Schlechte Analysten-Prognosen, gestoppte Gehaltszahlungen – zur aktuellen Lage der Walt Disney Company

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Cinderella Caste in Walt Disney World in Schwarz-Weiß als Sinnbild der Krise der Walt Disney Company

Die Aktien der Walt Disney Company erlebten am Montag erneut einen erheblichen Kursverlust an der Bösre. Grund waren Aussagen des USB-Analysten John Hodulik, der die Disney-Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ zurückstufte. Außerdem gab Hodulik eine sehr negative Prognose für die Wiedereröffnung der Disney Parks ab.

Hodulik, der in den USA als Analyst für die Schweizer Großbank UBS arbeitet, ist allerdings nicht der einzige Analyst, der Disney in den letzten Wochen schlechtere Zukunftsaussichten bescheinigt hat.

Negative Schlagzeilen produzierte die Walt Disney Company auch mit ihrer Ankündigung, mehr als 100.000 seiner Angestellten zurzeit nicht weiter zu beschäftigen.

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Sinkendes Marktvertrauen in die Walt Disney Company

Position des UBS-Analysten Hodulik

Der UBS-Analyst John Hodulik stufte die Disney-Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ zurück und senkte sein Kursziel von 162 auf 114 Dollar. Damit liegt die Erwartung von Hodulik für den zukünftigen Kurs der Aktie aber immer noch über dem aktuellen Kurs. Am gestrigen Börsentag schloss die Aktie von The Walt Disney Company an der Wall Street um 102 $, ihren bisherigen Höchstand hatte sie im November 2019 mit über 150 $ erreicht.

Hoduliks Prognose zu den Disney Parks und anderen Geschäftsfeldern

Hodulik sagte, COVID-19 habe die Schließung der Disney-Themenparks und seiner Stores schwer getroffen. Hinzu kommen die auch noch nicht absehbare Zeit geschlossenen Kinos und Sportligen der USA, durch die ESPN als eines der Disney-Flagschiffe in stürmische See gerät.

Ein Aufschub oder eine Absage der NFL oder des College-Footballs wäre ein weiterer Schlag und würde sich wahrscheinlich auf die Einnahmen der Tochtergesellschaften auswirken

John Hodulik

Die Schließung von Kinokassen und die Einstellung der Produktion von Filmen und Serien werde auch die Medienzahlen von Disney in den Jahren 2020 und 2021 belasten, so Hodulik weiter.

Prognose für die Wiedereröffnung der Parks

Hodulik sagte, dass das Segment der Disney Parks von allen am härtesten betroffen sein wird, und die Investoren scheinen sich nicht ganz darüber im Klaren zu sein, wie lange es bis zur Wiedereröffnung dauern wird.

Das UBS-Basisszenario sieht vor, dass die Disney-Parks für den Rest des Jahres 2020 geschlossen bleiben und am 1. Januar 2021 wiedereröffnet werden. Bis ein Impfstoff entwickelt und allgemein verfügbar ist, sollten Investoren jedoch nicht erwarten, dass das Parkgeschäft wieder zu seiner historisch hohen Rentabilität zurückkehrt.

Auch 2021 sei nicht mit einer kompletten Wiedereröffnung der Parks auf dem alten Stand zu rechnen. Bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes und auch darüber hinaus, bis dieser in genügender Menge für breite Schichten der Bevölkerung zur Verfügung steht, sei mit massiven Einschränkungen zu rechnen. Hoduliks Prognose geht von massiven Einschränkungen im Betrieb der Parks bis Ende 2021 aus. Auch eine Schließung bis zu diesem Zeitpunk wollte er nicht ausschließen.

Diese extreme Position stellt allerdings eine Meinung dar, die nicht von allen Analysten geteilt wird und die auch in starkem Kontrast zu den Plänen der US-Regierung mit „Opening Up America Again“ und Floridas mit „Re-Open Florida“ steht, die Wirtschaft des Landes so rasch wie möglich wieder hochzufahren.

Aktuelle Informationen zur Corona Pandemie und den Disney Parks findet Ihr unter anderem hier.

Weitere Analysen zur Lage der Walt Disney Company

Dennoch sehen auch andere Analysten die Situation von Disney als geschwächt an, zumindest kurz- und mittelfristig, während die langfristigen Prognosen weiterhin positiv bleiben. Auch die viele Milliarden schwere Übernahme von 20th Century Fox im vergangen Jahr, die den Schuldenstand Disneys in Bezug auf langfristige Verbindlichkeiten fast verdoppelt hatte, belastet nun die Prognosen – wobei natürlich anzumerken ist, dass zum Zeitpunkt der Übernahme niemand auch nur im Entferntesten mit der aktuellen Entwicklung rechnen konnte.

