchterner Blick darauf, wie es um die aktuellen Gerüchte bestellt ist. Belastbar erscheint der Kern: dass es interne Planungen für eine umfassende Erneuerung gibt. Dieser Punkt wird inzwischen aus mehreren, voneinander unabhängigen Richtungen kolportiert und passt zur aktuellen Politik von Walt Disney World. Das Magic Kingdom erlebt die größte Transformation seiner Geschichte:

  • Big Thunder Mountain wurde grundlegend saniert
  • Die Rivers of America mit Tom Sawyer Island mussten weichen, hier entsteht der Neubau von Piston Peak
  • Mit dem Villains Land läuft eines der größten Bauprojekte seit Eröffnung des Magic Kingdoms
  • Im Tomorrowland stehen große Veränderungen an. Im Kleinen, wie im Großen. Bei Gestaltungselementen, aber auch bei Klassikern wie dem Carousel of Progress. Buzz Lightyear’s Space Ranger Spin hat bereits ein großes Update bekommen. Auf die Transformation des Tomorrowland gehe ich später noch ein.
  • Die ultimative Zukunft von Frontierland und sogar Liberty Square ist ungeklärt.

Deutlich weniger substanziell erscheint alles, was darüber hinausgeht: Streckenlayout, Sitzanordnung, Herstellernamen, Termine. Hier vermischen sich Informationsschnipsel mit individullen Einschätzungen der Plausibilität und lassen sich von außen kaum noch sauber trennen.

D23 Expo 2026: The Ultimate Disney Fan Event

Hinzu kommt der Kalender: Die Wochen vor einer D23 Expo sind traditionell Hochsaison für Gerüchte aller Art, weil Wunschzettel und tatsächliche Vorbereitungen in der Fanszene munter durcheinanderlaufen. Wer erinnert sich nicht, an die als von fast allen Fanseiten als sicher erachtete Ankündigung eines brasilianischen Pavillons für den World Showcase in Epcot vor einigen Jahren?
Dass dieses spezielle Gerücht dennoch ernst zu nehmen ist, liegt an drei Faktoren, die wir in diesem Artikel ausführlich beleuchten:

  • dem intern als voller Erfolg verbuchten Big-Thunder-Projekt.
  • dem laufenden Space-Mountain-Neubau in Tokyo Disney Resort.
  • dem Sanierungsstau, der sich seit dem abgespeckten Umbau von 2009 über mehr als anderthalb Jahrzehnte aufgetürmt hat.

Offiziell bestätigt ist: nichts

Walt Disney World hat weder eine Renovierung noch eine Schließung von Space Mountain angekündigt. Im offiziellen Wartungskalender taucht die Attraktion nicht auf, und auf Presseanfragen zur Zukunft des Klassikers gab es bislang keine Antwort. Gesichert ist also ausschließlich, dass entsprechende Berichte existieren — nicht, dass das Projekt beschlossen wäre. Zwischen einer Planungsphase und einem tatsächlich finanzierten, terminierten Bauprojekt liegt bei Disney erfahrungsgemäß ein weiter Weg, auf dem schon manches Vorhaben abgebogen oder versandet ist.

Bevor ich mich weiter mit dem Gerücht befasse, muss ich einen Blick in die Geschichte von Space Mountain in Florida werfen – und seine bisherigen Renovierungen.

Wie Space Mountain nach Florida kam

Das Matterhorn als Blaupause für Space Mountain

Matterhorn Bobsleds in Disneyland Anaheim, gesehen von der Lagune der Submarine Voyage aus

Die Vorgeschichte von Space Mountain beginnt nicht in Florida, sondern 1959 in Anaheim. Mit den von Disney in Zusammenarbeit mit Arrow Dynamics gebauten Matterhorn Bobsleds eröffnete dort die erste Achterbahn der Welt mit röhrenförmigen Stahlschienen – und sie bewies Walt Disney zweierlei: dass sich moderne Achterbahntechnik thematisieren lässt und dass ein ordentlicher Adrenalinschub sehr wohl in einen Disney Park gehört. Der logische nächste Schritt lag für Disney auf der Hand: dasselbe Prinzip, aber im Weltraum. Mitten im damaligen Wettlauf zum Mond erschien kein Thema passender.

„Space Port”: vier Röhren, aber keine Technik dafür

Space Mountain Concept Art von John Hench

Ab 1964 arbeitete Imagineering-Legende John Hench an einem Konzept, das zunächst unter Namen wie „Space Port” und „Space Voyage” firmierte – ein gewaltiger Kegel, in dem gleich vier Achterbahnstrecken übereinander und ineinander verlaufen sollten. Das Vorhaben scheiterte an der Realität der Sechzigerjahre: Um mehrere Züge gleichzeitig und sicher auf einer Strecke im Dunkeln fahren zu lassen, brauchte es eine computergestützte Blocksteuerung, die es schlicht noch nicht gab. In Anaheim fehlte zudem der Platz, ein Sponsor fand sich nicht, und mit Walt Disneys Tod im Dezember 1966 verschwand das Projekt in der Schublade. Dort wäre es womöglich geblieben, hätte das 1971 eröffnete Magic Kingdom nicht ein unerwartetes Problem offenbart: Das Publikum war jünger und thrill-hungriger als kalkuliert, und der neue Park hatte außer 20,000 Leagues Under the Sea: Submarine Voyage wenig Nervenkitzel anzubieten.

Eine Vertragsklausel rettet das Projekt

Dass aus der Idee in der Schublade doch noch Realität wurde, wenn auch in veränderter Form, verdankt Space Mountain ausgerechnet einem Telekommunikationsvertrag. Der Elektronikkonzern RCA hatte den Auftrag erhalten, Walt Disney World mit seiner Kommunikations-Infrastruktur auszustatten – und im Vertrag stand eine Klausel, nach der RCA zusätzlich zehn Millionen US-Dollar in eine passende Attraktion investieren würde. Disney-Chef Card Walker überzeugte RCA-Boss Robert Sarnoff davon, dass eine futuristische Weltraumattraktion das perfekte Schaufenster für einen Technologiekonzern sei. Für die inhaltliche Glaubwürdigkeit holte sich das Team prominente Verstärkung: Mercury-Astronaut Gordon Cooper, einer der ersten US-Amerikaner im All, beriet die Imagineers bei der Frage, wie sich ein Flug durchs Weltall anfühlen sollte.

