Auf zu neuen Horizonten!

Horizons – die Zukunft, die nah an Walts Vision reicht, Teil 2

| AttraktionenEpcotHorizons

Horizons - verschollene Attraktion in Walt Disney World

Horizons, eine inzwischen verschollene Attraktion in Walt Disney World, die bis 1999 in Epcots Future World zu finden war.
Bereits letzte Woche konntet Ihr im Artikel Horizons – die Zukunft, die nah an Walts Vision reicht viele interessante Hintergrundinformationen und Details erfahren.
Heute nun geht die Reise in die Vergangenheit weiter. Viel Spaß dabei!

Familienbande in der Zukunft

Der erste Ort den wir in unserem Vehikel besuchen, ist Nova Cite, bzw. das futuristische Wohnzimmer der Erzähler mit einem Panoramablick auf jene Stadt. Wir werden begrüßt vom männlichen Erzähler, der an einer Art umgekehrter Lichtorgel (Musik wird nicht in Beleuchtung umgesetzt, sondern Licht in Musik) spielt; er hat frappierende Ähnlichkeit mit dem Gastgeber aus dem Carousel of Progress, nur mit weißen Haaren. Weiter oben erwähnte ich ja bereits, dass Horizons als Fortsetzung des Carousel angedacht war und hierin manifestiert sie sich. Der Familienhund liegt unweit neben ihm und wackelt mit Schwanz und Kopf im Rhythmus der gespielten Musik.

Mesa Verde in Horizons: Farmland in der Zukunft

Ein wenig entfernt sitzt die Erzählerin auf der Couch und videofoniert mit der Tochter, die in Mesa Verde, einer Farm in der Wüste, als Agrar-Ingenieurin arbeitet. Die Tochter erscheint als Hologramm, welches mittels des „Pepper’s Ghost“-Effekt visualisiert wurde. Wir nehmen Abschied von Nova Cite über den Balkon, der gleichzeitig als hydroponisches Beet für Gemüse dient und fahren zur nächsten Station.

Zu Land…

Um den roten Faden der Geschichte zu erhalten, geht es nun am Mesa-Verde-Set vorbei, um das andere Ende des Videofonats zu sehen. Die Tochter der Erzähler spricht nun am Bildschirm mit ihrem Gatten; nachdem sie die Unterhaltung mit ihrer Mutter beendet hatte. Sie steht in einer Art Überwachungsturm und kontrolliert das Wachstum der Pflanzen, die nach einem Terraforming-Prozess in der vorher unwirtlichen Umgebung einer Wüste gedeihen. Über den Feldern schweben Ernte-Roboter, die von der Agrar-Ingenieurin gesteuert werden. Ein Sturm zieht in der Ferne auf und ihr Mann schickt ihr eine Warnung über das Videofon.

Pegasus Hoverlift Flugzeug in der Attraktion Horizons

Neben dem Überwachungsturm hat die Tochter ihr Miniflugzeug, das „Pegasus Hoverlift“, geparkt, mit dem sie zur Arbeit und wieder nach Hause pendelt. Wir bleiben in Mesa Verde und werden nun in das Haus der Tochter geführt. Hier sehen wir getreu der bereits implementierten Narration ihren Mann, der in der Küche an einem Geburtstagskuchen werkelt, während dessen Sohn, also der Enkel unserer Erzähler, mit den sprachgesteuerten Küchengeräten spielt.

Nach einer weiteren Kurve fahren wir am Zimmer der Enkelin vorbei, die mit ihrem Freund ein Video-Gespräch führt, anstatt ihre Hausaufgaben zu machen, wie der Erzähler (also ihr Großvater) leicht verärgert bemerkt.

Weiter oben versprach ich eine lustige Anekdote über den Imagineer Tom Fitzgerald. Die kommt jetzt, weil sie mit der Kulisse zu tun hat. Nicht nur, dass er diese Familiengeschichte für Horizons ersonnen hat, er wurde zudem noch Teil ebendieser, denn man bat ihn, den, vom Erzähler despektierlich als „Beach Boy“ bezeichneten, Freunds der Enkelin darzustellen.

