“New Magic” in Disneyland Paris – doch nur “Project Sparkle” in neuen Schläuchen?
21.08.26, 14:54 |

Seit der D23 Expo Mitte August 2026 taucht rund um Disneyland Paris immer wieder dasselbe Wort auf: New Magic. Space Mountain kehrt zu „De la Terre à la Lune” zurück, an den Rivers of the Far West stehen seit Juni vier neue Szenen, weitere Projekte sollen in Etappen folgen. Fanseiten feiern, die Kommentarspalten füllen sich. Disneyland Paris selbst beschreibt das Vorhaben so: „Dieses ehrgeizige Programm zielt darauf ab, das Besuchererlebnis zu verbessern und die klassischen Attraktionen aufzufrischen, um Gäste aller Altersgruppen zu überraschen und zu begeistern.“
Das klingt erst einmal richtig gut. Vertraut klingt es allerdings auch. Vor mehr als zehn Jahren stand ein fast identisches Versprechen unter dem Namen Project Sparkle. Und wenn Ihr heute durch das Resort lauft, findet Ihr an etlichen Stellen genau die Schäden wieder, die damals mit großem Aufwand beseitigt wurden. Wir haben uns angesehen, was New Magic bisher umfasst, was Project Sparkle gebracht hat und warum die eigentliche Antwort auf eines der Kernprobleme von Disneyland Paris weder Project Sparkle noch New Magic heißt.
- Das Programm New Magic in Disneyland Paris umfasst Renovierungen wie die Rückkehr von Space Mountain zur Urversion und neue Szenen an den Rivers of the Far West.
- New Magic ist kein Einzelprojekt, sondern eine Sammlung von Initiativen zur Verbesserung bestehender Attraktionen.
- Vergleich zu Project Sparkle zeigt, dass Disneyland Paris wiederholt verspricht, die bestehenden Attraktionen zu erneuern, aber oft nur für kurze Zeit effektive Ergebnisse erzielt.
- Hauptproblem bleibt das Instandhaltungsdefizit, weil Instandhaltung so lange verschlafen wird, bis eine Sanierung nötig ist.
- Echte Fortschritte erfordern einen sichtbaren Wartungszyklus, bessere Qualität der Arbeiten, und Ehrlichkeit über den Zustand.
New Magic, Project Sparkle und der Kreislauf der großen Sanierungen
Was Disneyland Paris unter New Magic versteht
New Magic ist kein einzelnes Projekt, sondern ein Sammelbegriff. Disneyland Paris hat das Programm im Sommer 2026 eingeführt (schließt aber nachträglich schon länger laufende Arbeiten ein) und beschreibt es als Reihe von Arbeiten an bestehenden Attraktionen, die schrittweise enthüllt werden. Verantwortlich sind die Teams von Walt Disney Imagineering Paris. Offiziell bestätigt sind bislang zwei Bausteine. Weitere Projekte befinden sich laut Disneyland Paris in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.
Die Ankündigung fällt in einen Führungswechsel. Seit dem 6. Juli 2026 führt Christophe Murphy das Resort. Er löste Natacha Rafalski ab, die seit Dezember 2018 im Amt war. Angefangen hat Murphy 1991 bei Disneyland Paris, ein Jahr vor der Eröffnung. Zwischenzeitlich war er für Walt Disney Attractions Japan tätig und arbeitete dort mit der Oriental Land Company unter anderem an Qualitätsstandards. Zu seinem Amtsantritt sagte er, es sei eine Ehre, die Rolle „in einem so entscheidenden Moment” zu übernehmen. Ob New Magic auf ihn zurückgeht, hat Disney nicht gesagt.
Space Mountain fliegt wieder zum Mond

Der sichtbarste bekannte Teil des Programms ist die Rückkehr von Space Mountain – De la Terre à la Lune. Star Wars Hyperspace Mountain schließt Ende 2027 für eine mehrmonatige Renovierung. Danach steht wieder Jules Vernes „Von der Erde zum Mond” im Zentrum. Sets und Requisiten im Inneren werden überarbeitet. Auch die Warteschlange wird umgestaltet, sodass Ihr die Züge wieder in Bewegung sehen könnt. Dazu kommen neue Effekte für die Abschusssequenz. Auch die Musik von Steve Bramson kehrt remastert zurück.
Keith Rector, Senior Manager Creative Art Direction bei Walt Disney Imagineering Paris, nennt es eine Ehre und eine Herausforderung, “diese ikonische Attraktion für eine neue Generation neu zu interpretieren“. Die neue Fassung solle die technischen Weiterentwicklungen der vergangenen dreißig Jahre nutzen, darunter die 2025 installierte Außenbeleuchtung der Kuppel.
