Mineral King Resort

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Konzeptzeichnung für Mineral King: schneebedeckte Hotelanlage aus Holz in den Bergen

Es ist kalt geworden. Der Winter hat uns gefühlt wieder voll im Griff und für die einen oder anderen lodert die Lust auf Skifahren auf. Auch Walt Disney hatte viel Spaß am Wintersport. So kam es, dass man ihm Anfang der 1960er die Gelegenheit bot, ein Ski-Resort zu designen und zu betreiben: Mineral King. Da dieser Artikel in der Reihe „Disney’s verschollene Attraktionen“ erscheint und noch keiner von uns selbst dort war, kann das nur eines heißen: Es hat schlussendlich nicht geklappt. Aber warum werfen wir nicht mal einen Blick darauf, was hätte sein können?

Erste Pläne für Disney’s Mineral King Resort

Also, rein in Ski-Anzug sowie -Schuhe und ab auf den virtuellen Lift (Bügel, Teller oder Sessel?) Richtung „Disney’s Mineral King Resort“.

Wir beginnen unsere Reise in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Walt Disney auf Anraten seines Arztes zum Stressabbau verschiedene Sportarten ausprobierte. Beim Polo fühlte er sich sehr wohl, doch eine Verletzung am Nacken, die ihn noch bis zu seinem Tode quälen sollte, machte ihm klar, dass der Sport für ihn nichts mehr sei. Daraufhin wandte er sich anderen Ertüchtigungsmaßnahmen zu, unter anderem auch dem Ski-Fahren. Dieser Sport wurde zu einem seiner Favoriten, konnte er hier schließlich seine gesamte Familie involvieren. Dabei lernte er Ende der 30er Jahre den österreichischen Ski-Weltmeister Hannes Schroll kennen, der sich zu dieser Zeit als Leiter der Yosemite Skischule betätigte. Schroll wurde also mit Walt und Lily bekannt und später befreundet. Im Verlauf dieser Freundschaft konnte Hannes Walt sogar davon überzeugen in das Ski-Resort Sugar Bowl zu investieren, das sich im Norden Kaliforniens befindet.

Im Cartoon „The Art of Skiing“ von 1941 wird Sugar Bowl kurz als Kulisse genutzt (bei Minute 2:39) und Hannes Schroll lieh Goofy seine Stimme für den Jodler, der heute als „Goofy Holler“ bekannt ist (zu hören bei Minute: 1:47):

Zu einem späteren Zeitpunkt benannte Hannes Schroll einen der Abfahrtsberge in „Mount Disney“ um, aus Dankbarkeit für die großzügige finanzielle Unterstützung. Sugar Bowl wurde zudem auch das Lieblings-Skigebiet der Disney-Familie.

Familie Disney mit Hannes Schroll auf Skiern

Walts Liebe zum Wintersport brachte ihn ebenfalls dazu, für die Olympischen Spiele 1960 die Eröffnungs- wie auch Abschlusszeremonie zu inszenieren, und auch einige andere Neuerungen wie die Unterbringung der Sportler im Olympischen Dorf gehörten zu seinen Ideen (nachzuhören in diesem Podcast-Segment der „DIS Unplugged Disneyland Edition„)

Mineral King soll Erholungsgebiet werden

Das waren nun die Grundvoraussetzungen, zu erklären, warum in aller Welt sich Walt Disney selbst darum bemühte, ein Ski-Resort bauen zu wollen. Jetzt kommt die Ausführung, wie sich die Gelegenheit dazu ergeben sollte.
Das Jahr ist 1948 und das ehemalige Silberminengebiet „Mineral King“ wurde als Bebauungsobjekt für ein Ski- und Naherholungszentrum ausgeschrieben. Auch die Naturschutzorganisation „Sierra Club“, die sich als älteste ihrer Art in den USA stets darum bemüht hatte, gewaltige Eingriffe in die Natur zu verhindern, gab ihr Einverständnis zur Entwicklung von Mineral King zu einem Erholungsgebiet.
Die ersten Projektanläufe wurden allerdings aufgrund der alten, unbefestigten Straße aus den Zeiten als Mineral King noch eine Mine war, als nicht realisierbar abgebrochen. Erst müsse eine ordentliche Straße vom Highway und durch den Sequoia Nationalpark bewilligt sein, bevor man an die Umsetzung eines Ski-Resorts denken könne, so die Erkenntnis.

