Disneys Animal Kingdom soll 2027 eine neue Themenwelt bekommen – und die Frau, die sie zum Leben erweckt, hat seit über drei Jahrzehnten Erfahrung darin, Geschichten in Realität zu verwandeln. Joan Hartwig, Executive Creative Director des Projekts und seit 36 Jahren Cast Member, hat in einem aktuellen Beitrag im Disney Parks Blog erstmals tiefere Einblicke in die Entwicklung von Tropical Americas gegeben.
Was bisher vor allem über Konzeptzeichnungen und kurze Ankündigungen kommuniziert wurde, gewinnt jetzt an Substanz: Forschungsreisen nach Honduras und Kolumbien, Kooperationen mit Maya-Künstlern, eine Konferenz mit Wissenschaftlern – und eine Geschichte, die laut Disney bis zu den frühesten Planungstagen von Animal Kingdom zurückreicht.
Pueblo Esperanza: Das Herz der neuen Themenwelt
Tropical Americas ersetzt das ehemalige DinoLand U.S.A. und wird laut Disney eine Region abbilden, die sich vom nördlichen Südamerika über Mittelamerika bis nach Mexiko erstreckt.
Im Zentrum steht Pueblo Esperanza – eine fiktive Stadt, die nach demselben Prinzip funktioniert wie der Hafen von Harambe in Africa oder das Königreich Anandapur in Asia. Hartwig beschreibt sie als Ort mit eigener Geschichte, lebendiger Kultur und einer Natur, die nicht nur Kulisse ist, sondern die Gemeinschaft prägt.
Die Themenwelt Tropical Americas wird zwei Hauptattraktionen beherbergen:
Die erste Encanto-Attraktion in einem Disney-Park weltweit
Eine Indiana-Jones-Attraktion, die die ehemalige DINOSAUR-Attraktion umnutzt
Hinzu kommen ein Karussell, das in die Geschichte von Pueblo Esperanza eingebettet ist, ein Hacienda-Quick-Service-Restaurant, ein Spielplatz und Meet-and-Greet-Bereiche.
Eine Idee zu Tropical Americas, die seit Jahrzehnten reift
Die Vorstellung, eine von den Tropen Amerikas inspirierte Welt zum Animal Kingdom hinzuzufügen, ist nicht neu. Hartwig zitiert ihren langjährigen Kollegen Joe Rohde, Disney Legend und ehemaliger Imagineer:
„… Wir haben sehr lange darüber nachgedacht, eine von Tropical Americas inspirierte Welt im Animal Kingdom zu bauen. Speziell eine, die die Maya zeigt, weil sie so eng mit der Natur verbunden waren – das passt einfach perfekt zum Park. … ”
Rohde selbst hat auf Social Media bestätigt, dass er 15 Jahre lang vergeblich versucht hat, eine Tropical-Americas-Welt im Park unterzubringen. Viele dieser frühen Entwürfe sahen bereits einen Umbau von DinoLand vor – genau das, was die aktuelle Imagineering-Generation nun umsetzt.
Rohde lobt die heutige Arbeit ausdrücklich: Die Recherche sei exzellent, die Detailtiefe ausgereift, das Engagement für die Vision des Parks ungebrochen. Quelle: Blogmickey.com
Die Forschungsreisen: Honduras und Kolumbien
Was Tropical Americas von einem reinen IP-Themenpark unterscheidet, ist Disneys Anspruch, die Region echt wirken zu lassen. Hartwig schildert zwei zentrale Recherchereisen:
Honduras – Auf den Spuren der Maya
Ein kleines Imagineering-Team besuchte Copán, eine der besterhaltenen Städte der antiken Maya-Zivilisation. Dort trafen sie auf Maya-Künstler, deren Lebenswerk darin besteht, die filigranen Schnitzereien des Ortes zu rekonstruieren.
Das Team reiste in die Bergtäler zu den Steinbrüchen, die seit Jahrhunderten den charakteristischen roten und grünen Stein der Region liefern. Diese Materialien werden tatsächlich nach Florida transportiert – verarbeitet von denselben Handwerkern mit traditionellen Techniken.
