Next Generation Storytelling

Disney auf dem Weg ins Metaverse: Mike White neuer Senior Vice President „Next Generation Storytelling and Consumer Experience“

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Mike White, Senior Vice President "Next Generation Storytelling and Consumer Experience" links ist für das Metaverse zuständig, rechts Disney CEO Bob Chapek
Mike White Senior Vice President „Next Generation Storytelling and Consumer Experience“ links, Disney CEO Bob Chapek rechts

Disney CEO Bob Chapek hat kürzlich Mike White zum Senior Vice President Next Generation Storytelling and Consumer Experience ernannt. Explizit erwähnte er bei der Ernennung, dass Mike White damit auch für Disneys Strategie bezüglich des Metaverse verantwortlich zeichnen wird. Was das heißt, erklären wir Euch in diesem Artikel.

Das Metaverse als Bindeglied zwischen physischer und digitaler Ebene

Portrait Mike White „Vice President Next Generation Storytelling and Consumer Expirience“
Mike White „Vice President Next Generation Storytelling and Consumer Expirience“

Am Dienstag hat Bob Chapek Mike White zum „Vice President Next Generation Storytelling and Consumer Expirience“ ernannt. In dieser Position soll Mike White dafür sorgen, dass Disney neue Wege des Storytellings für Disney Entertainment erschließt. Das bedeutet, dass Disney hier neue Möglichkeiten für sein Storytelling sucht, um die „echte“, physische Welt mit einer digitalen Ebene zu verbinden. Explizit erwähnt wurde hier auch das „Metaverse“.
Mike White ist seit über 10 Jahren bei Disney und hat vorher schon Erfahrungen in goßen Tech-Unternehmen wie Yahoo gesammelt, wie in seinem LinkedIn Profil angegeben ist.

Was ist das Metaverse?

Das Metaverse wurde im letzten Jahr (2021), insbesondere durch den Facebook Mutterkonzern Meta ins Licht der breiten Öffentlichtkeit gerückt. Noch existiert „das“ Metaverse nicht und es ist fraglich, ob es jemals „das“ Metaverse geben wird. Es handelt sich bei bisherigen Ansätzen für Metaversen um virtuelle Welten, ähnlich denen aus Computerspielen wie „Second Life“, oder in Ansätzen aus MMORPG´s („Massive Multiplayer Online Roleplaying Games“) wie „World of Warcraft“. Allerdings soll es zukünftig viel mehr Verbindungen ins „wirkliche“ Leben geben. Meta-CEO Marc Zuckerberg erwartet eine weitgehende Verlagerung des sozialen Lebens ins Metaverse.

Das Metaverse als kollektiver, virtueller Raum

Die ersten Ansätze für die Idee eines Metaverse, wenn auch noch nicht unter diesem Namen, finden sich bereits 1985/86 in dem, von Randy Farmer und später LucasArts für den Commodore C64/C128 entwickelten, MMORPG Habitat. Die erste namentliche Nennung des Metaverse geht auf den Science-Fiction Roman Snow Crash von Neal Stephenson zurück, der 1992 veröffentlicht wurde. In dessen Geschichte agieren programmierbare Avatare (ein Begriff, den auch Neal Stephenson erfunden haben will) in einer virtuellen Realität, die Stephenson schon damals als die Zukunft des Internets ansah.
Moderne Ansätze für Metaversen sind zum Beispiel die in Blockchain-basierten Welten angesiedelten Spiele The Sandbox und Decentraland, die jeweils auch ihre eigenen Kryptowährungen mitbringen und in denen man unter anderem virtuelles Land in Form von Non-Fungible Tokens (NFTs) erwerben kann. Projekte wie diese haben sehr wesentlich zum aktuellen NFT-Boom beigetragen, mit dem man sich auch bei Disney schon länger beschäftigt. Einige interessante Aussagen dazu findet man im Abschiedsinterview des ehemaligen Disney CEOs Bob Iger, das dieser kürzlich Kara Shwisher gegeben hat.

