Einblick hinter die Kulissen von Halloween in Disneyland Paris

Disney’s Halloween Festival 2020: Szenografen Jérôme Picoche und Thomas Gallou im Interview

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Disneys-Halloween-Festival mit Blick zum Schloss
Blick zum Schloss während des Disneys-Halloween-Festivals 2020.

Dieses Jahr ist ganz besonders, auch für das Disneyland Paris. Corona-bedingt musste der Betrieb Ende Oktober erneut eingestellt werden. Entsprechend kurz ist das diesjährige Disney’s Halloween Festival ausgefallen. Die Szenografen Jérôme Picoche und Thomas Gallou verraten im Interview einige Geheimnisse ihrer Arbeit und sprechen über die Vorbereitungen.

Disney’s Halloween Spukgeschichten und Geister im Disneyland Park

Während des Disney’s Halloween Festivals verwandelt sich das Disneyland Paris zu einem besonderen Ort. Es verwandelt sich zu einem Spielplatz für Spukgeschichten und Geisterbegegnungen der besonderen Art. Eingebettet in fantastischen Dekorationen der Szenografen, entsteht so eine besondere Atmosphäre im ganzen Disneyland Park. Aber wie schaffen sie es, dass die Gäste jedes Jahr erneut in die Halloween-Party-Welt eintauchen können?

Welche Aufgaben hat ein Szenograf in Disneyland Paris?

Thomas Gallou zeichnet mit einem digitalen Stift auf dem PC
Thomas Gallou zeichnet seine Szenen oftmals mit Hilfe eines PCs.

Thomas Gallou: Ähnlich wie bei einem Theater- oder Filmdesigner ist es unsere Aufgabe Sets für Shows und Paraden in Disneyland Paris zu erstellen. Darüber hinaus spiegelt das Wort „Szenografie“ die Lehre bzw. Kunst der Inszenierung im Raum. Es ist buchstäblich „eine Szene schreiben“ damit gemeint.

Wir verlassen uns auf die Arbeit des Art-Direktors, um einen Raum zu schaffen, der das von ihm vorgestellte Konzept begleitet. Es gibt daher eine ganze Phase der Reflexion, um zu bestimmen wie die Erfahrung für die Besucher strukturiert werden soll. Es geht wirklich darum mit dem vorhandenen Raum umzugehen.

Jérôme Picoche zkizziert verschiedene Szenen für Halloween
Jérôme Picoche entwickelt seine Szenen gerne mit Stift und Papier.

Welche Bedeutung hat Halloween für Dich?

Jérôme Picoche: Halloween ist immer eine sehr trubelige Zeit und ich kenne sie sehr gut.
1997 startete das Festival und es ist nun meine 23. Ausgabe! Im Laufe der Zeit kann sich der Ansatz ändern, aber die Dekoration bleibt ein wesentlicher Bestandteil des Festivals. Jedes Jahr warten unsere Gäste auf die Rückkehr dieser besonderen Saison. Sie tauchen völlig in unsere Welten ein und entdecken die Neuheiten.

Es ist in der Tat eine Freude, die traditionellen Dekorationen in der Main Street U.S.A. und im Frontierland zu finden.

JP: Die Gäste tauchen ab dem Moment ihrer Ankunft in der Main Street U.S.A. in tauchen die Halloween-Atmosphäre ein. Wir verwandeln die Straße als ob Geister die Macht übernommen hätten. Dazu nutzen wir alle Arten von Charakteren sowie Blumen- und Pflanzenelementen, die mit dem Herbst verbunden sind. Die Dekoration erzählt eine ganz besondere Geschichte. Gepaart mit den viktorianisch inspirierten Kostümen unserer Geister passen sie perfekt in die Ästhetik des Ortes.

TG: Im Frontierland ist neben den Kürbisfiguren die mexikanische Atmosphäre besonders, die seit 2017 von dem Film Coco inspiriert wurde. Die Verantwortlichen der Saison wollten eine neue Geschichte hinzufügen. Ich erhielt die Erlaubnis ein neues Dekor zu entwickeln. Es wurde Teil des Halloween-Universums, während der Rest ein Teil von Frontierland ist.

Wir hatten bereits ein typisches Halloween-Gebiet in der Nähe von Phantom Manor. Wir wollten etwas anderes in einem Gebiet entwickeln, das bisher weniger genutzt wurde. Das mexikanische Thema des Fuente del Oro Restaurants entsprach genau dem des Films. Also hauchten wir dem Bereich den Geist mexikanischer Feiertage ein. Anschließend entwickelte ich aus der Geschichte, die ich mir vorgestellt hatte, ein ganzes Set. Dieses ermöglichte es mir alle Elemente miteinander zu verbinden.

Von dort kamen die „Alebrijes“, diese fantastischen Kreaturen, die für die mexikanische Folklore typisch sind. Ebenso diese Vogelscheuchen, die die Gasse säumen. Diese Arbeit wurde begleitet von einer Reflexion über die Art und Weise wie Frontierland gebaut wurde. Insbesondere in Bezug auf die verwendeten Materialien machten wir unsere Gedanken um unser Dekor so gut wie möglich zu integrieren. Daher kommt diese sehr handwerkliche Seite im Pappmaché-Stil.