Ein entscheidender Standort: Space Mountain steht außerhalb der ursprünglichen Parkgrenzen

Am 15. Dezember 1972 begannen die Bauarbeiten am östlichen Rand des Magic Kingdom – und zwar, das wird später in diesem Artikel noch wichtig, außerhalb des den Park umgebenden Walls. Weil innerhalb der Parkgrenzen schlicht kein Platz für ein Bauwerk dieser Größe war, entstand der Berg jenseits der Gleise; Gäste erreichen ihn bis heute durch einen Tunnel unter der Walt Disney World Railroad hindurch. Gut zwei Jahre später stand der Koloss: rund 56 Meter hoch, etwa 90 Meter im Durchmesser, getragen von 72 Betonträgern von jeweils rund 36 Metern Länge.

Eröffnungszeremonie von Space Mountain im Magic Kingdom

Zweitausend Musiker und ein Apollo-Veteran

Die Eröffnung am 15. Januar 1975 war eine beeindruckende Zeremonie: RCA-Chef Sarnoff und Disney-CEO Donn Tatum weihten den Berg gemeinsam ein, eine 2.000-köpfige Marching Band spielte auf, und die erste offizielle Fahrt übernahm standesgemäß ein Mann, der tatsächlich schon im All gewesen war — Apollo-15-Astronaut James Irwin, der zwei Jahre zuvor über die Mondoberfläche gefahren war. Das Fernsehpublikum bekam die neue Attraktion wenig später in einem eigenen TV-Special präsentiert.

Computergesteuert, bevor es Heimcomputer gab

Hinter der Attraktion steckt eine echte Pionierleistung: Space Mountain war eine der ersten computergesteuerten Achterbahnen der Welt. Erst die elektronische Blocksteuerung machte es möglich, mehrere Raketen gleichzeitig durch die Dunkelheit zu schicken – jene Technik, an der das Konzept zehn Jahre zuvor noch gescheitert war. Dabei ist die Fahrt objektiv gemächlich: Mehr als etwa 45 km/h erreichen die Züge nie. Dass sich das während der Fahrt ganz anders anfühlt, liegt an der völligen Dunkelheit, den engen Kurven und den einsitzigen Raketen, in denen niemand einen Nebenmann als Referenzpunkt hat. Ein halbes Jahrhundert später ist die Bahn die älteste noch betriebene Achterbahn Floridas.

Zwei Strecken unter einem Dach

Eine weitere Besonderheit der Attraktion: Im Gebäude liegen zwei fast identische, spiegelbildlich angeordnete Strecken namens Alpha und Omega, deren Länge sich nur um rund drei Meter unterscheidet. Die Doppelstrecke war der Schlüssel zur nötigen Kapazität für einen Park von der Größe des Magic Kingdom – und sie ist zugleich der Kern des heutigen Problems. Zwei ineinander verschränkte Achterbahnen in einem einzigen Bauwerk bedeuten extrem enge Abstände zwischen Schienen, Stützen und Besuchern. Was 1975 genehmigungsfähig war, wäre es nach heutigen Maßstäben in dieser Form kaum noch – auch dazu später mehr.

Ein Berg geht um die Welt

Von Anaheim bis Hongkong

Der Erfolg in Florida machte Space Mountain zum Exportschlager. 1977 zog Anaheim nach – aus Platzgründen allerdings mit nur einer Strecke und Zügen mit nebeneinanderliegenden Sitzen, ein Layout, das später zur Standardvorlage wurde. Tokyo Disneyland eröffnete 1983 gleich am ersten Tag mit einer eigenen Version, Hongkong folgte 2005. Einzig Shanghai Disneyland blieb bislang ohne den ikonischen Kegel. Bemerkenswert am Rande: Anaheim hat bereits vorgemacht, dass sich eine komplette Strecke austauschen lässt – zwischen 2003 und 2005 wurde die dortige Bahn im identischen Layout von Grund auf neu gebaut. Allerdings vor zwei Jahrzehnten und unter Normen, die mit den heutigen nur noch bedingt vergleichbar sind – ganz davon abgesehen, dass die Auflagen in Florida, insbesondere im früheren Reedy Creek Improvement District, noch einmal besonders streng sind.

Disneyland Paris bekommt ein Meisterwerk – und verliert es wieder

Totale von Star Wars Hyperspace Mountain, Frontansicht

Einen Sonderweg ging 1995 Disneyland Paris – und der verdient eine besondere Erwähnung. Space Mountain: De la Terre à la Lune war kein Nachbau, sondern eine eigenständige Variante des Klassikers: ein Jules-Verne-thematisierter Ride mit Katapultstart an der Außenseite des kupferfarbenen Berges, Inversionen und einer Gestaltung, die nahtlos in das retro-futuristische Discoveryland im Stile der großen Visionäre des 19. Jahrhunderts eingebettet war. Über die Zwischenstufe Space Mountain – Mission 2: Supernova wurde daraus 2017 dauerhaft Star Wars Hyperspace Mountain – ein Star-Wars-Overlay in einem Gebäude, dessen gesamte Architektur eine Jules-Verne-Geschichte erzählt. Der thematische Bruch könnte kaum größer sein, und er dient in diesem Artikel noch als warnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Marke über eine gewachsene Erzählung gestülpt wird.

