Nach sechs Monaten Renovierung

Dornröschenschloss: Brückensanierung fast abgeschlossen

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Ein Handwerker prüft die neu aufgebaute Steinbalustrade der Brücke vor dem Dornröschenschloss in Disneyland Paris
Letzte Arbeiten an der Steinbalustrade der Schlossbrücke © Disney

Nach knapp sechs Monaten Bauzeit ist die Brücke zum Dornröschenschloss (Le Château de la Belle au Bois Dormant) frisch renoviert, rechtzeitig zum 35. Geburtstag des Schlosses. Am 12. Oktober 1991 wurde das Wahrzeichen von Disneyland Paris bei der Veranstaltung „Rendez-Vous au Château“ erstmals öffentlich vorgestellt, ein halbes Jahr vor der eigentlichen Parköffnung am 12. April 1992.

Eine Renovierung war nötig

Es ist das meistfotografierte Wahrzeichen im französischen Departement Seine-et-Marne. Jeden Tag gehen tausende Gäste über die Brücke, entsprechend gründlich haben die Imagineers sie jetzt überarbeitet, nachdem sie in den letzten Jahren zunehmend unansehnlich und baufällig wurde. Sie hat nun ein neues Granitpflaster und restaurierte Steinbalustraden bekommen. Am auffälligsten ist die Kompassrose in der Mitte, die eine kleine Geschichte erzählt.

Menschenmenge auf der Main Street U.S.A. bei der Veranstaltung Rendez-Vous au Château 1991, im Hintergrund das Dornröschenschloss
Historisches Foto vom „Rendez-Vous au Château“ am 12. Oktober 1991

Was an der Brücke erneuert wurde

Die Arbeiten reichten vom Tragwerk bis zur letzten Patina. „Wir wollten der Brücke ihren früheren Glanz zurückgeben und dabei ihren Charakter bewahren“, sagt Stefano Servi, Stage Architect bei Walt Disney Imagineering Paris. Dafür arbeiteten viele Gewerke zusammen.

Neu gebaut wurde die Unterkonstruktion für die Dekorelemente, ebenso die Bögen mit ihren Kragsteinen und verzierten Bögen. Wo früher geprägter Beton lag, ist jetzt Granit verlegt. Rund 2.735 Einzelteile wurden dafür wie ein Puzzle zusammengesetzt, damit der Belag der Wölbung der Brücke folgt. Die Steinbaluster aus Champagny-Kalkstein haben die Handwerker neu aufgebaut und so abgedichtet, dass sie dem Spritzwasser der Fontänen darunter standhalten.

Handwerker mit Helm glättet Putz an einem Bogen der Brücke zum Dornröschenschloss zwischen Baugerüsten
Die Bögen der Brücke wurden neu aufgebaut

Auch die hölzernen Pfosten der Brüstung sind ausgetauscht, und die Zugbrücke läuft jetzt auf einem Deck aus Tropenholz. Seitenwände und Bogenunterseiten bestehen aus Kunststein, wobei jedes Stück von Hand geschnitzt und in fünf Farbtönen bemalt wurde. Zum Schluss kamen Patina und neue Farbe hinzu, außerdem wurde einige Bereiche neu bepflanzt.

Mitarbeiterin mit Schutzhelm zeigt die handbemalten Kunststeine an der Bogenunterseite der Schlossbrücke
Handgearbeitet und in fünf Farbtönen bemalt: die Kunststeine der Brücke

Die neue Kompassrose

In der Brückenmitte sitzt jetzt eine Kompassrose aus Naturstein mit Messingeinlagen, ein Detail für Fans des Dornröschen-Films von 1959. Ein blauer Arm steht für Sonnenschein (Merryweather), ein roter für Flora. Weil beide in entgegengesetzte Richtungen zeigen, spielen sie auf den legendären Streit der Feen um die Farbe von Auroras Kleid an. Fauna, die zwischen den beiden vermittelt, ist als grüner Bogen dargestellt.

Kompassrose aus Granit mit Messingeinlagen für die Brücke zum Dornröschenschloss, ausgelegt in der Werkstatt
Die neue Kompassrose aus Naturstein und Messing

Im Zentrum zeigt ein Messingmedaillon Auroras Krone, umrankt von Dornen. Norden markiert eine Lilie (Fleur-de-Lis) aus Messing, die an vier Messingbuchstaben erinnert: Sie zeigten zur Parköffnung die Himmelsrichtungen an und wurden 2010 entfernt.