Er lieh ihm Gesicht und Stimme in der eben beschriebenen Szene und wurde als Animatronic im darauffolgenden Set nachgebildet. Der Animatronic wurde deswegen auf den Namen „Tom II“ getauft.

Zu Wasser…

Das bringt uns auch genau jetzt zu der nächsten Szenerie, nämlich die von Sea Castle, einer schwimmenden Stadt mit Strukturen über wie auch unter dem Wasser. Wir begegnen nun also Tom II, einem Student der Meeresbiologie, der gerade an einem kleinen Unterseeboot Reparaturen durchführt. Der große Bildschirm rechts zeigt nun seine Freundin als reale Person, die wir eben erst als Audio-Animatronic-Figur erlebten.

Horizons: Szene unter Wasser

Ein Stockwerk weiter unten, beobachten wir eine kleine Tauchschule, eine Lehrerin und drei Kinder. Sie sitzen auf einer Couch, ein Junge steht vor der Lehrerin, welche ihm den Tauchanzug richtet. Eine Robbe ist ebenfalls anwesend, sie hat sich vor dem Jungen auf einem kleinen Podest aufgebaut und beschnüffelt ihn. Zwei der Kinder sind den Kindern von George McGinnis nachempfunden, das Mädchen, das rechts auf der Couch Platz genommen hat und der Junge, welcher vor der Lehrerin steht. Während der Vorbereitung auf den anstehenden Tauchvorgang wird die Klasse noch mal an die Regeln dafür erinnert.

Derweil gleiten wir weiter und befinden uns nun unter Wasser, um einen Blick auf ein Untersee-Restaurant zu erhaschen. Wir sehen ein Paar, das ein romantisches Dinner genießt, ein Mädchen mit seiner Mutter, welches an einem Fenster mit einer Robbe im Wasser kommuniziert, einen Mann beim Studieren der Speisekarte. Wir schauen von außen in das Restaurant, das aus mehreren Séparées besteht. In der nächsten Szene begegnet uns die Tauchklasse von vorhin wieder, nun schwimmen sie in der Gruppe an Unterwasser-Häusern vorbei. Danach fahren wir an einem Unterwasser-Feld vorbei, in dem ein Roboter Steine für die Mineraliengewinnung abbaut. Der Erzähler preist die schier unerschöpflichen Ressourcen, die wir in den Meeren und Ozeanen gefunden haben, doch seine Frau wirft ein, dass auch im Weltraum viele gute Dinge zu finden seien.

… und im Weltall

Horizons: Szene aus dem Weltall

Das ist die Überleitung für das nächste Set, denn wir steuern nun auf die Weltraum-Kolonie Brava Centauri zu, die vor uns schwebt. Vor Brava Centauri können wir einen Astronauten beobachten, der an einer Sonde arbeitet, während seine Kollegin in einer kleinen Raumkapsel ihm Anweisung gibt. Jetzt geht es ins ‚Innere‘ der Kolonie. Zunächst fahren wir an einem Shuttle-Dock vorbei, bevor wir aus der Vogelperspektive auf die Stadt innerhalb der Raumstation blicken. Der Sohn unserer Erzähler lebt hier mit seiner Familie.

Im Dock befindet sich ein Shuttle mit dem Namen „Century 3“, eine Reminiszenz an den ersten Arbeitstitel von Horizons. Dann endlich erblicken wir die Weltraum-Stadt von oben und entdeckten auch einen Hidden-Mickey, wenn wir genau hinsehen. Dann dürfen wir auch in einige der Häuser hineinschauen. Zunächst gleiten wir an einem Fitness-Studio vorbei, wo eine Frau in Schwerlosigkeit auf einem Hometrainer in die Pedale tritt. Der Hometrainer ist fest installiert, jedoch kopfüber. Daneben ist ein Rudergerät angebracht, jedoch ohne Benutzer, an einer Wand können wir schemenhaft ein Ballspiel sehen, bei dem die Spieler umher schweben.

Hiernach dürfen wir einer anderen Familie zuschauen, wie sie versuchen in einem Dock einen Ferien-Spaceshuttle zu betreten. Das Dock, in dem wir uns befinden ist rundherum mit Panoramafenstern ausgestattet und es führt ein Steg hindurch zum Shuttle. Die Mutter steht darauf– sie trägt Gravitationsstiefel, der Vater hängt dank der Stiefel kopfüber von der Decke und der Sohn schwebt im Raum, ebenso wie der Hund. Sohnemann hat einen seiner Gravitationsstiefel verloren, nach dem der Vater angelt. Die Zeit drängt, denn der Shuttle will bald abfliegen.