Fünf Jahrzehnte, zwei Sponsoren, ein Sanierungsstau

Die Jahre mit RCA und FedEx

RCA blieb dem Berg bis 1993 treu und prägte ihn mit einer eigenen Post-Show, in der der Konzern das vernetzte „Zuhause der Zukunft” bewarb. Mitte der Neunziger übernahm FedEx für rund ein Jahrzehnt, seither fährt Space Mountain ohne Sponsor. Für eine Attraktion dieser Größenordnung ist das durchaus bemerkenswert, und vielleicht ein Mosaikstein bei der Frage, warum größere Investitionen so lange ausblieben.

Selbst beim großen Tomorrowland-Umbau von 1994 waren die Umgestaltungen rein kosmetischer Natur. Das Umfeld von Space Mountain bekam die maschinenlastige Ästhetik jener Jahre verpasst – inklusive eines neuen Shops im Ausgangsbereich und verbauter Blickachsen, die den frei stehenden Kegel früher noch wirkungsvoller in Szene gesetzt hatten. Vieles von dem, was derzeit still zurückgebaut wird, stammt aus genau dieser Ära – auch dazu komme ich in diesem Artikel noch.

Geflickt statt erneuert: Das Fehlen einer großen Renovierung

1976: Nachbesserung im zweiten Betriebsjahr

Eine kleine Anekdote aus der Geschichte: Schon 1976, im zweiten Betriebsjahr, mussten einige raue Streckenabschnitte nachgearbeitet werden. Die Debatte über den Zustand der Schienen und ihr Schlagen – geliebt und gehasst zugleich – ist damit exakt so alt wie die Attraktion selbst.

2009: Der große Wurf schrumpft erneut zur Kosmetik

Ende der 2000er sah es erstmals ernsthaft nach einer Generalsanierung aus. Intern wurde ein umfassender Umbau geprüft, der auch einen vollständigen Austausch der in die Jahre gekommenen Strecke umfasst hätte – der Moment, in dem sich die Wege von Anspruch und Wirklichkeit trennten.

Am Ende stand 2009 eine mehrmonatige Schließung mit deutlich bescheidenerem Ergebnis: Nur Teile der Strecke wurden erneuert, die Station erhielt eine geschlossene Decke, es kamen neue Züge, ein neues Soundsystem und eine überarbeitete Post-Show. Später zogen interaktive Spiele in die Warteschlange ein, die inzwischen längst wieder abgeschaltet sind. Der eigentliche Kern des Problems – die Strecke aus dem Jahr 1975 – blieb unangetastet. Der heutige Sanierungsstau hat hier seinen Ursprung.

Blick auf das blau angestrahlte Gebäude der Achterbahn Space Mountain bei Dunkelheit

Seither beschränkten sich die Maßnahmen weitestgehend auf visuelle Elemente. 2016 erhielt die Fassade eine farbwechselnde Beleuchtung, die seit der Eröffnung von TRON Lightcycle / Run im Jahr 2023 überwiegend in Blau gehalten wird, um mit dem Neubau nebenan zu harmonieren. Den 50. Geburtstag im Januar 2025 beging Disney mit Merchandise und warmen Worten, aber weiterhin ohne Sanierungsplan.

Der Zustand heute: schlagend, laut, geliebt

Wer in den vergangenen Jahren gefahren ist, kennt das: Space Mountain rüttelt und schlägt, die Technik im Berg altert hörbar, und die Ausfallzeiten verdeutlichen das. Zugleich ist die Zuneigung ungebrochen – kaum eine Attraktion in Walt Disney World vereint so viel Nostalgie auf sich und entsetzt dennoch jeden Fan bei einer Fahrt aufs Neue. Das gehört irgendwie auch dazu. Bezeichnend war die Reaktion der Fanszene auf die Wiedereröffnung von Big Thunder Mountain Railroad im Mai: Die mit Abstand häufigste Forderung lautete, als Nächstes möge bitte Space Mountain an die Reihe kommen.

Meine Geschichte mit Space Mountain
Ich bin Space Mountain zuletzt im Juni 2025 gefahren, und so sehr ich den Berg liebe und mich auf die kommenden Fahrten ab August freue: Die Fahrt ist immer wieder hart. Ich musste mir meine Liebe zu Space Mountain in Walt Disney World wirklich erkämpfen. Hatte ich mich auf meine allererste Fahrt gefreut wie ein kleines Kind, so verließ ich die Attraktion maßlos enttäuscht. Alle Lichter, alle Effekte, jeder Ton waren ausgefallen – und ich dachte das sei die Regel. Ich war enttäuscht, ließ meinem Unmut auf unseren Social Media Kanälen freien Lauf und bekam dafür einen richtigen Shitstorm. Inzwischen habe ich mir die Attraktion erarbeitet – und liebe sie. Genau dieses Ungeschliffene, Laute, fast Pechschwarze gehört nun für mich zu der Fahrt und die Attraktion für mich zum Magic Kingdom wie wenige andere. Es wäre ein Fehler, den Zustand zu romantisieren – aber genauso einer, zu unterschätzen, wie viel Identität in diesem alten Berg steckt.

Das Gerücht über den Umbau als Déjà-vu

Wer die aktuelle Gerüchteküche einordnen will, muss wissen: die Gerüchte sind mindestens die vierte Runde um eine komplette Umgestaltung von Space Mountain. Den Anfang bildet der oben beschriebene Umbau von 2009 – jener Moment, in dem aus einer geplanten Generalsanierung eine recht oberflächliche Schönheitskur wurde. Seither trägt jede neue Gerüchtewelle denselben Kern in sich: Irgendwann muss nachgeholt werden, was damals unterblieb.

Um 2021: Foren-Gerüchteküche ohne Folgen

Rund um das 50. Jubiläum von Walt Disney World machte in den einschlägigen Foren erneut die Runde, eine umfangreiche Sanierung samt Streckentausch stehe bevor. Konkrete Planungen ließen sich nie belegen, Termine verstrichen, und die Welle ebbte ab — ein Muster, das zur gesunden Skepsis gegenüber jedem neuen Anlauf mahnt.

