Interview mit den Kostüm-, Make-up- und Perückenmachern

Disney Princess Cavalcade: Hintergründe zur Entstehung der Charaktere

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Disney Princess Cavalcade: Konzeptzeichnungen für die Kostume entstehen am digitalen Zeichenbrett

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie die Cast Member von Disneyland Paris ihre Shows entwickeln? In diesem Interview gewähren die drei kreativen Köpfe hinter der Disney Princess Cavalcade Einblicke in ihre aktuelle Arbeit. Die Kostümdesignerin Isabelle Lemarié (30 Jahre bei Disneyland Paris), Make-up-Designerin Julie Martinez und Haar- und Perückenmacher Jordan Ribeiro berichten, wie sie die Charaktere der Prinzessinnen zum Leben erwecken.

Wie die Disney Princess Cavalcade entstanden ist

In diesem Artikel
  • Im Interview teilen die Designer Isabelle, Julie und Jordan ihre Erfahrungen zur Entwicklung der Kostüme für die Disney Princess Cavalcade.
  • Kostüme erfordern tiefes Wissen über Stoffe, ergonomisches Design und inspirierende Disney-Geschichten.
  • Die Designer schaffen Originalkostüme im Stil der Disney-Filme und legen großen Wert auf Details und Farbharmonie.
  • Die funktionalen Aspekte der Kostüme sind entscheidend, um Bewegungsfreiheit und Komfort für die Performer zu gewährleisten.
  • Die Textilien stammen überwiegend aus Frankreich und werden in den Werkstätten im Disney Resort verarbeitet.

Das Interview zeigt, dass erfolgreiche Bühnenkostüme weit mehr sind als nur schöne Kleidung – sie erfordern umfangreiches Wissen über Materialien, Disney Filme, ergonomisches Design und präzise handwerkliche Fertigkeiten. Die Experten erklären, wie sie ikonische Kostüme neu interpretieren, farbliche Harmonie schaffen und dabei Bewegungsfreiheit gewährleisten. Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen einer der spektakulärsten Shows in der Disney Adventure World.

Um die wichtige Rolle der Kostüme in der Disney Princess Cavalcade, der neuen Produktion in der Disney Adventure World, besser zu verstehen, haben wir mit der Kostümdesignerin Isabelle Lemarié sowie den Haar- und Make-up-Designern Julie Martinez und Jordan Ribeiro gesprochen.

Bevor wir über eure Arbeit an der „Disney Princess Cavalcade“ sprechen, könntet ihr uns jeweils ein wenig über eure Rolle und euren bisherigen Werdegang bei Disneyland Paris erzählen?

Isabelle: Ich arbeite bereits seit 30 Jahren bei Disneyland Paris. Ursprünglich habe ich als Ankleiderin begonnen, wurde später Assistentin und schließlich Kostümdesignerin. Seit 15 Jahren bin ich Kostümdesignerin für Shows und Paraden. Es ist ein faszinierender Beruf, der umfangreiches Wissen über Bühnenkostüme, die Geschichte der Kostümkunst und Schneiderei erfordert. Wir entwerfen Kostüme basierend auf wunderschönen Geschichten und bühnentechnischen Vorgaben … Die Recherche zu Materialien ist ebenfalls sehr wichtig. Unter den Projekten, die mich am meisten inspiriert haben, ist „The Forest of Enchantment“ (2016), eine wirklich wunderbare Produktion, bei der ich zum ersten Mal mit Julie zusammenarbeiten durfte. Weiterhin war ich auch 2021 an „Disney Junior’s Dream Factory“, 2024 an „A Million Splashes of Colour“ und zuletzt an der „World of Frozen“ hier in der Disney Adventure World beteiligt.