Eine Frau überreicht einen Geburtstatgskuchen

Danach fahren wir durch ein Labor, in dem eine Frau künstliche Kristalle züchtet. Wir hören einen Alarmton und unsere Erzähler sagen, dass es nun Zeit wird für die Geburtstagparty.

Das ist die Überleitung zur nächsten Szene, in der wir dem Sohn des Erzählerpaares mit seiner Familie begegnen. Er, seine Frau und der kleine Sohn (er scheint gerade ein Jahr alt geworden zu sein), sitzen mit dem Rücken zu uns auf dem Sofa. Vor ihnen sind drei Bildschirme montiert und wir erleben einen Hologramm-Anruf der Großeltern, der Nichte und Ihres Freundes, der immer noch im U-Boot-Hangar steht. Wieder kommt der Pepper’s-Ghost-Effekt zum Einsatz.

Choose your tomorrow

Jetzt kommen wir auch schon zum Ende der Attraktion. Wir werden aufgefordert, uns eine von drei unterschiedlichen Reisen zurück zum Futureport auszusuchen, die uns dann auf einer Leinwand gezeigt wird. Klingt bekannt? Ja, diese Art von Rücktransport in die Realität erleben wir derzeit in Spaceship Earth. Hier dürfen wir uns auch eine persönliche Zukunft aus verschiedenen Komponenten zusammenbasteln und sie auf dem Bildschirm im Omnimover-Wagen anschauen.

Jedoch zurück zum Original, nämlich der Rückreise in Horizons. Wie schon gesagt, wir haben die Option aus drei Reisen zu wählen. Wir werden einen Flug durch einen von drei Orten erleben, nämlich entweder Mesa Verde, Brava Centauri oder Sea Castle. Unsere Fahrt führt an einem Leinwandgürtel vorbei, bei dem jeder Wagen seine eigene Leinwand bekommt. Eine ausfaltbare Wand schützt den Wagen davor, die ausgewählten Filme der anderen zu sehen. Wir sollen das Gefühl haben, dass wir allein sind mit unserer Wunschdestination und die anderen Besucher um uns vergessen. Die Filme selbst werden von sieben Videoprojektoren durch den Rücken der Leinwand widergegeben. Mit einer normalen Filmprojektion wäre diese Art von Erlebnis nicht möglich gewesen.

Die Filme waren ungefähr 30 Sekunden lang, allerdings dauerte es knapp zwei Jahre, um die Modelle hierfür zu designen, aufzubauen und dann die Aufnahmen zu machen. Ein Heidenaufwand für eine extraordinäre Attraktion. Mit dem Ende unseres personalisierten Rücktransports zum Futureport endet auch die Fahrt durch Horizons. Wir kommen an und steigen auf ein Laufband aus.

Das Ende der Zukunft

Nach all dem, was man bei der Fahrt mit Horizons erleben konnte, wird man gewahr, dass er der Pavillon war, welcher alle anderen Future-World-Komponenten (Vorstellungskraft, Kommunikation, Technologie, Transport, Landwirtschaft/Ökologie, Gesundheit sowie Meeresbiologie) in sich vereinte und damit aus dem Puzzle der einzelnen Pavillons ein Gesamtbild zauberte.

Horizons Lebensspanne dauerte insgesamt 16 Jahre, mit Unterbrechungen. General Electric verlor 1993 das Interesse am Pavillon und erneuerte seinen Sponsorenvertrag nach der festgelegten Laufzeit nicht, was exakt zehn Jahre nach der Eröffnung am ersten Oktober 1983 passierte. Somit schloss Horizons seine Pforten das erste Mal ein gutes Jahr später, ohne ein Wort davon zu sagen. Als die beiden Pavillons „World of Motion“ und „Universe of Energy“ ein weiteres Jahr später für Renovierungsarbeiten geschlossen wurden, machte Horizons wieder auf, um noch weitere vier Jahr zu laufen. Im Januar 1999 war dann endgültig Schluss. Das Showgebäude samt Ride wurde abgerissen, um die Attraktion „Mission: SPACE“ zu bauen, die in 2003 eröffnete.