2025: „Space Mountain 2.0″ wird konkret

Qualitativ anders war, was im Februar 2025 begann. Unter dem Arbeitsbegriff „Space Mountain 2.0″ tauchten erstmals präzise, in sich stimmige Details auf: Schließung unmittelbar nach der Wiedereröffnung von Big Thunder Mountain, Rückbau auf eine einzige Strecke, Züge mit Zweierreihen, Vekoma als möglicher Partner. Dass die Berichterstattung vom Juli 2026 exakt dieses anderthalb Jahre alte Gerücht bestätigt statt ihm zu widersprechen, ist das vielleicht stärkste Indiz dafür, dass diesmal tatsächlich geplant wird — Gerüchte, die über einen so langen Zeitraum konsistent bleiben, sind selten.

Aber schon damals ließ dieses Paket entscheidende Faktoren außen vor. Denn so einfach geht es nicht: Ein Rückbau auf eine, wenn auch verlängerte, Strecke und mit zwei Sitzen bestückte Züge lässt sich im bestehenden Bau nicht so einfach umsetzen, ohne die Fahrt deutlich zu verkürzen. Breitere Züge bedeuten weitere Kurven, aber gerade die engeren Kurven machen die Strecke lang und die Kapazität – gemessen am Gebäude – ordentlich. Man kann sich vorstellen, was für eine Reaktion ein Vekoma-Coaster von der Stange mit einer Fahrzeit von 40 Sekunden, irgendwie in die Enge des Baus gezwungen, und Wartezeiten von 180 Minuten hervorrufen würde.

Warum bisher nie etwas geschah

Die Gründe für das jahrzehntelange Zögern sind unspektakulär und gerade deshalb glaubwürdig: Eine mehrjährige Schließung kostet dem meistbesuchten Themenpark der Welt massiv Kapazität, und ein kompletter Innenausbau kostet einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Es ist dasselbe Kräftemessen, das sich zuvor bei Big Thunder Mountain abgespielt hatte: Dort hatten die Imagineers rund ein Jahrzehnt lang für eine grundlegende Erneuerung geworben und waren am Widerstand der Führung des operativen Geschäfts abgeprallt – etwas das es bei Walt so nicht gegeben hätte, aber das nur am nostalgischen Rande – bis sich das 2025 endlich drehte.

Big Thunder Mountain als Vorbild

Anfang Januar 2025 schloss Big Thunder Mountain Railroad im Magic Kingdom, im Mai 2026 eröffnete die Bahn wieder — dazwischen lagen 16 Monate, in denen die komplette Strecke ausgetauscht wurde, ergänzt um neue Züge, ein modernes Steuerungssystem und aufgefrischte Szenen samt neuer Effekte. Es war der erste vollständige Streckentausch einer “Disney-Mountain”-Attraktion in der Geschichte von Walt Disney World und könnte deshalb Vorbild für Space Mountain sein.

Ein Erfolg, der Türen öffnet

Entscheidend ist weniger das Ergebnis für die Gäste – eine deutlich geschmeidigere, zuverlässigere Fahrt -als die interne Erkenntnis: Das Projekt gilt im Konzern als voller Erfolg. Budget- und Zeitrahmen wurden gehalten, die Ausfallstatistik hat sich drastisch verbessert, und die Reaktionen fielen überwältigend positiv aus. Für die Imagineers bedeutet das eine längere Leine: Wer einmal bewiesen hat, dass sich ein alter Klassiker im Kern erneuern lässt, ohne seine Seele zu verlieren, bekommt den nächsten Kandidaten leichter genehmigt. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Space-Mountain-Berichte just in den Wochen nach der Big-Thunder-Wiedereröffnung Fahrt aufnahmen.

Die Lektion der Opossums

Big Thunder liefert aber noch eine zweite, unbequemere Lehre. Eine Gruppe von Opossum-Figuren, die vor dem Umbau über den Gleisen hing, kehrte nicht zurück – sie fiel dem sogenannten Ride Envelope Testing zum Opfer, also der Prüfung des Lichtraumprofils, d.h. den Raum, den ausgestreckte Arme der Fahrgäste unter heutigen Normen zwingend benötigen. Die Regel dahinter ist simpel: Wer eine Strecke anfasst, muss sie nach aktuellen Sicherheitsstandards neu zertifizieren, Bestandsschutz gilt dann nicht mehr.

Zu eng für heutige Normen

Für Space Mountain besitzt diese Regel Sprengkraft. Kaum eine Disney-Achterbahn ist so berüchtigt für ihre knappen Abstände — Fahrgäste haben über die Jahrzehnte nicht ohne Grund den Eindruck gewonnen, man könne Stützen und Querträger beinahe berühren (was natürlich nicht gelingt, was man aber dennoch nicht auf die Probe stellen sollte). Ein Streckentausch im exakt identischen Layout würde die heutigen Anforderungen an das Lichtraumprofil mit hoher Wahrscheinlichkeit an etlichen Stellen nicht mehr erfüllen. Das ist das stärkste sachliche Argument dafür, dass ein künftiger Umbau eben nicht wie bei Big Thunder Mountain eine originalgetreue Kopie hervorbringen kann, sondern zwangsläufig in ein verändertes Layout münden dürfte — mit allen Konsequenzen für die geliebte Doppelstrecke.

Space Mountain Neubau in Tokyo Disneyland: die teuerste Disney-Attraktion aller Zeiten

Concept Art des Space Mountain Neubaus in Tokyo Disneyland

Während in Florida noch diskutiert wird, werden in Tokyo Disneyland gerade Fakten geschaffen. Im April 2022 kündigte die Oriental Land Company, Eigentümerin und Betreiberin von Tokyo Disneyland, einen kompletten Neubau ihres Space Mountain an. Das Original von 1983, eine Attraktion des Eröffnungstages, drehte am 31. Juli 2024 nach 41 Jahren seine letzten Runden und wurde anschließend abgerissen. Das Bemerkenswerte am Vorgehen: Der Nachfolger entsteht direkt neben dem laufenden Original auf einer bislang als Backstage-Areal genutzten Fläche — monatelang standen dort faktisch zwei Space Mountains nebeneinander, ehe der alte Kegel fiel und seine Fläche für eine neue Plaza frei wurde.