Julie: Ich bin seit zehn Jahren bei Disney. Zuerst arbeitete ich als Make-up-Künstlerin am Set. Dort durfte ich das Make-up für Performer vor Ort umsetzen. Ich wurde dann Senior Cast Member und arbeitete umfangreich an den Shows, bevor ich vor etwa vier Jahren in eine kreative Rolle wechselte. Mein erstes großes kreatives Projekt war „Alice and the Queen of Hearts: Back to Wonderland”.

Jordan: Ich bin Friseur und Perückenmacher. Ich habe vor zehn Jahren als Praktikant bei Disneyland Paris angefangen, wurde dann Cast Member. Anschließend wechselte ich zur Kosmetik-Werkstatt, wo ich für die Gestaltung der Audio-Animatronic-Charaktere in den Attraktionen verantwortlich war, bevor ich Head Hair and Wig Stylist und dann Cosmetics Designer wurde, genau wie Julie. Wenn wir zusammenarbeiten, kümmere ich mich normalerweise um die Frisuren und Perücken, und Julie macht das Make-up, aber wir können leicht die Rollen tauschen. Wie ihr seht, bilden Isabelle, Julie und ich ein großartiges Team – ohne die Hutmacher und alle anderen aus dem Hutmacher-Handwerk zu vergessen, mit denen wir ebenfalls eng zusammenarbeiten.

Wie habt ihr die Kostüme für die verschiedenen Performer in der Disney Princess Cavalcade entworfen?

Isabelle: Nachdem die Regisseure Françoise Baffioni und Matteo Borghi uns das Projekt vorgestellt und erzählt hatten, welche Disney-Prinzessinnen zu sehen sein würden, vertieften wir uns in die Animationsfilme. Denn alles beginnt mit den Geschichten, die von den Animationsstudios erschaffen wurden. Matteo ermutigte uns auch, einen Blick auf die „Art of-Bücher zu werfen, die zur Veröffentlichung jedes Disney-Animationsfilms erscheinen. Sie waren eine wichtige Inspirationsquelle, da sie eine Fülle von Bildern und Konzepten enthalten, besonders in Bezug auf die Charaktere mit ihren ikonischen Kostümen und Motiven.

Aber für unsere Performer entschieden wir uns dafür, Originalkostüme im gleichen künstlerischen Stil wie in Disney-Filmen zu entwerfen.

Von New Orleans bis zu den Pazifikinseln: Jeder Wagen der Cavalcade ist eine Einladung zum Reisen. Wie habt ihr dies durch die Kostüme vermittelt?

Isabelle: Tianas Wagen führt uns von New Orleans zum Bayou. Für den urbanen Look tragen die Künstler Westen und Mützen. Und um den Bayou zu evozieren (Emotionen bzw. Stimmungen hervorrufen), habe ich mich ein wenig ausgetobt – mit Mustern von Seerosen, gedruckt auf verschiedenfarbigen Hintergründen.

Bei Rayas Wagen sind wir dem Film ziemlich treu geblieben. Obwohl Kumandra ein fiktives Königreich ist, erinnert es eindeutig an Südostasien. Dieser Look gefällt mir wirklich gut und ich ließ mich direkt davon inspirieren, als ich die Outfits der Performer entwarf. Ich suchte nach einem Muster ähnlich wie im Film, das ich in drei Farben umsetzte. Die Kostüme sind auch bewusst asymmetrisch, was einen zusätzlichen dynamischen Eindruck vermittelt.

Jordan: Was Julie und ich betrifft, so verwendeten wir Isabelles Skizzen als Ausgangspunkt, um Frisuren mit kleinen Zöpfen zu entwickeln, sowie Make-up-Looks, die sich von der eleganten, aber farbenfrohen Ästhetik des Films inspirieren ließen.

Die Macher von Moana wollten den Pazifikinseln ein Denkmal setzen. Wie seid ihr dabei vorgegangen?