Rating-Agentur Fitch stufte Disneys Kreditwürdigkeit im short term zurück

Die Rating-Agentur Fitch hatte bereits vor einigen Wochen ihr Credit Rating für Disney im long term auf A negative gesenkt  – was aber immer noch eine respektable Einstufung ist -, im short term aber auf F1 reduziert.
Dabei ist zu beachten, dass diese Herabstufung zu einem Zeitpunkt erfolgte, als noch davon ausgegangen wurde, dass die Parks im 3, Quartal des (abweichenden) Wirtschaftsjahres wieder öffnen werden, also irgendwann zwischen April und Juni 2020.

Starke Verluste beim Altman Z-Score

Beim Altman Z-Score, der analysiert, wie stabil Unternehmen wirtschaftlich sind, ist der Wert für The Walt Disney Company in den unteren Bereich der Grauzone gerutscht, auf 1,94, was bedeutet, dass das Unternehmen als in einer Schieflage befindlich eingestuft wird. Ab 1,81, also nicht weit entfernt, beginnt die sogenannte „Black Zone“, ab der eine Insolvenz mit gewisser Wahrscheinlichkeit als drohend angesehen wird. In der sogenannten „Safe Zone“, also finanziell stabil, wäre Disney erst wieder ab einem Rating von 2.99 aufwärts eingestuft.

Auch diese Einstufung erfolgte schon bevor klar war, wie hart die Coronakrise das Unternehmen wirklich treffen würde.

Diese Einstufung wird zwar allgemein als extrem hart angesehen, aber von der Hand zu weisen ist es nicht mehr, dass die Situation auch für Disney sehr dramatisch werden kann.

Disney plant weiterhin Dividenden-Ausschüttung

Trotz der angeschlagenen Situation hält The Walt Disney Company aktuell noch an der nächsten geplanten Dividenden-Ausschüttung in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar an seine Aktionäre fest. Dieses Festhalten hat für einigen Unmut gesorgt, weil Disney gleichzeitig etwa 100.000 seiner etwa 200.000 Mitarbeiter nicht mehr bezahlen wird.

Dabei muss allerdings beachtet werden, dass es sich bei den Dividendenzahlungen um Beträge handelt, die den Aktionären, darunter traditionell bei Disney auch viele Kleinanlegern, die auf die Zahlungen in ihrer Finanzplanung angewiesen sind, zugesichert wurden. Disney könnte die Auszahlung zwar zurücknehmen, Gründe dafür gäbe es aktuell genug, allerdings gelten gestoppte Dividendenzahlungen in der Wirtschaft als weiteres distress-Signal, also als Anzeichen für eine finanzielle Notlage eines Unternehmens, das viele Aktionäre dazu veranlassen könnte, auch um ausbleibende Dividenden zu kompensieren, ihre Aktien zu verkaufen. Weiterer Druck auf seine Aktie gehört aber sicherlich zu den Dingen, die Disney in der aktuellen Lage am wenigsten gebrauchen kann.

Dennoch ist im Allgemeinen das Verständnis für das Festhalten an den Zahlungen sehr gering, ebenso dafür, dass an Bonuszahlungen für Manager, insbesondere angesichts der umfassenden Freistellungen von Angestellten, festgehalten wird.

Disney stoppt Gehaltszahlungen an 100.000 Mitarbeiter

Mit dem Start dieser Woche hat die Walt Disney Company die Gehaltszahlungen für ca. 100.000 seiner Mitarbeiter getoppt. Zuvor hatte Disney die Gehälter für den ursprünglich zugesicherten Zeitraum bis 19. April weiterbezahlt. Schon vor ca. 10 Tagen hatte das Unternehmen allerdings angekündigt, die Gehaltszahlungen ab dem 20. April einzustellen. Zahlungen für die Gesundheitsfürsorge der Mitarbeiter – sowohl den Arbeitgeber-, als auch den Arbeitnehmeranteil – wird Disney aber (wie auch einige andere Vorsorgeaufwendungen) weiterhin leisten.

Durch die Einstellung der Zahlungen erhofft Disney sich eine Ersparnis 500 Millionen US-Dollar pro Monat.

Die Mitarbeiter wurden angehalten, Gelder aus den Nothilfeprogrammen der US-Regierung zu beantragen, die sich auf bis zu 600$ finanzielle Unterstützung pro Woche belaufen. Gerade für die vielen Mitarbeiter von Walt Disney World ist jede Form der staatlichen Unterstützung überlebenswichtig. Das Arbeitslosengeld in Florida zählt mit 275$ pro Woche für 12 Wochen zu den niedrigsten der USA.

Die Situation der Cast Member des Disneyland Paris

Die festangestellten Cast Member des Disneyland Paris sind vom Stopp der Gehaltszahlungen weniger stark betroffen, da das Unternehmen dort Kurzarbeit beantragen kann und die Mitarbeiter somit bis zu 84% ihres Netto-Einkommens durch staatliche Leistungen erstattet bekommen.

Stärker getroffen sind allerdings Saisonkräfte, deren Zeitverträge teilweise gekündigt bzw. teilweise vor Beginn ihrer Laufzeit zurückgezogen wurden.

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