Von 56 auf 70,5 Milliarden Yen

Die Dimension des Projekts lässt sich beziffern, weil die börsennotierte Oriental Land Company ihre Investitionen offenlegen muss – ein Privileg, das Beobachter bei Disneys eigenen Parks auf Grund abweichender Veröffentlichungspflichten in den USA nie haben. Ursprünglich mit rund 56 Milliarden Yen veranschlagt, wuchs das Budget im Zuge der japanischen Inflationswelle auf zuletzt 70,5 Milliarden Yen an, umgerechnet etwa 450 Millionen US-Dollar oder 380 Millionen Euro . Damit ist der neue Berg die teuerste einzelne Attraktion, die je nach Plänen von Walt Disney Imagineering gebaut wurde — mehr, als so manches komplette Themenland gekostet hat.

Konzept und Fahrsystem in Tokyo Disneyland

Offiziell firmiert der Neubau schlicht als Space Mountain mit Eröffnungsjahr 2027; der intern wie in der Fanszene kursierende Name Earthrise ist bislang nicht bestätigt, passt aber zum kommunizierten Konzept: Die Fahrt soll die Verbindung zwischen Erde und Universum in den Mittelpunkt stellen — mit dem Blick zurück auf unseren Planeten als emotionalem Kern, ganz im Sinne des berühmten Apollo-Fotos gleichen Namens. Zum Fahrsystem hält sich die Oriental Land Company bedeckt; in der Gerüchteküche gelten drehbare Fahrzeuge nach dem Vorbild von Guardians of the Galaxy: Cosmic Rewind als heißester Kandidat.

Ein neues Tomorrowland bis zum Frühjahr 2027

Neuer Space Mountain in Tokyo bei Nacht auf einem Concept Art

Der Berg ist dabei nur das Herzstück eines größeren Umbaus: Parallel entsteht für weitere rund 200 Millionen US-Dollar eine Attraktion zu „Ralph reichts”, dazu wird der gesamte Eingangsbereich zu einer neuen Plaza umgestaltet. Als Eröffnungszeitraum nennt die Oriental Land Company das Frühjahr 2027 — in Japan wird gemunkelt, man ziele auf den 15. April, den Geburtstag des Parks. Für Florida ist das doppelt relevant: Tokio liefert nicht nur die Blaupause für einen radikalen Space-Mountain-Neubau, sondern auch den Beweis, dass sich ein komplettes Tomorrowland-Reimagining um den Berg herum erzählen lässt.

Kein Platz im Magic Kingdom für Tokyo als Vorbild? Von wegen!

In der vorwiegend in den USA geführten Fandiskussion gilt als ausgemacht, dass das Tokioter Modell — neuer Berg neben dem alten, nahtloser Übergang — in Florida ausscheide. Die Begründung: Rund um Space Mountain sei schlicht kein Bauland, der PeopleMover führe mitten durch das Gebäude, und mit TRON Lightcycle / Run sitze der nächste Großnachbar bereits direkt nebenan. Der Schluss daraus lautet dann regelmäßig, Florida bleibe nur der Umbau. Wenn man sich die Lage aber wirklich näher anschaut, merkt man schnell: diese Einschätzung ist falsch. Das Land ist da. Aber ein Neubau würde viele Anpassungen im Umfeld bedeuten. Aber mit dem Bau des Villains Landes merkt man, dass Disney durchaus bereit ist, die aktuellen Grenzen des Magic Kingdoms zu sprengen – wie das mit dem ursprünglichen Space Mountain auch passiert ist.

Östlich von Space Mountain liegt (fast) nichts

Ein Blick auf ein Luftbild bei Google Maps genügt. Östlich von Space Mountain liegt zunächst ein Entwässerungskanal, dahinter der World Drive — und dann? Ein Abzweig der Monorail zu Depot und Werkstatt, Cast-Member-Parkplätze und ein ausgedehntes Waldstück, das sich bis Bay Lake zieht. Alles Disney-eigenes Land, nichts davon unantastbar, nichts davon durch die auf Walt Disney zurückgehende Ewigkeitsklausel für 1/3 des Walt Disney World Geländes, das unter Naturschutz steht, geschützt. Die Monorail zum Contemporary Resort verläuft in einem Bogen weiter südlich und wäre gar nicht betroffen. Dazu kommt ein gern vergessener historischer Fakt: Space Mountain steht seit 1975 ohnehin außerhalb des Eisenbahndamms, der das Magic Kingdom umschließt — die vermeintlich harte Parkgrenze hat der Berg selbst schon vor fünfzig Jahren überschritten. Und dass Disney dort draußen bauen kann und will, hat TRON bewiesen: Für dessen Errichtung jenseits des Damms stand die Railroad rund vier Jahre still.

Google Maps Vergleich Magic Kingdom Space Mountain vs. Tokyo Disneyland Space Mountain: Die Baufläche am Magic Kingdom würde für die Tokyo Variante locker ausreichen
Google Maps Vergleich Magic Kingdom Space Mountain (links) vs. Tokyo Disneyland Space Mountain /rechts): Die Baufläche am Magic Kingdom würde für die Tokyo Variante locker ausreichen. Kartendaten/Bilder © Google

Der direkte Vergleich mit Tokyo fällt dabei bemerkenswert aus: Die Landfläche, in das die Oriental Land Company ihren Rekordneubau gezwängt hat – eingeklemmt zwischen dem alten Berg und der Trasse der Disney Resort Line -, ist nicht größer als der Korridor, der am Magic Kingdom zwischen Space Mountain und World Drive liegt. Rechnet man die Flächen jenseits der Straße hinzu, steht in Florida sogar deutlich mehr Land zur Verfügung, als Tokio je hatte.

