Walt Disneys Pläne für das Leben der Zukunft

E.P.C.O.T. – Eine urbane Zukunft nach Walt Disney (Teil 1)

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Eine Konzeptzeichnung in Blautönen zeigt das ursprüngliche Konzept für Epcot in Walt Disney World
Konzeptzeichnung der ursprünglichen Idee für E.P.C.O.T.

Mit der Monorail zur Arbeit fahren? Anstatt im Stau stehen und endloser Parkplatzsuche einfach in einen PeopleMover einsteigen und sich bis vor die Haustüre kutschieren lassen? Eine überdachte Innenstadt mit permanent angenehmen Temperaturen? Immer die neuesten Technologien im eigenen Haushalt ausprobieren dürfen? Wer bei all dem gerade „Ja, das will ich!“ gesagt hat, sollte dran bleiben und lesen, was hätte sein können, als Walt Disney mit E.P.C.O.T. die Zukunft gestalten wollte.

Ein weiter Weg vom Griffith Park bis zu Epcot

Blick auf das antike Karussell im Griffith Park in Kalifornien
Karussell im Griffith Park

Doch bevor wir hier in schillernden Farben entwerfen wie Walt’s E.P.C.O.T., die Experimental Prototype City, respektive Community of Tommorow, hätte aussehen können, und auf welche Weise man darin lebte, müssen wir wie immer ein ganzes Stück vorher beginnen. Nämlich an einem Samstag-Nachmittag, wenn „Daddy’s Day“ im Hause Disney war. Dann ging Walt mit seinen beiden noch kleinen Töchter Diane und Sharon in den Griffith Park, um sie auf dem Karussell fahren zu lassen.

Wie er selbst in einem Interview berichtete, kam ihm dabei die Frage in den Kopf, warum es eigentlich keinen Ort gibt, an dem Kinder und Erwachsene gleichermaßen und zusammen als Familie Spaß haben können. Die Jahrmärkte und Vergnügungsparks, die es zu dieser Zeit gab, empfand er als nicht familiengerecht. Grund dafür war, dass es bei diesen mehr darum ging, den Besuchern mit suspekten Methoden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Erreicht wurde dies zum Beispiel mit gezinkten Glückspielen. Teilweise ging es aber auch darum, sie mit Alkohol abzufüllen und dadurch Gewalt und unsittliches Verhalten zu provozieren. Außerdem durfte Walt beim Karussell meistens nicht mitfahren und muss von außen seinen Töchtern beim Spaß-Haben zugucken.

All das wollte Walt ändern. Damit sollten die Erwachsenen nicht immer nur Zuschauer sein, sondern gemeinsam mit den Kindern etwas erleben können. Das Ergebnis: Disneyland Resort Anaheim. Damit ging sein Traum in Erfüllung. Doch wer Walt kennt, der weiß, dass sein Geist nie still steht. So kam es, dass er sich neuen Träumen hingab und begann, sich mit Städteplanung zu beschäftigen. Ein Mitgrund dafür war seine Unzufriedenheit darüber, wie sich die angrenzenden Gebiete um Disneyland herum zu einer Art Amüsiermeile entwickelten. Billige Motels, Nachtclubs und Unterhaltungsangeboten, die der Vorstellung Walts einer familienfreundlichen Umgebung widersprachen, waren überall präsent. Walt hatte nicht genügend Land in Anaheim zur Verfügung, um dieses Treiben im Kern zu ersticken. Das wurmte ihn wohlmöglich so sehr, dass er auf die Suche nach neuem Land ging. Und er braucht viel davon. So viel, dass er sicherstellen konnte, dass um sein neues Projekt herum keine Las-Vegas-Kopie entstehen würde.

Der Einfluss Victor Grüns auf Walts Vision

Was uns wieder zur Städteplanung bringt, mit der er sich auseinanderzusetzen begann. In dem Buch „Walt and the Promise of Progress City“ beschreibt der Autor und ehemalige Stadtplaner Sam Gennawey sehr ausführlich, auf welche Vordenker Walt dabei zurückgriff. Er besaß unter anderem ein Buch, das von Victor Grün geschrieben wurde. Grün war ein Architekt, der in Wien geboren wurde und 1938 nach der Annektierung durch Nazi-Deutschland in die USA auswanderte. Dort wurde Grün zum sogenannten „Vater der modernen Einkaufszentren“, wobei ihm dieser Titel zunehmend Unbehagen bereitete. Grund dafür waren die Trittbrettfahrer, die seine Zentren kopierten. Diese bauten sie nicht in den Innenstädten, um selbige zu beleben, sondern außerhalb. Dies hatte zur Folge, was man auch hierzulande aus einigen Gemeinden kennt: Das Aussterben des Stadtzentrums. Mit all den Nachteilen, die ein solches mit sich bringt (Kriminalität, Drogenumschlagplätze, etc.).