Für viele Fans ist das die beste Nachricht seit Jahren. Den Berg dominiert außen seit 1995 die berühmte Columbiad, der Look erinnert an Steampunk, aber innen führte die Fahrt seit 2017 durch eine Galaxis weit, weit entfernt. Diese thematische Diskrepanz soll endlich wieder aufgelöst werden.
Vier neue Szenen an den Rivers of the Far West

Der zweite bestätigte Baustein liegt in Frontierland. Vier Szenen entlang der Rivers of the Far West gehen auf Originalzeichnungen von Imagineer und Disney Legend Marc Davis zurück, einem der Nine Old Men. Zu sehen sind unter anderem Bisons auf der Prärie samt Präriehunden sowie Waschbären und ein Stinktier auf einem treibenden Baumstamm. Walt Disney Imagineering Paris hat die Figuren neu entworfen und gebaut. Installiert wurden sie nachts, sodass das Thunder Mesa Riverboat Landing nicht schon kurz nach seiner letzten Schließung erneut schließen musste.
Angekündigt waren diese Szenen allerdings schon im Dezember 2025, als Teil der regulären Projektliste für 2026 und damals ohne jeden Programmnamen. Sie verzögerten sich, tauchten ab Juni 2026 nach und nach am Ufer auf und wurden erst im August rückwirkend zum ersten Kapitel von New Magic erklärt.
Project Sparkle und das Versprechen von 2015
Am 10. Juni 2015 stellte Disneyland Paris bei einem Cast-Member-Forum einen Renovierungsplan für zehn Attraktionen in beiden Parks vor. Nach außen lief er als Experience Enhancement Plan oder auch: Re-Invent the Magic, intern trug er den Arbeitstitel Project Sparkle. Betroffen waren Space Mountain: Mission 2, Videopolis, It’s a small world, Big Thunder Mountain, La Cabane des Robinson, Peter Pan’s Flight, Pirates of the Caribbean, Animagique, Studio Tram Tour und Star Tours.
Zudem wurde weitere Bereiche renoviert, angefangen von fast der ganzen Main Street U.S.A. bis hin zu vielen kleinen Elementen.
Die interne Präsentation fasste das Ziel in einem Satz zusammen. Zehn Attraktionen und Shows in drei Jahren, ein ehrgeiziges Programm zum 25. Geburtstag – „to create new magic for Disneyland Paris”.
Genau so stand es 2015 auf dem Plakat: neue Magie schaffen. Elf Jahre später ist daraus ein Programmname geworden.
Die Parallelen gehen weiter. 2015 war von einem „ambitious program” die Rede, 2026 steht im Presseheft von Disneyland Paris wieder „this ambitious program”. Damals ging es um Klassiker vor einem Jubiläum, heute um Klassiker für alle Generationen. Beide Male wurde als Ziel genannt, dem Disneyland Park und mit ihm dem Resort den Glanz aus seinem Eröffnungsjahr 1992 wiederzugeben.
Was aus den vier Schlagworten wurde
Project Sparkle war in vier Punkte gegliedert, die Disneyland Paris damals so formulierte:
- INNOVATE für technische Neuerungen bei Big Thunder Mountain und Pirates of the Caribbean,
- REFINE für neue Farbpaletten und Effekte bei It’s a small world und Peter Pan’s Flight,
- OPTIMISE für Sicherheit und Technik bei Space Mountain samt Single-Rider-Linie,
- AMAZE für neue Überraschungen quer durch beide Parks.
Vieles davon kam tatsächlich. Big Thunder Mountain war ein volles Jahr geschlossen und bekam die Explosionsszene im Lifthill. It’s a small world erhielt neue Puppen, Kostüme und eine remasterte Musikspur. Star Tours wurde zu The Adventures Continue. Jack Sparrow zog bei Pirates of the Caribbean ein, nachdem das Vorhaben zuvor zweimal geplant und wieder gestrichen worden war. La Cabane des Robinson wurde auf das Originaldekor zurückgeführt, inklusive der Wasserfälle.

Hinzu kamen Arbeiten, die im Plan gar nicht auftauchten. Die Geysire an den Rivers of the Far West waren 2015 verwahrlost und zugewachsen. Im Dezember 2016 lagen sie wieder frei, in Farben, die kräftiger wirkten als 1992. Disneyland Paris überarbeitete fast die gesamte Main Street, U.S.A., erneuerte die Beleuchtung und pflasterte große Flächen im Resort neu.