Neue Technologien und Global Player sind zu erwarten

Doch nicht nur Facebook arbeitet an einem „Metaverse“, sondern auch andere Unternehmen wie Microsoft und Apple. Microsoft setzt derweil auf das AR-Medium HoloLens und Apple möchte mit einer AR-Brille neue Geschäftfelder erschließen, die digitale Welten mit der realen Welt zu verbinden vermag. Beide Unternehmen pumpen derzeit Millionenbeträge in diese Projekte. Den eher zentralisierten Anätzen dieser großen Konzerne stehen neben den bestehenden dezentralen Projekten auch Neue gegenüber. So kündigte zum Beipiel Animoca Brands, das mit Axie Infinity bereits ein eigenes Blockchain-Computerspiel anbietet und mit Pixowl auch den Entwickler der oben erwähnten The Sandbox übernommen hat, an, ein plattformübergreifendes, dezentral kontrolliertes Metaversum zu entwickeln.

Wohin der Weg Disneys im Metaverse letztendlich führen soll, wurde bisher nicht bekannt. Die Bandbreite der Möglichkeiten reicht von der Entwicklung eines eigenen Metaverse bis zur Präsenz auf existierenden oder kommenden Plattformen, wie dies andere Konzerne aus der Umfeld der Unterhaltungsindustrie bereits tun. So hat zum Beispiel Atari unter eigenem Namen sowie für seine Computerspiele-Reihe RollerCoaster Tycoon große Parzellen Land in The Sandbox erworben – um ein Beispiel zu nennen, das zum Umfeld von Freizeitparks passt.
Auch eine Mischstrategie wäre für Disneys Zukunft im Metaverse sicher vorstellbar.

Metaverse ist der perfekte Platz für Disneys Storytelling

Portrait Bob Chapek (Disney CEO)
Bob Chapek (Disney CEO)

Unabhängig vom zukünftigen Weg, bietet das Metaverse viele Chancen für das zukünftige Storytelling von Disney.
Bob Chapek nannte es in einem Memo an die Disney Mitarbeiter: „den perfekten Platz, um die strategischen Unternehmensziele von hervorragendem Storytelling, Innovation mit Fokus auf das Publikum zu verfolgen“. Verschiedene Teams im Unternehmen seien schon dabei, die Möglichkeiten, die ein Metaverse bietet zu erkunden und durchweg von den neuen Möglichkeiten begeistert, so Chapek weiter.

Die Ansätze die Disney hier verfolgen kann sind vielfältig. Das Konzept virtueller Welten bietet Ansätze sowohl für die Erweiterung bestehender Erzählkonzepte im Animations- und Realfilmbereich als auch für die Entwicklung ganz eigenständiger Geschichten und Projekte.
Natürlich lassen sich auch leicht Querverbindungen zu den Disney Parks herstellen, wie virtuelle Attraktionserlebnisse im Metaverse, neue Arten von Attraktionen in den Disney Parks, die die dortige reale Welt um die virtuellen Welten des Metaverse erweitern. Passend dazu hat Disney im vergangenen Dezember ein, bereits im Sommer 2020 eingereichtes, Patent auf einen „Simulator für virtuelle Welten im realen Raum“ erhalten.

Wir können die physische und die digitale Welt noch enger miteinander verbinden und so ganz ohne Grenzen Geschichten in unserem eigenen Disney-Metaversum erzählen.

Bob Chapek beim Earnings Call zum 4. Quartal 2021

Nicht zuletzt bieten sich NFT-basierte, digitale Sammlereditionen an, wenn Disney vom NFT-Boom profitieren möchte. NFT-Kunst gilt unter einigen Experten als die Zukunft des Sammelns von Kunst und auf Disneys geistigem Eigentum basierende Werke sind auf NFT-Börsen längst vertreten – allerdings durchweg in Form von nicht durch Disney lizensierten, also in Missachtung des Urheberrechts generierten, Werken.

Sicherlich wird Disney bei seinem Weg ins Metaverse auch auf seinen bisherigen Erfahrungen im Bereich der Augmented Reality aufbauen wollen.