Messingmedaillon mit Auroras Krone und Dornenranken in der Mitte der Kompassrose
Im Zentrum: Auroras Krone, umrankt von Dornen

Tipps für Euren nächsten Besuch

Ins Fantasyland geht es wieder direkt durchs Schloss, und auf dem Weg lohnt es sich, kurz in der Brückenmitte stehen zu bleiben und nach unten zu schauen. Wer die Feen-Farben kennt, entdeckt dort den Disney-Klassiker nun im Boden. Die frisch patinierte Brücke mit dem Schloss im Hintergrund ist eines der schönsten Motive im Park; am ruhigsten ist es dort früh am Morgen, kurz nach Parköffnung. Achtet beim Fotografieren auch auf die handbemalten Kunststeine an den Seiten, deren fünf Farbtöne sie wie echten, gealterten Stein aussehen lassen.

Ein konkretes Datum für die Wiedereröffnung nennt Disneyland Paris in seiner Mitteilung nicht. Vorgesehen war, die Brücke zum Jubiläum im Oktober 2026 wieder zu öffnen. Wir konnten in den letzten Tagen aber beobachten, dass die Gerüste nach und nach verschwinden und freuen uns schon auf die baldige Öffnung des Wegs ins Schloss.

Das steckt im Design des Schlosses

Das Pariser Schloss ist kein Klon seiner Geschwister in Kalifornien oder Florida. Weil Europäer mit echten Burgen aufgewachsen sind, entwarfen die Imagineers unter Executive Designer Tony Baxter ein Schloss, das bewusst märchenhafter ausfällt als jedes reale Vorbild.

Vorbilder aus Kunst und Film

Als Vorlage dienten die Buchmalereien der „Les Très Riches Heures du Duc de Berry“ aus dem 15. Jahrhundert, auf die die verspielten Spitztürme und die Farbigkeit zurückgehen. Für die aufstrebende, gestaffelte Silhouette stand der Mont-Saint-Michel in der Normandie Pate. Die eckig geschnittenen Bäume rund ums Schloss sind direkt der stilisierten Bildsprache des Films „Dornröschen“ von 1959 entnommen und ergeben in der Reihenfolge von links nach rechts die Anfangsmelodie des Films. Viel Freiheit hatten die Designer ohnehin, denn Charles Perraults Märchen von 1697 beschreibt das Schloss nicht.

Zahlen und Fakten

MerkmalDetail
Höheca. 50 m, deutlich größer als das Original in Anaheim
AusrichtungSo platziert, dass die Sonne nie hinter dem Schloss steht; es liegt also nie im Gegenlicht
Drache24 m lang, über 2 Tonnen schwer; 1992 die größte Audio-Animatronic-Figur der Welt
BuntglasfensterIn London gefertigt unter Aufsicht von Peter Chapman, der an der Restaurierung von Notre-Dame mitgearbeitet hat
Renovierungen2011 und 2021 neu gestrichen und mit LED-Technik ausgestattet

Drei Orte im Schloss, die viele übersehen

In La Tanière du Dragon, einer düsteren Höhle unter dem Schloss, schläft der Drache. Ab und zu wacht er auf und faucht, dann schlägt er mit den Flügeln und stößt Rauch aus.

Im Obergeschoss liegt La Galerie de la Belle au Bois Dormant. Dort erzählen Wandteppiche und Buntglasfenster, ergänzt durch Figuren, die Geschichte von Aurora, und vom Balkon habt Ihr einen tollen Blick auf Fantasyland. Unten im Erdgeschoss verkauft La Boutique du Château das ganze Jahr über Weihnachtsschmuck, während es bei Merlin l’Enchanteur handgefertigte Glasfiguren gibt.

Große Show-Bühne

Für die Nachtshows bekam der Burggraben Fontänen, und hinter Türen, die ein oberes Fenster ersetzt haben, leuchtet ein LED-Stern. Zu Jubiläen verkleidet sich das Schloss gern, 1993 etwa als Geburtstagstorte und 2007 mit goldenen Figuren auf den Türmen und Tinker Bell auf der höchsten Spitze.

Fazit

Die Renovierung der Brücke zeigt, wie viel Handwerk in einem einzigen Weg zum Schloss steckt. Passend zum 35. Geburtstag ist das Dornröschenschloss damit schöner denn je. Wenn Ihr das nächste Mal über die Brücke lauft, schaut erst nach unten und dann nach oben, und vergesst den Drachen im Keller nicht. Links vom Schloss gibt es einen kleinen Vorplatz, der perfekt als Selfie-Spot dienen kann, ohne störende Menschenmassen im Hintergrund.