Catherine Powell, damals President und CEO der Euro Disney S.C.A., zog 2017 im Disney Parks Blog Bilanz: “Almost all of our key attractions have had a major make-over” – fast alle wichtigen Attraktionen hätten eine große Überholung erhalten.
Auch der Newport Bay Club, ab November 2013 in Etappen saniert, kam 2016 als Vier-Sterne-Hotel zurück. Alle rund 1.100 Zimmer wurden überarbeitet, ebenso die Fassaden, die Restaurants, der Pool und das Kongresszentrum.
Die Renovierungswellen vor Project Sparkle
Mit Project Sparkle begann dieses Renovierungsmuster nicht. Es war nur die bis zu diesem Zeitpunkt am stärksten vom Marketing begleitete Kampagne.
Schon vor dem 20. Geburtstag lief ab Frühjahr 2011 ein Renovierungsjahr quer durch das Resort. Die Nautilus wurde von Grund auf repariert und neu lackiert, die Lagune geleert und gestrichen. Captain Hook’s Pirate Ship kam nach einem Neubau in Schwarz, Rot und Gold zurück. Der überdachte Weg zwischen Frontierland und Adventureland wurde neu gedeckt, diesmal mit synthetischem Material für die oberste Lage, weil das Original der feuchten Witterung nicht standhielt. Die Esplanade zwischen den Parks wurde fast vollständig neu gepflastert, weil der Beton bröckelte.
Auch Alice’s Curious Labyrinth war dabei. Fast jede Hecke wurde neu gepflanzt, Farben aufgefrischt, Requisiten und Effekte repariert. Diverse Fanseiten hatten das Labyrinth 2008 als dringend nörigen Wartungs-Brennpunkt beschrieben, drei Jahre später galt es als Vorzeigebeispiel.

2021 folgte die bislang größte Einzelmaßnahme: zwölf Monate wurde am Sleeping Beauty Castle renoviert, die erste Sanierung dieser Größenordnung seit 1992. 50.000 Arbeitsstunden, 19.900 maßgefertigte Schieferplatten, 41.200 von Hand aufgelegte Blattgoldstücke, 1.200 Liter Farbe in vierzehn Rosatönen. Tracy Eck, Art Director bei Walt Disney Imagineering Paris, sagte zum Abschluss, die Struktur des Schlosses werde “in den kommenden Jahren noch widerstandsfähiger” sein – und dennoch kamen schon bald Schäden zurück. Seit Frühsommer 2026 wird die Brücke vom Central Plaza zum Dornröschenschloss saniert – schon zum zweiten Mal seit 2021.
Was zehn Jahre später von Project Sparkle übrig ist
Damit kommen wir zum eigentlichen Thema. Nicht die Frage, ob Disneyland Paris renoviert, ist entscheidend, sondern wie lange die Ergebnisse halten. Werfen wir einen Blick auf ein paar exemplarische Beispiele.
Der Newport Bay Club
Der Newport Bay Club wurde von Ende 2013 bis 2016 in drei Phasen komplett saniert, Fassade inklusive. Wenn Ihr heute am Ufer des Lake Disney steht müsst Ihr nicht einmal besonders genau hinschauen, um vermooste Stellen an der Fassade, verwitterte Holzverkleidungen und eingerissene Markisen zu finden. Und das nicht erst seit heute, 10 Jahren nach der Sanierung, sondern schon wieder seit etlichen Jahren.
Die Brücke zum Dornröschenschloss
Die Brücke vor dem Dornröschenschloss wurde 2010 vollständig neu gebaut, 2016 saniert, vor nicht allzulanger Zeit erneut renoviert. Seit dem 4. Mai 2026 steht sie wieder hinter Bauzäunen verrsteckt, die Arbeiten sollen bis Ende September laufen. Die Fontänen sind währenddessen abgeschaltet, Disney Tales of Magic wird mit zusätzlicher Pyrotechnik angepasst. Diverse Medien nannten den Zustand vor Beginn der Arbeiten als baufällig. Sechzehn Jahre nach einem Neubau, mit mehreren größeren Renovierungen in der Zwischenzeit, ist eine strukturelle Sanierung nötig, und das nicht vorsorglich, sondern weil es nicht länger ging.
Fort Comstock und die Legends of the Wild West
Der begehbare Rundgang durch das Fort am Eingang von Frontierland ist seit Jahren geschlossen. Seit 2024 ist der Walkthrough-Bereich nicht mehr begehbar. Zurückgeführt wird das uf den Zustand der hölzernen Stege und Aussichtsplattformen, die den aktuellen Sicherheitsstandards nicht mehr genügen sollen. Ein Renovierungsprojekt hat Disneyland Paris für die Attraktion bis heute nicht angekündigt, aber rund um das Fort stehen inzwischen wieder Bauzäune.