Kolumbien – Auf den Spuren von Encanto
Die zweite Reise führte das Team nach Kolumbien, in genau jene Orte und Gemeinschaften, die einst die Filmemacher von „Encanto” inspiriert hatten. Diese Eindrücke fließen direkt in die Gestaltung von Pueblo Esperanza ein – von Plaza-Farben über Hacienda-Töne bei unterschiedlichem Lichteinfall bis hin zur Frage, wie Gebäude auf Klima und Topografie reagieren.
Die Encanto-Attraktion: Antonios neue Gabe
Hartwig hat die Story der Encanto-Attraktion erstmals deutlich konkreter beschrieben als bei der ursprünglichen Ankündigung. Ab 2027 betreten Gäste die magische Madrigal-Casita und werden eingeladen, Antonios neue Gabe zu feiern – die Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen. Auf dem Weg durch die Attraktion entfaltet sich eine Kernbotschaft des Films: Egal welche besonderen Gaben oder Fähigkeiten wir haben – wir alle sind Teil der „familia” aller Lebewesen.
Diese thematische Brücke ist entscheidend: Sie gibt der Attraktion einen klaren Animal-Kingdom-Bezug, der über reine IP-Vermarktung hinausgeht.
Vorher / Nachher: Wie sich die Story-Beschreibung von Tropical Americas entwickelt hat
„Die erste Encanto-Themen-Ride-Through-Attraktion kommt ins Animal Kingdom und zeigt die beliebte Madrigal-Familie aus dem Film der Walt Disney Animation Studios. In der Casita hat Antonio gerade seine besondere Gabe erhalten – die Fähigkeit, mit Tieren zu kommunizieren – und sein Zimmer hat sich in einen Regenwald verwandelt. Es ist Zeit, ihn auf seiner Erkundung zu begleiten – und man weiß nie, welchem Familienmitglied man dabei begegnet…”
Joan Hartwig im April 2026:
„… Gäste werden eingeladen, Antonios neue Gabe zu feiern: die Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen. Und auf dem Weg lernen wir, dass wir – egal welche besonderen Gaben oder Fähigkeiten wir haben – alle Teil der ‚Familia’ aller Lebewesen sind.”
Während die D23-Beschreibung vor allem das Setting (Casita, Antonios Zimmer, Regenwald-Verwandlung) und das Wiedersehen mit der Madrigal-Familie betont, verschiebt Hartwigs Version den Fokus klar auf die thematische Botschaft: Zugehörigkeit, Verbundenheit, das gemeinsame Band aller Lebewesen. Genau dieser Bogen verankert die Attraktion inhaltlich im Animal Kingdom – und macht sie zu mehr als einer Filmadaption.
„Maya at the Mouse”: Wissenschaftler treffen Imagineers
Parallel zu den Recherchereisen hat Disney ein bemerkenswertes Format etabliert. Die zweite Maya at the Mouse-Konferenz fand in Disney’s Coronado Springs Resort statt, organisiert von American Foreign Academic Research (AFAR) und der Davidson Day School. Sie bringt Archäologen, Museologen, Imagineers und Designer zusammen.
Rund ein Dutzend Imagineers nahmen teil – Story-Autoren, Grafikdesigner, Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsgestalter und verschiedenen Künstlern. Sie hörten zu, machten Notizen und stellten Fragen direkt an führende Maya-Wissenschaftler.
Brianna Pfost, Creative Director bei Walt Disney Imagineering und Leiterin der Indiana-Jones-Attraktion, hielt während der Konferenz einen Vortrag mit dem Titel „Indiana Jones and the Intrinsic Value of Nature”. Sie skizzierte die drei Leitlinien, die Animal Kingdom seit Jahrzehnten prägen:
Der innewohnende Wert der Natur
Verwandlung durch Abenteuer
Ein persönlicher Aufruf zum Handeln
Die Kernthese des Tropical-Americas-Projekts laut Pfost: „Wir sind nicht getrennt von der Natur.” Sie sprach von der eng verflochtenen Beziehung zwischen Mensch und Umwelt – und davon, dass Chaos entsteht, wenn die Natur aus dem Gleichgewicht gerät, woraufhin Harmonie wiederhergestellt werden muss. Möglicherweise ein Hinweis auf die Story der Indiana-Jones-Attraktion.