Horizons ging, die Liebe bleibt

Horizons jedoch lebte weiter in den Herzen der Fans, die noch heute die Blogosphäre mit Beiträgen oder ganzen Fanseiten fluten. Auch in Foren und in sozialen Netzwerken wird Horizons heute noch gefeiert und virtuell am Leben gehalten. Bei einigen ging die Liebe schon in Obsession über, als zwei Fans der ersten Stunde sich zu illegalem Verhalten hinreißen ließen, und unerlaubt während des aktiven Betriebs in den Kulissen von Horizons rumliefen, um so viele Detail-Fotos und Videoaufnahmen wie nur möglich zu machen. Das war bei Horizons auch ziemlich einfach, da der Ride per se keine Sicherheitsanlage hatte, die das Verlassen des Wagens verhinderte. Kein Infrarot-Bewegungssensor, keine Kamera-Überwachung, keine Druckplatten, die einen Alarm auslösten. Diese Jungs hatten Glück, dass sie nie direkt erwischt worden sind, auch wenn sie sich teilweise in Lebensgefahr begaben und auch die eine oder andere Verletzung davon trugen.

Selbst wenn es für mich ein großes „No-No“ ist, zeigt es auch, wie sehr und wie schmerzlich die Fans Horizons vermissen. Glücklicherweise gibt es jedoch nun das Internet und Plattformen wie Youtube oder Vimeo, mit denen man publizierte Ferienvideos anderer Familien anschauen kann, um den Ride noch einmal sehen zu können. Es ist nie das gleiche, als wenn man wirklich vor Ort war, das stimmt, aber es kann die Erinnerungen wecken oder die eigene Vorstellungskraft anregen.

Mittlerweile haben sich auch Computerspieler, in Spielen à la Minecraft das Ziel gesetzt, Attraktionen wie Horizons in dieser virtuellen Umgebung ein Denkmal zu setzen:

Ein weiterer Fan, namens Chris Wallace, hat Horizons in einem 3D-Computer-Modell wiederauferstehen lassen: http://horizons-resurrected.com/

Mitunter werden die Rufe, gerade wenn sich die Eröffnung und Schließung wieder einmal jähren, nach einem Wiederaufbau und die Entrüstung über die Schließung laut. Einen so tiefen Eindruck hat Horizons in den Herzen seiner Verehrer hinterlassen.

Zu Recht eine legendäre Attraktion

Nachdem ich mich so intensiv mit dem Ride und seiner Geschichte beschäftigt habe (und immer noch tue, denn es kommen regelmäßig neue Artikel und Tribute in Form von Videos oder Podcasts heraus), kann ich die Faszination sehr gut nachvollziehen und bin traurig darüber, dass ich selbst nie Horizons fahren konnte. Vermutlich hätte ich es zu seiner Blütezeit nicht richtig genießen oder wertschätzen können, da ich noch zu klein war (ich bin so alt wie der gesamte EPCOT-Park, gerechnet ab dessen Eröffnung). Aber wenn ich eine Zeitmaschine besäße, dann würde ich sehr gern in die Mitte der 80er zurückkehren, um einmal Horizons zu fahren.

Weiterhin muss ich gestehen, dass ich sehr gerne in der Zukunft leben würde, die die Imagineers mit General Electric zusammen entworfen haben. Aber vielleicht haben nachfolgende Generationen dazu die Chance, denn noch ist diese Zukunft eine solche, wir haben Zeit, das Boot, in dem wir alle sitzen, in die richtige Richtung zu steuern, denn „if we can dream it, we can do it!

Horizons – Best Darkride in Epcot: Quellenverzeichnis

Retro-WDW-Podcast „Horizons“:

The Lake Buena Vista Historical Society: http://lbvhistory.org/

Exit-Mural „The Prologue & The Promise“:

Frank R. Paul:

Zeichnungen auf die sich in der 1920er-Szene bezogen wird: http://www.frankwu.com/Paul-340.html

Allgemeine Quellen:

alle Bilder © Disney

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