Fort Comstock alles andere als ein unbedeutender kleiner Walkthrough irgendwo in einer Ecke. Es ist das Tor zu Frontierland, so wie das Sleeping Beauty Castle das Tor zum Fantasyland ist und einer der Bauten, die Disneyland Paris 1992 von seinen amerikanischen Vorbildern unterschieden und tiefer in die Geschichte führten, als das in anderen Frontierlands der Fall ist.
Der Gazebo am Town Square
Der Pavillon direkt am Town Square wurde 2012 renoviert, rechtzeitig zum 20. Geburtstag. Seit Ende 2025 verschwand er Schritt für Schritt wieder hinter Bauwänden, eine Treppe nach der anderen wurden die schon wieder maroden Stufen getauscht
Auch Alice’s Curious Labyrinth wurde 2026 erneut umfassend saniert.
Und die Mark Twain verrottet weiter im Trockendock hinter Thunder Mesa, obwohl der frühere COO Daniel Delcourt seinerzeit eine große Renovierung und die Rückkehr auf die Rivers of the Far West angekündigt hatte. Die Molly Brown fährt alleine und auch das zu eingeschränkten Zeiten.
Der eigentliche Kern des Problems
Alles, was oben steht, lässt sich auch positiv lesen: Ein Resort investiert regelmäßig in seinen Bestand. So verkauft es Disneyland Paris, und ein Teil davon stimmt.
Nur beschreibt diese Aufzählung ein Muster, das mit gutem Instandhaltungsmanagement wenig zu tun hat. Geysire wachsen zu, bis eine Großsanierung sie wieder freilegen muss, bleiben aber zwischenzeitlich über viele Jahre ausgeschaltet und liegen unansehnlich am Ufer. Ein Labyrinth gilt 2008 als Brennpunkt der Vernachlässigung, wird 2011 saniert und schließt 2026 erneut für Monate. Ein Pavillon wird immer wieder eingerüstet. Ein Fort verfällt so lange, bis es aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr betreten werden darf. Eine Brücke gilt nach sechzehn Jahren schon wieder als baufällig.
Das ist kein Renovierungsdefizit. Große Renovierungen gibt es reichlich. Es ist ein Instandhaltungsdefizit. Man lässt die Substanz so weit herunterkommen, dass am Ende nur noch eine Sanierung hilft, und vermarktet diese Sanierung dann als Phase, die alles besser macht, ob sie nun Project Sparkle heißt oder New Magic.
Der Unterschied zwischen den beiden Wörtern Instanthaltung und Sanierung ist erheblich.
Instandhaltung bedeutet, dass ein Anstrich erneuert wird, bevor Feuchtigkeit ins Holz zieht. Sanierung heißt, dass das Holz getauscht werden muss, eben unter anderem, weil Feuchtigkeit so ins Holz gezogen ist, dass eine Instandhaltung nicht mehr reicht.
Das erste kostet über zwanzig Jahre gerechnet weniger, das zweite fällt in großen Brocken an und bringt monatelange Sperrungen mit sich – und bis es endlich angegangen wird, sieht es oft über Jahre unansehnlich aus, wie die Fassade des Newport Bay Clubs schon wieder seit mindestens 5 Jahren. Für Gäste bedeutet das mehr Bauzäune, längere Schließungen und weniger positive Eindrücke vom Resort.
Die drei beliebtesten Ausreden
Wenn Ihr die Debatte in Fangruppen verfolgt, kennt Ihr die Erklärungen, die gerne von denen gebracht werden, die eine besonders große Rosa Brille tragen. Diese Argumente halten alle drei einer Überprüfung nicht wirklich Stand.
Ausrede 1: Schuld sind die Gäste
Disneyland Paris hatte 2025 ein Rekordjahr. Nach Angaben der französischen Wirtschaftspresse lag der Nettogewinn bei rund 260 Millionen Euro und damit dreimal so hoch wie im Vorjahr, der konsolidierte Umsatz stieg um knapp zehn Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Bedingt durch einen moderaten Zuwachs an Gästen, deutlich höhere Ticket- und Jahreskartenpreise sowie Einsparungen auf der Ausgabenseite.