Isabelle: Es war genau das gleiche Vorgehen. Ich wollte, dass die Kostüme dieses Teams authentisch aussehen und den Geist dieser Kultur widerspiegeln. Es hat mir viel Spaß gemacht, mit verschiedenen Materialien zu arbeiten, wie zum Beispiel Bast für die Röcke, sowie mit Mustern. Ich wollte einen „handgemachten” Look mit Texturen, die wie von Kreide inspirierte Pastelltöne wirken, als würden die Kostüme vor Ort gemalt. Wir verwendeten auch Bast für die Armbänder mit aufgenähten Muscheln. Und für die Halsketten hatte ich die Idee, Makramee zu verwenden, eine Knüpftechnik, die dem sehr ähnelt, was man im Film sieht. Die Idee ist, die Zuschauer durch all diese markanten Details auf diese Reise mitzunehmen.

Jordan: Die Künstler, die Moana (im Deutschen: Vaiana) auf diesem Abenteuer begleiten, tragen auch wunderbare Blütenkronen. Ich hatte viele Diskussionen mit Isabelle, um sicherzustellen, dass deren Farben die Farben der Kostüme ergänzen, wobei wir Schattierungen von Rosa, Gelb und Orange verwendeten. Das bedeutet, die Farben wirken wirklich leuchtend. Aus technischer Sicht war es eine echte Herausforderung, da unsere Kronen auf alle Kopfgrößen passen müssen und die Befestigung stabil und sicher genug sein muss, damit sie nicht verrutschen, während unsere Performer tanzen. Um dies zu erreichen, arbeiteten wir hausintern mit den Hutmachern in der Couture-Werkstatt zusammen, um ein Befestigungssystem zu entwickeln, das die Perücke, die Unterlage (das Haar des Künstlers, das unter der Perücke vorbereitet wird) und die Blütenkrone sicher an ihrem Platz hält.

Die Künstler, die neben Rapunzel auftreten, haben ein ganz anderes Flair!

Isabelle: Mir wurde freie Hand gelassen, etwas sehr Cartoon-artiges zu gestalten. Ich bin von der Szene „I’ve Got a Dream” ausgegangen, die in der Taverne „Snuggly Duckling“ (Deutsch: „Zum Quietscheentchen“) spielt. Ich habe sie immer wieder angeschaut. Unsere Performer sind „Gangster“, und das Besondere an dieser Produktion ist, dass jeder von ihnen eine Figur für sich ist; jeder hat eine Persönlichkeit, die wir durch ihre Kostüme vermitteln mussten, besonders durch die Verwendung verschiedener Stoffe. Diese sind sowohl roh als auch natürlich. Eine Patina dient dazu, Licht und Schatten zu betonen. Ich habe diese sehr theatralische Herangehensweise wirklich genossen.

Jordan: Bei den Perücken der Performer ließen wir uns vom Konzept der Regisseure und Isabelles Skizzen inspirieren. Dieses Mal sind die Frisuren absichtlich chaotisch! In dieser Gruppe spielen sie eine besonders wichtige Rolle, um die Geschichte zum Leben zu erwecken, und dazu gehören Perücken und Gesichtshaarteile wie Schnurrbärte und Spitzbärte, die so entworfen werden mussten, dass sie mehrmals täglich leicht an- und abgelegt werden können. Es ist besonders interessant und wirklich sehr lustig! Normalerweise wird jedes Detail einer Frisur im Voraus entschieden, bis zu einzelnen Haarsträhnen. Aber in dieser Gruppe haben wir Dinge, die völlig unstrukturiert sind. Wir konzentrieren uns auf das Gesamtergebnis. Die Technik spiegelt die Charaktere perfekt wider, mit einer verrückten Seite, die zu ihnen passt!

Disney Princess Cavalcade: Das Makeup wird digital entworfen

Julie: Beim Make-up ließ ich mich ebenfalls stark von den Kostümen inspirieren, die Isabelle entwarf. Alles beginnt mit dem Ziel, Harmonie vom Kopf bis zu den Füßen zu schaffen. Für die Schläger entschieden wir uns für einen Ansatz basierend auf Übertreibung und Karikatur, um die Identität jedes Charakters besser hervorzuheben. So arbeitete ich sehr eng mit den Regisseuren zusammen, um jedem Charakter einen spezifischen Look zu verleihen. Wir fügten Prothesennasen hinzu, um ihnen ein komisches, cartoon-artiges Aussehen zu geben.

