Klassiker unter der Lupe

Der größte Ohrwurm des Disneylands: It´s a small world

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Boot mit Menschen aus aller Welt: It's a Small World

Wenn man an Ohrwürmer aus Disney Attraktionen denkt, kommen die meisten Disney Fans wohl sofort auf „It‘s a small world.“ Man sagt, wer diese Musik einmal gehört hat, wird sie nie wieder vergessen können. Aber woher kommt eigentlich dieses wie magisch bezaubernde Musikstück?

Zwei Musiker in dritter Generation

Die den Kindern der Welt gewidmete Musik stammt von den Brüdern Robert (1925 – 2012) und Richard (geboren 1928) Sherman. Den Komponisten war das besondere Talent schon in die Wiegen gelegt worden, stammten sie doch aus einer Familie, die über mehrere Generationen von Musikern geprägt wurde. Ihr Großvater Samuel kam 1903 aus Russland und wurde Konzertmeister am Hofe des Kaisers Franz Joseph I in Österreich, bevor er später in die USA auswanderte. Der Vater, Albert Sherman, brachte sich selbst das Klavierspiel bei und wurde einer der bekannten Protagonisten der Tin-Pan-Alley-Ära von New York City. Aus der scherzhaft nach dem ständigen Geklimper der Klaviere in den dort ansässigen Musikverlagen als Tin-Pan-Ally (übersetzt etwa Klimpergasse) genannten 28. Straße, unweit des Broadways in Manhattan, wurde in den 1930er bis 1950er Jahre die amerikanische Musikszene dominiert. Auf der breiten Basis dieser Familientradition wurden Robert und Richard Sherman zu den Disney Legenden, deren Lieder heute jeder kennt. Walt Disney selbst schätzte besonders die Fähigkeit der beiden Komponisten, auch ernsthafte Themen in beschwingte, eingängige Melodien zu verpacken, so dass er sich unter anderem auch entschied, ihnen mit „Mary Poppins“ (1964) eins seiner schwierigsten musikalischen Projekte anzuvertrauen. Übrigens toll dargestellt in dem Disney-Film „Saving Mr. Banks“ aus dem Jahr 2013, der die Geschichte um die Entstehung von „Mary Poppins“ erzählt.

Harmonische Musik statt Hymnenmix gesucht

Die Entstehung von „It‘s a small world” beruht ein gutes Stück weit auf glücklichen Umständen. Die Disney Studios entwickelten für die Weltausstellung von New York 1964 mehrere Pavillons. Die Sherman-Brüder hatten ursprünglich den Auftrag, die Musik für „Carousel of Progress“ zu entwickeln, als beim parallel entstehenden „Children of the World“ Pavillon unerwartete Probleme auftraten. Dieser war ursprünglich so konzipiert, dass bewegliche Puppen, die Kinder aus aller Welt darstellten, ihre jeweiligen Nationalhymnen singen sollten. Allerdings stelle man fest, dass es statt eines harmonischen Erlebnisses ein totales akustisches Chaos ergab, wenn man alle Hymen gleichzeitig abspielte. Walt Disney bat darum die Sherman-Brüder um Hilfe bei einer Lösung für diesen Pavillon. Auf der Stage 2 in den Studios zeigte er den Shermans ein Modell der Attraktion und bat darum, eine möglichst einfache Melodie zu entwickeln, die dann von allen Puppen gelichzeitig, aber in den jeweiligen Muttersprachen, gesungen werde sollte. Bei der Beschreibung seiner Idee, benutzte Walt Disney unter anderem mehrfach die Worte „small world“ und „after all“, was bei den Komponisten etwas heute sehr Bekanntes auslöste…