Die echten Hürden heißen World Drive und Geld

Ehrlicherweise gehört zur eigenen Analyse auch die Gegenrechnung: „Platz ist da” heißt nicht „einfach zu bebauen”.
Der Kanal ist Teil des ausgeklügelten Wassermanagements des Resorts und müsste verlegt werden, der World Drive ist eine der Hauptverkehrsadern des Resorts, wenn auch in diesem Abschnitt nicht für Gäste, so aber für den Disney internen Lieferverkehr, denn nördlich des Magic Kingdom liegen wichtige Lagerhäuser und Werkstätten für Walt Disney World. Seine Verlegung wäre ein eigenes, großes Infrastrukturprojekt. Dass Disney das aber nicht scheut, wurde und wird gerade auf der anderen Seite des Magic Kingdom beim Floridian Way unter Beweis gestellt.

Und der Werkstatt-Abzweig der Monorail muss erreichbar bleiben, was lösbar, aber nicht gratis ist. Womit ich beim einzigen wirklich tragfähigen Einwand gegen diese Ausdehnung angekommen bin: dem Geld. Ein Projekt in Tokioter Dimension — mit Straßenverlegung schnell jenseits der 600 Millionen US-Dollar — müsste sich die Finanzierung mit Piston Peak und dem Villains Land teilen, die im Magic Kingdom bereits im Bau sind.

Nicht die Geografie spricht gegen das Tokyo-Disneyland-Modell in Florida, das Geld tut es. Disney müsste sich sehr sicher sein, dass ein Neubau sich über steigende Besucherzahlen und die natürlich zu erwartende Erhöhung der Preise refinanzieren würde.

Exklusivität oder Synergien: Verträge mit der Oriental Land Company

Was auch noch gegen einen Neubau nach diesem Modell sprechen könnte sind etwaige Verträge zwischen Disney und der Oriental Land Company. Über diese ist nichts bekannt, aber es könnte durchaus sein, dass Vereinbarungen exitieren, die der Oriental Land Company Exklusivität für ihr Modell zusichern.

Umgekehrt ist aber auch nicht auszuschließen, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: Dass Disney für die Gestaltung der Entwürfe für Tokyo Disneyland Synergien mit der Oriental Land Company genutzt hat, um Anlaufkosten zu teilen. Aber beide Variaten sind spekulativ.

Vier Szenarien für Space Mountain

Szenario 1: Alles neu, alles gleich

Die naheliegendste Variante wäre das Big-Thunder-Rezept in Reinform: neue Strecke, identisches Layout, aufpolierte Effekte. Anaheim hat zwischen 2003 und 2005 vorgemacht, dass ein originalgetreuer Streckentausch technisch möglich ist. Nur: Das war vor zwanzig Jahren und in einem anderen Bundesstaat. Die heutigen Lichtraumprofil-Normen, an denen schon Big Thunders Opossums scheiterten, dürften das 1975er-Layout mit seinen berüchtigt engen Abständen an zu vielen Stellen disqualifizieren. Szenario 1 wäre das günstigste — und ist zugleich das unwahrscheinlichste, da es kaum ein Genehmigungsverfahren überstehen dürfte.

Szenario 2: Eine Strecke, zwei Sitze nebeneinander

Alles, was an konsistenten Details kursiert, deutet auf diese Variante: Aus zwei Strecken wird eine, aus den einsitzigen Raketen werden Züge mit nebeneinanderliegenden Sitzen, das Layout wird neu gezeichnet — im Ergebnis eine Fahrt, die dem Disneyland-Original näherkäme als der heutigen Florida-Version. Der kolportierte Partner Vekoma wäre eine plausible Wahl. Mögliche Probleme mit diesem Szenario habe ich bereits oben erwähnt.

Szenario 3: Ein echtes Re-imagining

Die dritte Stufe ginge über die Technik hinaus: neue Showszenen, Projektionen, womöglich Onboard-Sound – kurz, eine inhaltlich neu erzählte Fahrt im vertrauten Berg. Dafür spricht: Wer ohnehin jahrelang schließt und das Innere entkernt, wird die Gelegenheit kaum verstreichen lassen, auch das Erlebnis auf den Stand von 2029 oder 2030 zu heben. Das dürfte auch der nostalgische Wunsch der Fan-Community kaum verhindern.

Mit oder ohne Franchise?

Die bange Frage vieler Fans lautet, ob dabei eine Disney-IP über den Berg gestülpt werden könnte. Hier kann man nur hoffen: kein Buzz-Lightyear, kein Marvel Cinematic Universe, sondern eine eigenständige Tomorrowland-Erzählung, wie sie auch Tokio für seinen Neubau gewählt hat. Wie es sich anfühlt, wenn diese Zurückhaltung fehlt, lässt sich in Paris besichtigen, wo ein Star-Wars-Overlay bis heute vollkommen konträr zur Jules-Verne-Architektur des Gebäudes steht. Es gibt aber durchaus Hoffnung anzunehmen, dass Imagineering diese Lektion verstanden hat.

Overlays für Halloween und Weihnachten

Realistischer als ein festes IP-Theming sind wechselnde Ebenen: Moderne Show-Systeme werden von vornherein so ausgelegt, dass sich Musik, Licht und Projektionen umschalten lassen. Saisonale Space-Mountain-Varianten gehörten auch in der Vergangenheit zu den Zugpferden für bestimmte Saisson – ein Umbau würde solche zeitweiligen Overlays auf ein neues technisches Niveau heben und neue Möglichkeiten eröffnen.

Szenario 4: Das Tokyo-Disneyland-Modell

Und dann wäre da noch die Variante, die in der Diskussion von US-Fanseiten gar nicht erst ernsthaft geprüft wird – zu Unrecht, wie die Platz-Analyse zeigt: ein kompletter Neubau östlich des heutigen Berges, während das Original bis zuletzt weiterfährt. Es ist das einzige Szenario ohne jahrelange Schließung und ohne Kapazitätsloch, und es wäre die Gelegenheit für den ganz großen Wurf. Es ist zugleich mit Abstand die teuerste Variante, und nach allem, was derzeit berichtet wird – die Rede ist konsistent von einem Umbau im Bestand -, trotz aller vorhandenen Möglichekiten, leider auch die unwahrscheinlichste. Schade wäre es trotzdem um die verpasste Chance.