Disney übernimmt das Ruder

Um Euch nicht mit allen Details um die behördlichen Vorgänge, Anträge, Durchsichten, Besprechungen, etc. zu der Straße durch den Nationalpark zu langweilen, mache ich es kurz. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde die Straße und Angliederung an das Highway-Netz genehmigt, im Jahre 1965. Das war auch das Jahr, als Walt Disney, von Hannes Schroll auf Mineral King als mögliches Ski-Gebiet hingewiesen, beim Staate Kalifornien sich das Recht auf die Umgestaltung von Mineral King sicherte.

Nun konnte endlich losgelegt werden. Die ersten Konzepte umfassten ein alpin anmutendes Dorf mit Aspekten moderner, amerikanischer Architektur, welches das ganze Jahr völlig autark arbeiten könne. Die Gestaltung des Dorfes war von Walts Liebe zu Zermatt, einem Dorf in der Schweiz, am Fuße des Matterhorns, beeinflusst. Als er die Dreharbeiten zu „Der Dritte Mann im Berg“ („Third Man on the Mountain“), der von einer abenteuerlichen Besteigung des Matterhorns handelt, besuchte, verliebte sich Disney in die Schweizer Landschaft und Architektur. Das ist auch der Grund, warum die erste Achterbahn im Disneyland durch eine Kopie des Matterhorns führt.

Wie oben erwähnt, sollte es das ganze Jahr operieren können, denn Walt wollte, dass die Besucher die Schönheit von Mineral King nicht nur im Winter, sondern auch in den wärmeren Monaten bestaunen könnten.
Im Resort würde es neben Hotels und Camping-Möglichkeiten auch zehn Restaurants geben, von denen einige auf den Bergen, die das Tal von Mineral King umfassen, eingerichtet werden sollten. Zudem sahen die Pläne vor, Geschäfte mit Produkten für den täglichen Bedarf, Merchandise und Sportausrüstung zu bauen. Ebenfalls geplant waren eine Kapelle, ein Tagungszentrum, ein Theater, ein Kino und ein Postamt.

Um ein ungestörtes Erlebnis innerhalb der Ferienanlage zu haben und die Umwelt zu schützen, sollten Autos außerhalb von Mineral King geparkt und Besucher mit von Disney eigens entwickelten Transportmöglichkeiten in die Anlage gebracht werden.

Ein ganzes Jahr lang Ferien machen

Neben dem Hauptaugenmerk Ski-Fahren im Winter, mit Abfahrten für Anfänger bis Profis und einer Ski-Schule, durfte auch eine Eislaufbahn nicht fehlen. Doch auch die nicht gerade sportlichen Motivierten (wie ich) sollten nicht zu kurz kommen. Im Winter war ein Schnee-Spielplatz in Aussicht gestellt worden, der sich fernab von den Skipisten befände, um Unfallrisiken zu mindern.
In den warmen Monaten hingegen würde Mineral King zum Paradies für Wanderer, Camper und Naturbeobachter. Die 20 geplanten Skilifte brächten Touristen auch während des restlichen Jahres auf die Spitzen der Berge, von wo aus dann zu einer Wanderung gestartet werden könne; oder man genösse nur die Aussicht bei einem Mahl in den weiter oben bereits beschriebenen Restaurants.

Auch die aus Walt Disney World bekannten „Utilidors“ sollten in Mineral King eingesetzt werden, damit sich das geneigte Besucher-Auge nicht an profanen Aufräumtätigkeiten wie dem Abtransport von Müll oder der Anlieferung der Lebensmittel für die Restaurants störe. Alles, was quasi zu Hinter-den-Kulissen-Tätigkeiten gehörte, würde man auch schön hinter eben jenen lassen, indem man sie unter die Erde verfrachtete.

Konzeptzeichnungen für das Disney Projekt Mineral King

Wenn Ihr jetzt schon Bilder von dem zauberhaften Ort vor den Augen habt, lasst sie mich mit Concept-Art noch verfeinern:

Bärenstarke Country-Revue

Konzeptzeichnung mit fünf musizierenden Bären: die Country Bears

Wer kennt sie nicht, die „Country Bear Jamboree“ Animatronic-Show aus dem Magic Kingdom in Walt Disney World. Von vielen ist sie heiß geliebt und darf beim Besuch des Parks nicht verpasst werden. Doch nur wenige wissen, dass die Landbären eigentlich im Mineral-King-Resort ihre Heimat hätten finden sollen. Die fröhlichen Musikanten um Henry, Liver Lips McGrowl und Big Al waren Bestandteil eines besonderen Erlebnis-Restaurants, bei dem die Gäste inmitten der Bühnen platziert worden wären und so von jeder Seite aus einen Blick auf eine Bühne hätten werfen können. Dieses Konzept, übrigens, war schon für „Walt Disney’s Enchanted Tiki Room“ geplant, doch aufgrund der komplexen Technologie, die mit der damaligen Weltpremiere namens Audio-Animatronics einherging, welche große Teile des Showgebäudes in Anspruch nahm, wäre der Platz für Gäste sehr gering gewesen, sodass John Hench, der zuständige Imagineer, das Konzept umbaute zu der noch heute existierenden Show im kalifornischen Disneyland, Magic Kingdom in Walt Disney World und auch Tokyo Disneyland (teils mit lokalen Anpassungen).
Doch zurück zu den Country Bears. Wie gesagt wären sie eigentlich die Stars einer Dinnershow ähnlich der „Hop-Dee-Doo Musical Revue“ in Fort Wilderness, der Camping-Anlage von Disney World. Allerdings wissen wir ja, dass Mineral King als Resort niemals das Licht der Welt erblickte. Doch Walt selbst war so begeistert von den Bären, dass die Imagineers die Show als eines der vielen Tribute an Walt in Floridas Magic Kingdom erbauten, womit sie den Nagel auf den Kopf trafen und die Bären auch heute noch tausende Gäste mit Ständchen und Kalauern erfreuen.

Der Umwelt zuliebe

Doch wie fast jede meiner Geschichten nimmt auch diese hier kein gutes Ende. Denn nach Walts Tod und der aufkommenden studentischen Revolten in fast allen Ländern dieser Erde, begannen Umweltorganisationen und Naturschutzbünde die Bebauung von Mineral King kritisch zu sehen. Der Sierra Club, der anfangs noch sein Einverständnis zur Kultivierung der ehemaligen Mine gab, begann nun mit einem Feldzug dagegen, den sie bis hinauf zum Supreme Court, dem amerikanischen Äquivalent zum Bundesgerichtshof, ausfochten.
Auch in der Bevölkerung nahm die Begeisterung stets ab, denn das entfachte Bewusstsein für den Schutz der Umwelt sowie entsprechende Pressekampagnen gegen Eingriffe in ‚unberührte‘ Natur wie dem Mineral-King-Resort (unter anderem, es stand nicht allein in der Schusslinie) förderten die Ablehnung des Projekts. Disney nahm daher unter dem öffentlichen Druck und den Kräfte zehrenden Gerichtsverhandlungen Ende der 70er Jahre (um 1977/-78) endgültigen Abstand von dem Projekt.
Die Country Bears fanden daraufhin ein Zuhause in Disneyland und Walt Disney World, wobei ihre Popularität in Disney World weitaus höher war als in Disneyland, wo die Revue im September 2001 ihre Pforten schloss und die Attraktion „The Many Adventures of Winnie the Pooh“ angesiedelt wurde.

Was gut ist, bleibt und wartet auf sein Comeback

Nachdem Disney die Mineral-King-Ferienanlage nicht realisierte, wurde das Gebiet schlussendlich in den Sequoia Nationalpark integriert und liegt heute ziemlich weit ab vom Schuss. Man kommt schon hin, wenn man unbedingt will, aber eine einfache Möglichkeit dorthin zu reisen bietet sich nicht.
Somit bleibt mir nicht mehr viel zu sagen, außer, dass wir nie wissen, ob die eingemotteten Pläne und Konzepte nicht vielleicht doch irgendwo, irgendwann wieder zum Vorschein gelangen, wenn sich wieder eine Gelegenheit bietet. Es muss ja nicht zwingend ein Ski-Resort sein, auch eine andere Form von Erholungs- und Ferien-Resort kann in dem Stil durchaus in einer bergigen Landschaft ihren Platz finden.
Bei Disney können wir immer auf die eine oder andere Überraschung gefasst sein und wie oft haben wir verschollen Geglaubtes doch noch mal abgewandelt wieder gesehen.

Lesetipps zum Thema
Yesterland: Mineral King
The DIS: Walt Disney’s last lost project
The Disney Project: Walt’s last lost project
SamLand’s Disney Adventures (Sam Genneway): Walt’s Mountain Village
Mousplanet (Gastautor Jim Korkis): The Story of Mineral King
Disney’s Magic Kingdom Club Magazine (Frühling 1966; Seite 8): Artikel im Magazin
Mineral King Brochure (auf disneydocs.net): The Disney Plans for Mineral King
Walt Disney – Skifahrer (Disney Family Museum): Walt als Skisportler

Bildquellen
Konzeptzeichnung für Mineral King © Walt Disney Company
Familie Disney auf Skiern © Walt Disney Family Foundation
Bildergalerie mit Konzeptzeichnungen und Modellen für Mineral King: alle Bilder © Walt Disney Company
Country Bears“ © Walt Disney Company

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