Nur erklären viele Besucher nicht, warum eine Fassade vermoost, warum Markisen einreißen und warum Stege verrotten. An diese Stellen kommt kein Gast so ran, dass er der Auslöser sein könnte. Verschleiß durch Besucher betrifft Bodenbeläge, Handläufe und Sitzflächen, nicht das Dach eines Hotels.
Ausrede 2: Schuld ist das Wetter
Die Île-de-France ist feucht, es gibt – im Jahresverlauf – starke Schwankungen bei den Temperaturen, das stimmt. Sie ist allerdings nicht das schwierigste Klima im Disney-Portfolio. Walt Disney World hat auch Hitze, zwar weniger extreme Temperaturen, aber sogar immer mal wieder viel stärkere kurzfristige Schwankungen. Hinzu kommen stärkere UV-Strahlung, Starkregen und eine weit höhere Luftfeuchtigkeit über viel längere Zeiträume sowie stärkere Stürme. Tokio hat ähnliche Extremwerte bei den Temperaturen wie Paris, aber eine deutlich höhere Luftfeuchtigkeit und auch häufiger stärkere Winde. Beide Resorts halten ihre Bausubstanz sichtbar besser in Schuss. In Walt Disney World findet man kein Hotel, bei dem die Fassade aussieht, wie die des Newport Bay Clubs – weil kontinuierlich instandgehalten wird.
Disneyland Paris hat das Argument selbst schon einmal entkräftet. Beim Neudecken des überdachten Weges zwischen Frontierland und Adventureland griff man 2011 zu synthetischem Material, gerade weil das Original die Feuchtigkeit nicht vertrug. Man weiß also, wie es geht.
Ausrede 3: Schuld ist das Geld
Das war früher ein tragfähiges Argument. Die Euro Disney S.C.A. hatte Schulden in Milliardenhöhe, stand mehrfach kurz vor einer Insolvenz, 2014 folgte eine Rekapitalisierung von einer Milliarde Euro. In dieser Zeit ist ein Investitionsstau nachvollziehbar.
Seit fast 10 Jahren gehört das Resort faktisch vollständig zu The Walt Disney Company und zählt inzwischen zu den Umsatzbringern unter den Resorts.
Was New Magic zu einem echten Fortschritt machen würde
Space Mountain zurück zum Mond fliegen zu lassen, ist ein großartiges Projekt, das von Fans in der ganzen Welt inklusive mir frenetisch bejubelt wurde. Die Marc-Davis-Szenen sind ein Geschenk an alle, die Frontierland lieben und Marc Davis verehren. Nichts davon soll hier kleingeredet werden.
Ein wirklicher Fortschritt wäre New Magic aber erst, wenn vier Dinge dazukämen.
- Ein sichtbarer Wartungszyklus statt einzelner Kampagnen. Nicht alle zehn Jahre ein Programm mit Namen, sondern kontinuierliche Instandhaltung. Tokyo Disney Resort und Walt Disney World machen seit Jahrzehnten vor, wie das geht.
- Würdigung der unspektakulären Elemente, die aber essentiell für die Atmosphäre sind. Fort Comstock, die Brücke zur Adventure Isle in Adventureland, die Bahnhöfe der Disneyland Railroad, die seit der Corona-Zeit teilwiese ungenutzt sind, die Mark Twain. Nichts davon verkauft Tickets, aber alles davon prägt den Eindruck, den Disneyland Paris hinterlässt. Und sei es auch nur unterschwellig.
- Ehrlichkeit über den Zustand. Eine Ankündigung, die als Verbesserung verkauft, was in Wahrheit eine überfällige Reparatur ist, verändert nichts an der Ursache.
- Bessere Qualität der Arbeiten. Viel zu oft hat man den Eindruck, dass Arbeiten billig oder mit wenig Mühe ausgeführt werden, weil Bereiche viel schneller wieder Mängel zeigen, als dies bei guter Ausführung einer Renovierung der Fall sein dürfte.
Solange sich daran nichts ändert, folgt auf New Magic in zehn Jahren das nächste Programm. Vielleicht heißt es Relight the Fire. Der Name spielt keine Rolle. Am Ende sind wiederholte Großsanierungen teurer, als kontinuierliche Instandhaltung es gewesen wäre. Und für die Gäste bedeuten sie längere Schließzeiten, mehr Bauzäune über längere Phasen und ein schlechteres Gesamterlebnis.
2015 wollte Disneyland Paris „new magic” schaffen. Wenn 2026 noch einmal dasselbe Wort nötig ist, ist die Magie von damals irgendwo zwischendurch verloren gegangen. Die Frage ist, ob diesmal jemand darauf achtet, dass sie bleibt.