Die einfache Lösung gewinnt

Die Sherman-Brüder machten sich dann auch sofort an die Arbeit, immer mit der Anweisung von Walt Disney im Kopf: „Wir brauchen da einen ganz einfachen, kleinen Rundgesang wie Row, Row, Row Your Boat,“ ein bekanntes amerikanisches Kinderlied.
Sie komponierten also eine zweiteilige Melodie, einfach genug, um auch als Kontrapunkt, also mit mehreren Stimmen gleichberechtigt nebeneinander, zu funktionieren. Diese Mischung aus Einheit und Gegensatz passte plötzlich auch perfekt, den Geist der Attraktion widerzuspiegeln. Trotzdem fanden die Sherman-Brüder die Musik insgesamt zu einfach und entschieden, zwei weitere komplexere Stücke zu schreiben, ohne schon zu wissen, welches davon sie dem Auftraggeber, Walt Disney, präsentieren würden. Nach zweiwöchiger Überlegung entschieden sie sich dann letztlich doch für die erste, die einfache Idee und ernteten damit sofort Begeisterung bei Walt Disney. Obwohl die Melodie exakt dieselbe ist, hörte sich die Version, die dann in der Attraktion zu hören war aber doch deutlich anders an, als die ursprünglich präsentierte, langsame und getragene Ballade „A Prayer for Peace.“ Denn Walt Disney wollte gern höheres Tempo und auch gleich mehrere Sprachen für das Stück hören. Die Sherman-Brüder sprachen allerdings nur Englisch, so dass sie schließlich einfach ausgedachte Sprachen dem Klang nach improvisierten, so dass das anwesende Publikum in herzliches Gelächter ausbrach. Am Ende war das Stück dann so erfolgreich, dass es dem Pavillon schließlich sogar seinen Namen gab.

Nach Ende der Weltausstellung von New York wurde die Attraktion abgebaut und nach Kalifornien gebracht, wo sie im Disneyland in Anaheim wieder aufgebaut wurde und ab Mai 1966 ein echter Publikumsmagnet wurde, der über die Jahre auch Einzug in den Parks in Florida (1971), Tokio (1983), Paris (1992) und Hongkong (2008) hielt.
Walt Disney hatte sich damit wieder einmal als cleverer Geschäftsmann herausgestellt, war die Attraktion in New York doch als Auftragswerk für UNICEF, gesponsert von Pepsi Cola entstanden und somit belastete finanziell das Budget des Disneylands nur gering.

Das Konzert der Nationen

Für die originale Version der Attraktion spielte der amerikanische Musiker Bobby Hammack (1922 – 1990) 29 verschieden orchestrierte Versionen des Stücks in sechs verschiedenen Sprachen.

London mit Towerbridge und Doppeldeckerbus in der Attraktion It's a Small World

Für das Disneyland Paris, wo die Attraktion bereits zum Start 1992 ebenfalls öffnete, war der amerikanische Filmkomponist John Debney (geb. 1956) verantwortlich, der später unter anderem auch die Musik für die Neuverfilmung von „Das Dschungelbuch“ aus dem Jahr 2016 schrieb. Seine Interpretation ist eine symphonische Orchestrierung, die von 60 Musikern des London Chamber Orchestra eingespielt wurde. Dabei fügte er traditionelle Instrumente aus den in der Attraktion dargestellten Ländern in die Musik ein. Gut herauszuhören sind dabei schottische Dudelsäcke, lateinamerikanische Marimbas, die indische Sitar und japanische Taiko-Trommeln. Mehrere Chöre singen den Text jeweils in ihren Muttersprachen auf Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch, Dänisch, Portugiesisch, Arabisch und Hebräisch. Viele davon wurden mit den Kindern in ihren Heimatländern aufgenommen.

Die Tatsache, dass John Debney, dessen Vater Louis als Produzent in den Disney-Studios schon unter Walt Disney arbeitete, als Kind den Sherman-Brüdern in deren Büro beim Komponieren gelauscht hatte, später ein berühmter Filmkomponist werden und ausgerechnet eins der bekanntesten Meisterwerke der Shermans neu arrangieren sollte, zeigt uns allen, dass die Welt eben doch ein Dorf ist. Oder wie der Amerikaner sagen würde: It´s a small world after all!

Einen detaillierten Überblick über die Geschichte der Attraktion haben wir 2014 zum 50. Geburtstag von It’s a Small World veröffentlicht. Damals gab es in Disneyland Paris auch eine Podiumsdiskussion und weitere Veranstaltung zur Feier des 50. Geburtstages von It’s a Small World.

Geschichte einer Attraktion in Bildern

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