Was wohl bleibt – und was auf der Kippe steht

Als gesetzt darf die ikonische Fassade gelten; niemand reißt eines der bekanntesten Bauwerke Floridas ab, um es durch etwas zu ersetzen, das nicht mehr nach Space Mountain aussieht. Ebenfalls sicher: Der Tomorrowland Transit Authority PeopleMover, der mitten durch das Gebäude führt, würde einen Innenumbau nicht fahrend überstehen – eine lange Schließung der beschaulichen Rundfahrt wäre der unvermeidliche Kollateralschaden.

Offen ist fast alles andere: die Zukunft des langen Eingangstunnels, der Post-Show, der vertrauten Musik – all jener Details, die für viele Gäste den eigentlichen Charakter der Attraktion ausmachen.

Wann schließt der Berg – und wie lange?

Anfang 2027 nach dem Big-Thunder-Muster

Sollten die Berichte zutreffen, gilt als wahrscheinlichstes Drehbuch das von Big Thunder erprobte: Betrieb durch die besucherstarke Weihnachtssaison hindurch, Schließung unmittelbar nach den Feiertagen. Das würde bedeuten: Space Mountain fährt bis Ende 2026 und schließt Anfang Januar 2027. Wer die Attraktion im Originalzustand noch einmal erleben will, sollte eine Reise nach Walt Disney World vor Weihnachten 2026 einplanen – eine offizielle Bestätigung dieses Zeitplans steht allerdings aus, und ohne Ankündigung bleibt auch dieser Termin Spekulation. Aber da will man doch auf Nummer sicher gehen!

Zwei Jahre Bauzeit sind viel zu optimistisch

Die 16 Monate von Big Thunder taugen dabei nur bedingt als Maßstab: Dort lagen große Teile der Strecke unter freiem Himmel, hier müsste eine komplette Achterbahn — womöglich zwei — im Inneren eines geschlossenen Betonkegels demontiert und ersetzt werden, mit allen logistischen Zwängen, die das mit sich bringt. Realistisch erscheinen 30 bis 36 Monate. Das ergäbe eine Wiedereröffnung frühestens zur Sommersaison 2029, vielleicht eher zur Weihnachtssaison oder gar erst 2030.

Zwischen Piston Peak und Villains Land

Die Modernisierung des Magic Kingdoms schreitet voran. Das Carousel of Progress soll 2027 runderneuert zurückkehren, Piston Peak wird für etwa 2029 erwartet, das Villains Land folgt danach — und mit TRON steht seit 2023 eine zweite Indoor-Achterbahn bereit, die den Wegfall von Space Mountain zumindest teilweise abfedern könnte. Ein 2027 geschlossener und rechtzeitig vor den großen Neueröffnungen wieder verfügbarer Space Mountain wäre genau die Reihenfolge, die ein umsichtiger Planer wählen würde, der den zu erwartenden Besucheransturm der 2030er Jahre vor Augen hat. Auch das spricht dafür, dass an den Berichten mehr dran ist als Wunschdenken.

Was das für die Reiseplanung bedeuten könnte

Für diejenigen, die Walt Disney World buchen wollen, lassen sich die Möglichkeiten hinsichtlich Space Mountain in drei Phasen teilen:

  • Wer Space Mountain im Originalzustand von 1975 noch einmal – oder zum ersten Mal – erleben möchte, sollte spätestens die Weihnachtssaison 2026 ins Auge fassen; danach könnte das Fenster geschlossen sein, womöglich für immer.
  • Wer zwischen 2027 und 2030 reist, muss damit rechnen, im Tomorrowland auf eine Großbaustelle zu treffen und neben Space Mountain zeitweise auch auf den PeopleMover zu verzichten – mit TRON Lightcycle / Run steht immerhin eine moderne Indoor-Achterbahn als Ersatz bereit, und der Rest des Magic Kingdom bleibt davon unberührt. Ein Vorteil könnte dabei sein, dass man das Magic Kingdom besonders leer erleben kann. Aktuell ist es durch die laufenden Baumaßnahmen ohnehin schon weniger stark besucht und eine steigende Andrangsprognose für Walt Disney World ist erst nach Eröffnung von Piston Peak, Villains Land und (?) einer neuen Version von Space Mountain zu erwarten.
  • Wer gezielt das neue Space Mountain erleben will, plant realistischerweise ab frühestens 2029. Ungeduldige haben freilich noch eine vierte Option: Ab dem Frühjahr 2027 zeigt Tokyo Disneyland, wie ein Space Mountain des 21. Jahrhunderts aussieht — inklusive komplett neuem Tomorrowland drumherum.

Wohlgemerkt gilt für all das der Vorbehalt dieses gesamten Artikels: Solange Disney nichts ankündigt, ist jede dieser Zeitangaben Spekulation, und kurzfristige Reiseentscheidungen sollte niemand allein auf Gerüchte stützen.

Die stille Verwandlung des Tomorrowland

Rückbau der Neunziger

Der mögliche Space-Mountain-Umbau fiele nicht vom Himmel, sondern in ein Land, das sich seit Jahren leise wandelt. Bereits 2018 begann Disney damit, die maschinenlastige Ästhetik des 1994er-Umbaus Stück für Stück zurückzunehmen und das Tomorrowland optisch wieder in Richtung einer aufgeräumten Mid-Century-Moderne zu entwickeln – jener Formensprache, in der auch der weiße Kegel von 1975 entworfen wurde. Ursprünglich sollte diese Kur wohl zum 50. Resort-Jubiläum abgeschlossen sein, die Pandemie unterbrach die Arbeiten, doch seither geht es in kleinen, nicht groß angekündigten Schritten weiter – eine Verwandlung fast ohne Pressemitteilung.