Indiana Jones und ein verborgener Maya-Tempel
Die Themenwelt ist räumlich klar gegliedert: Der größte Teil entfällt auf Pueblo Esperanza. Abseits der Hauptwege, versteckt im Dickicht, wartet ein „perfekt erhaltener Maya-Tempel” – Schauplatz der Indiana-Jones-Attraktion.
Pfost beschreibt einen prägenden Gedanken: Alles ist lebendig. Die Maya-Kunst zeige eine außergewöhnliche Verflechtung von Kultur und Natur – eine „Goldgrube für Themenpark-Designer”. Die bestehende Fahrgeschäft-Infrastruktur von DINOSAUR – ein dynamisches Trackless-Vehicle – verlangt nach einem schnellen, ruckartigen, multisensorischen Erlebnis. Indiana Jones als IP biete genau die richtige Brücke: Mythos wird Realität, Übernatürliches stiftet Chaos, und der Held entkommt um Haaresbreite.
Forschung als Fundament
Was die Imagineers immer wieder betonen: Recherche ist kein Beiwerk, sondern Grundlage. Pfost zeigte während ihrer Präsentation ein Foto eines einzigen Regalbretts ihrer Bibliothek – gefüllt mit 20 bis 30 Büchern über die Maya, gespickt mit Haftnotizen. Es ist nur ein Bruchteil eines wachsenden Archivs.
Hinzu kommen YouTube-Vorlesungen, Museumsbesuche und unzählige Gespräche mit Experten. Pfost scherzte, andere Teams hätten gedacht, ihre Kollegen seien permanent krank – wegen der vielen Erwähnungen von „doctors”. Gemeint waren Berater des Projekts.
„Wir erzählen nicht nur Geschichten – wir erschaffen realistische Umgebungen.” – Brianna Pfost, Walt Disney Imagineering
Was Tropical Americas für Animal Kingdom bedeutet
Animal Kingdom hat seit Eröffnung 1998 einen Ruf zu verteidigen: kein anderer US-Park bietet eine vergleichbare Tiefe an authentischer Themengestaltung. Mit Joe Rohdes Rückzug 2021 stellte sich die Frage, ob Disney diesen Anspruch ohne ihn halten kann.
Die Antwort scheint zu sein: durch noch intensivere Recherche, durch direkte Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern und Wissenschaftlern – und durch Imagineers, die Hartwig zufolge mit „Neugier und Demut” arbeiten.
Tropical Americas wird kein bloßer IP-Anbau. Es ist Disneys Versuch, zwei beliebte Marken – Encanto und Indiana Jones – in einer Welt zu verankern, die sich kulturell und ökologisch ernst nimmt.
Eröffnung 2027: Was Besucher erwartet
Wenn Tropical Americas 2027 öffnet, erwartet Gäste:
Einrichtung/Attraktion
Beschreibung
Pueblo Esperanza
Fiktive Stadt mit eigener Geschichte und Kultur
Encanto-Attraktion
Erste ihrer Art weltweit, Einstieg in die Madrigal-Casita, fokussiert auf Antonios Gabe und die „familia” aller Lebewesen
Indiana-Jones-Attraktion
Umnutzung des DINOSAUR-Fahrgeschäfts mit Maya-Tempel-Setting
Karussell
In die Story von Pueblo Esperanza eingebettet
Hacienda-Restaurant
Quick-Service mit regionaler Küche
Spielplatz & Meet-and-Greets
Familienangebote
Disney hat angekündigt, im Disney Parks Blog regelmäßig weitere Updates zur Entwicklung der Themenwelt zu veröffentlichen.
Man darf mehr als nur gespannt sein
Joan Hartwigs Einblicke machen deutlich, dass Tropical Americas mehr ist als die nächste Themenwelt-Erweiterung. Es ist die Fortsetzung einer Idee, die seit den Anfängen von Animal Kingdom in den Imagineering-Schubladen schlummerte – jetzt umgesetzt mit einem Recherche-Aufwand, der für moderne Themenpark-Projekte beispielhaft ist.
Wer sich für präkolumbianische Kulturen, kolumbianische Architektur oder einfach für die Frage interessiert, wie aus Reisen, Gesprächen und Steinbrüchen ein unverwechselbaer Themenbereich wird, sollte sich die Eröffnung 2027 fest im Kalender markieren.
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