Auch das Make-up hat einen Hauch von Magie. Der Großteil der Arbeit bestand darin, jeden Charakter unverwechselbar zu machen – besonders durch die Verwendung fröhlicher, lebhafter Farben – während wir sicherstellten, dass sie harmonisch mit der Hauptfigur verschmolzen, die in diesem Fall Rapunzel ist. Ich möchte auch dem Team danken, mit dem ich jeden Tag auf dem Gebiet der kreativen Kosmetologie arbeite. Es ist echte Teamarbeit: Wir arbeiten zusammen, um kreative Projekte voranzutreiben, teilen unsere Ideen und Fachkenntnisse, um unsere Shows hier bei Disneyland Paris zum Leben zu erwecken.

Wie gehen die Performer im Alltag mit den Perücken und dem Make-up um, die ihr entworfen habt?

Jordan: Das Haarstyling wird vollständig von unseren Schönheitspflege-Teams durchgeführt. In einigen Fällen kann ein Künstler die Perücke selbst anpassen und befestigen, aber dies erfolgt immer unter Aufsicht der Produktionsteams, um sicherzustellen, dass die Vision der Designer stets getreu umgesetzt wird.

Julie: Wir werden oft gefragt, ob die Künstler ihr Make-up selbst auftragen oder von uns auftragen lassen. Wir haben ein Team von Make-up-Künstlern, die immer zur Stelle sind. Ansonsten tragen die Performer ihr Make-up selbst auf. Die Probenphase für eine Show wie diese beinhaltet eine Schulungsphase, die mehrere Wochen oder sogar mehrere Monate dauern kann, je nach Projekt, um sicherzustellen, dass jeder Performer sein Make-up perfekt beherrscht. Wir stellen ihnen auch Schritt-für-Schritt-Anweisungen zur Verfügung, damit sie unabhängig arbeiten können, während unsere operativen Kosmetik-Teams jederzeit Unterstützung bieten, falls nötig.

Der funktionale Aspekt von Kostümen ist auch für den kreativen Prozess wesentlich

Isabelle: Zusammen mit meinem Team – das aus einer Kostümdesignerin und drei Assistentinnen besteht – konzentrieren wir uns besonders auf Ergonomie. Die Kleidung muss bequem sein und vollständige Bewegungsfreiheit ermöglichen. Daher arbeiten wir zusammen, um Stoffe zu wählen, die weich und im Sommer nicht zu warm sind, und die uns im Winter warmhalten, da eine Cavalcade zu allen Jahreszeiten stattfindet. Dann werden mehr Kleidungsschichten hinzugefügt, wenn die Temperatur sinkt. Wir haben auch einen Beschaffungsspezialisten, der große Textilmessen besucht und regelmäßig innovative Lösungen mitbringt, um unsere Performer besser zu schützen und zu unterstützen.

Und woher kommen die Textilien, die ihr verwendet?

Isabelle: Alles kommt aus Frankreich, aus Paris sowie aus den Provinzen. Die Textilien werden dann in unseren Werkstätten bestickt, fertiggestellt und bedruckt.

Kostüme, Make-up und Perücken verbinden Kreativität und technische Fähigkeiten, oder?

Isabelle: Es ist ein Privileg, sich in beiden Bereichen innerhalb unserer jeweiligen Fachkenntnisse ausdrücken zu können. Jedes Projekt ist eine Gelegenheit, neue Herausforderungen anzunehmen, und bei der „Disney Princess Cavalcade“ mangelte es nicht daran!

Vielen Dank, Isabelle, Julie und Jordan, dass ihr uns ein wenig hinter die Kulissen habt blicken lassen!