Wie ernst es Disney meint, zeigte sich zuletzt im Juni 2026: Am Eingang des Landes wurden zwei der markanten Turmbauten aus der 94er-Ära abgerissen — ein kleiner Eingriff mit großer Symbolik, denn er beseitigt ausgerechnet jene Elemente, die dem Land seine heutige, in die Jahre gekommene Identität gaben. Disney hat aber sicher nicht nur einen Plan zum Abriss, sondern auch einen, wie es danach aussehen soll.

Drei Bausteine der Erneuerung sind bereits abgeschlossen bzw. im Gange. Die Erneuerung des Astro Orbiters brachte dabei noch wenig Veränderung. Buzz Lightyear’s Space Ranger Spin hingegen wurde von Grund auf modernisiert – von der Fassade bis zur Technik im Inneren. Und das Carousel of Progress, die dienstälteste Show des Parks, schloss am 6. Juli 2026 für einen Umbau, der sie 2027 mit überarbeiteten Szenen in die Gegenwart holen soll. Für sich genommen sind dies mittelgroße Projekte. Zusammengenommen ergeben sie das Bild eines Tomorrowlands, das systematisch auf einen großen Moment vorbereitet wird.

Wer als Nächstes dran sein könnte: Space Mountain Umbau als Finale?

Die Liste der Kandidaten für weitere Ankündigungen liest sich wie eine Inventur der offenen Baustellen: Das seit Jahren geschlossene Stitch’s Great Escape wartet auf einen neuen Einsatz, der Monsters Inc. Laugh Floor wird spätestens mit der Eröffnung von Monstropolis in den Hollywood Studios redundant, der Tomorrowland Speedway gilt mit seinen Verbrennungsmotoren als Anachronismus auf wertvollem Bauland – und der PeopleMover wäre von einem Space-Mountain-Umbau ohnehin direkt betroffen.
Das ganze Discoveryland steht vor bzw. befindet sich mitten in Veränderungen – deren Abschluss ein “neuer” Space Mountain sein könnte.

All die kleinen Schritte der vergangenen Jahre ergeben bislang keine Entwicklung, die sich vermarkten ließe. Eine Space-Mountain-Ankündigung würde das schlagartig ändern – aus einem Prozess, der still und leide vor sich hinplätschert, würde damit ein echtes Tomorrowland-Re-Imagining-Projekt, das sich neben Piston Peak und Villains Land in die Modernisierung des Magic Kingdom einreiht.

D23 Expo: alle Augen auf den 15. August

Das Programm der D23 Expo 2026

Vom 14. bis 16. August 2026 steigt in Anaheim die nächste Ausgabe der D23 Expo, Disneys großem Fan-Event. Das Anaheim Convention Center beherbergt an allen drei Tagen Dutzende Panels und die Ausstellungsflächen. Die großen Events, die von Fans aus aller Welt besonders aufmerksam verfolgt werden, finden seit einer Weile abends als eine Art Show im benachbarten Honda Center mit seinen rund 13.000 Plätzen statt: am Freitag das Entertainment Showcase zu Filmen und Serien, am Samstag das Disney Experiences Showcase zu Parks, Resorts und Kreuzfahrten.

Sollte eine Space-Mountain-Ankündigung kommen, dann dort: Der Experiences Showcase am Samstagabend (bzw. Sonntag Nacht/frühen Morgen deutscherZeit) ist traditionell die Bühne, auf der Disney seine Park-Zukunft ausrollt. 2024 wurden an gleicher Stelle unter anderem Piston Peak, das Villains Land und Monstropolis angekündigt. Für 2026 drängt sich ein Tomorrowland-Paket geradezu auf: der Space-Mountain-Umbau als Herzstück, flankiert von einem Nachfolger für Stitch und Konzeptbildern für das erneuerte Land. Es wäre die Sorte Ankündigung, für die 13.000 Disney Fans in einer Arena zu jubeln beginnen – und genau dafür ist der Abend gemacht. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die 13.000 Disney Fans, oder “Superfans” wie sie sich gerne selbst nennen, jubeln in der Regel auch bei der Ankündigung eines neuen Hot Dogs für Casey’s Corner.

Bis dahin ist es sinnvoll auf Indizien zu achten. Verräterisch wären etwa neue Bau- und Abrissgenehmigungen im Umfeld des Disney-Mountains, ein auffällig leerer – oder plötzlich gefüllter – Renovierungs-Kalender für Anfang 2027, abverkauftes Space-Mountain-Merchandise oder vorbereitende Arbeiten an PeopleMover und Umgebung. Wir behalten all das im Blick und werden die D23 Expo wie gewohnt ausführlich begleiten – sollte am 15. August der Vorhang fallen, erfahrt ihr es sofort hier und auf unseren Social Media Kanälen sowie natürlich in einem “Mausblick Spezial”.

Meine Einordnung
Ich glaube, dass an diesem Gerücht mehr dran ist als an allen Anläufen zuvor — zu konsistent sind die Details, zu perfekt passt das Zeitfenster, zu deutlich ist der Rückenwind aus dem Big-Thunder-Projekt. Und ich sage das als jemand, der an diesem Berg hängt: zumindest eine Renovierung ist bei allem nostalgischen Charme dringend geboten. Space Mountain in seinem heutigen Zustand zu konservieren, hieße nicht, ein Denkmal zu schützen, sondern ihm beim langsamen Verfall zuzusehen.
Mein Wunsch wäre der Mut zum Tokio-Modell — der Platz dafür wäre vorhanden. Realistisch erwarte ich aber eher Szenario 2: eine Strecke, moderne Züge, dieselbe Dunkelheit. Genau davor habe ich aber auch die meiste Sorge, denn es wäre für mich die am wenigsten reizvolle Änderung. Space Mountain könnte dadurch von einem Highlight – alleine schon durch den Nostalgie-Faktor und seine Geschichte – zu einer beliebigen Vekoma-Achterbahn werden, ohne eigenen Charakter. Ich kann nur hoffen, dass die Imagineers genug Freiheit bekommen würden, das zu verhindern.