Grün arbeitete sich in seinem späteren Werdegang daran ab, wie man Städte so planen kann, dass sie zum Vorteil, Komfort und zur Zufriedenheit der Einwohner führen möge, statt sie zu bedrohen. Sein Ansatz war dabei die Zellstruktur. Wie aus Millionen Zellen ein Organismus zusammengesetzt werde, so Grün, könne man aus Zellen mit gemischter Nutzung (Wohn- und Gewerbegebiet) eine gesunde Kommune errichten.

Eine kleine Literaturempfehlung

Sam Gennawey geht in seinen Ausführungen in Hinsicht auf die Vordenker moderner Stadt-Utopien noch viel weiter und widmet ihnen ein ganzes Kapitel, doch wir wollen uns hier allein auf Walts Vision konzentrieren. Da ich aber dank Gennawey viel über E.P.C.O.T. erfahren und den heutigen Park dadurch auch mehr zu schätzen gelernt habe, empfehle ich jedem, der sich über diesen im Vergleich kleinen Artikel hinaus ein umfassenderes Bild machen möchte, das Buch über die bekannten Verkaufskanäle zu besorgen. Vielleicht auch mit einem Besuch in einem innerstädtischen Buchladen, ganz getreu dem Motto, das sich Viktor Grün auf die Fahne schrieb: Manchmal können die Angestellten dort wahre Wunder vollbringen.

Bauvorhaben in Florida als Grundstein für E.P.C.O.T.

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt den Bau des Magic Kingdoms in Florida
Fotografie vom Bau des Magic Kingdoms in Florida

Doch wieder zurück zu Walts E.P.C.O.T.: Wir wissen nun, dass er viel Land brauchte, um seine nächste Vision in die Realität umzusetzen. Er fand es in Florida, in der Nähe des damals noch als Örtchen zu bezeichnenden Orlando. Hier gab es eine riesige Fläche brachliegendes Sumpfgebiets. Walt begann mittels extra gegründeten Scheinfirmen wie Latin-American Development and Management Corp., Tomahawk Properties und M.T. Lott Co. das Land nach und nach aufzukaufen. Diese Scheinfirmen waren wichtig, damit die unterschiedlichen Besitzer der Ländereien nicht spitz bekamen, dass die Firma Disney nach Grundstücken sucht, um dann Wucherpreise aufrufen zu können.

Er entsandte seinen Justiziar Bob Forster, der unter dem Pseudonym „Bob Price“ und für die oben genannten Scheinfirmen die Kaufverträge aushandelte. So konnte Disney für 180,- Dollar pro Acre Landmasse um Landmasse in seinen Besitz bringen. Erst als am 24.10.1965 der Orlando Sentinel mit der großen Überschrift “ We Say: ‘Mystery’ Industry is Disney“ erschien, war es um die schöne Maskerade geschehen. Die Grundstückspreise rund um den bereits erworbenen Disney-Besitz zogen kräftig an, sodass ein Acre plötzlich zu 300.000 Dollar verkauft wurde. Doch Disney hatte bereits genügend Land an sich gebracht (um genau zu sein 27.443 Acres). Diese Landmasse war doppelt so groß wie Manhattan!

Nun, da Walt sich endlich das Land gesichert hatte, was er brauchte, um sein E.P.C.O.T. entstehen zu lassen, werfen wir einen Blick darauf, was E.P.C.O.T. alles hätte sein können. Was sah das Konzept vor, welche Spielereien waren angedacht und wie sollte das alles finanziert werden? Am besten wir lassen den großen Meister selbst sprechen, denn so gut wie er konnte keiner seine Vision von E.P.C.O.T. erklären:

Soweit Walts Worte, die übrigens aus der Feder des bekannten Disney Imagineers Marty Sklars stammen, der das Drehbuch für den Film verfasste. Möchtet Ihr wissen, was genau es mit dem Konzept E.P.C.O.T.s auf sich hatte? Dann seid gespannt auf Teil 2 dieser Reihe zu einem der außergewöhnlichsten Themenparks der Welt!

Weiter geht es mit Teil 2 von E.P.C.O.T. Eine urbane Zukunft nach Walt Disney

Bildquellen:
Konzeptzeichnung der ursprünglichen Idee für E.P.C.O.T.: Retro WDW

Griffith Park Karussell: laparks.org
Fotografie vom Bau des Magic Kingdoms in Florida: Miami Herald

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