Wie habt Ihr euch die „Alebrijes“ vorgestellt, viele von ihnen sind einzigartig in Disneyland Paris und nicht im Film zu sehen?

TG: Als wir beschlossen diese mexikanische Geschichte als Basis zu nehmen, war der Film noch nicht fertig. Wir waren uns nur des Themas bewusst. Wir haben mit Pixar zusammengearbeitet, damit unsere Geschichten zusammenpassen und trotzdem etwas Spielraum bleibt. Als der Film herauskam, kreuzten sich unsere Welten und wir stellten fest, dass unsere Forschung im Vorfeld in die gleiche Richtung gegangen war.

Von dort an haben wir uns mit Pixar abgesprochen um uns genauer an dem Film zu orientieren, einschließlich Dantes „Alebrije“ und der „Papel Picado“-Girlanden, die im Vorspann zu sehen sind.Insgesamt gab es in diesem Jahr mehr als üblich, insbesondere auf der Seite der Cottonwood Creek Ranch, die wir seit einiger Zeit nicht mehr nutzen konnten.

Diese außergewöhnliche Saison wird stellenweise mit sehr vielen Dekorationen begleitet.

JP: In der Tat, insgesamt gab es in diesem Jahr mehr als üblich, insbesondere auf der Seite der Cottonwood Creek Ranch, die wir einige Zeit lang nicht mehr nutzen konnten.

Wie haben sich die Dekorationen entwickelt, etwa im „Théâtre du Château“ mit Ursula?

JP: Alles begann letztes Jahr für die Show „Attention … Méchants!“. In der Szene war Ursula in ihrer Muschel gewidmet. Auf der anderen Seite war diese Szene für alle Arten von Schurken gedacht. Um den verstohlenen Auftritten von Ursula gerecht zu werden, ließ ich dieses Jahr die verschiedenen Dekorelemente in bläulichen Tönen aufbereiten (wie die Farbe von Brombeeren). Damit sollte eine Art Kreuzung zwischen der Wasserwelt und Halloweenwelt geschaffen werden.

Die böse Ursula auf der Halloween-Bühne vor dem Schloss
Ursula in der schaurig schönen Unterwasserwelt im „Théâtre du Château“

Der Boden wurde auch als Pflaster umgesetzt, was das „Théâtre du Château“ zu einer Art Terrasse für das Dornröschenschloss machte. Ergänzend dazu integrierten wir den LED-Bildschirm und animierten ihn als Zauberspiegel. Er ist das wesentliche Element in der Szenerie und verleiht der Dekoration mehr Leben und Präsenz.

Was kannst du uns über den „Meet Mickey Mouse Halloween Selfie Spot“ erzählen?

JP: Für das das Treffen von Mickey und seinen Freunden im Halloween-Outfit schufen wir einen besonderen Ort. Es entstand eine Mischung aus einer etwas nächtlichen, seltsamen Atmosphäre, aber mit fröhlichen Farben. Wir sind die Halloween-Party aus familienfreundlicher Sicht angegangen und im Hintergrund der Charaktere sind besondere Dekore zu finden.

Was habt ihr für den Selfie Spot im Studio Theatre mit Disney Bösewichten entworfen?

TG: Wer „Halloween“ in den Studios erwartet, denkt an „Disney Schurken“. Es war die perfekte Gelegenheit, sie hier wieder zu sehen. Am Anfang begannen wir mit der Idee eines Spiegels, wie der der bösen Königin in Schneewittchen und der sieben Zwerge. Wir arbeiteten an der düsteren und mysteriösen Seite ihrer Reflexionen.

Diese wurde mit einer fröhlichen Atmosphäre kombiniert, indem wir einige Popfarben hinzugefügt haben, die die festliche Seite von Halloween unterstrichen. Die Herausforderung bestand darin, grafische Elemente zu finden, die gleichzeitig für mehrere Bösewichte geeignet waren, ohne dass die Farben des einen oder anderen dominierten. Jeder von ihnen hat einen sehr starken Charakter. Es sollte keine Eifersucht erzeugen!

Thomas, bevor du beim Disneyland Paris angefangen bist, hast du verschiedenen Sets für Escape Rooms erschaffen. Wie hat dir deine Erfahrung geholfen eine solches Set für Halloween zu schaffen?  

TG: Das Prinzip eines Escape Games besteht darin, in ein unbekanntes Universum einzutauchen und durch das Lösen von Rätseln an einer Geschichte teilzunehmen. Es ist sehr nah an dem, was wir in Disneyland Paris machen. Wir haben alle Arten von Geschichten. Diese sind insbesondere von Disney-Filmen inspiriert. Aber wir übertragen auch eine neue Geschichte oder behandeln sie aus einem anderen Blickwinkel heraus.

Wir befinden uns in einem geschlossenen Ort, deshalb stehen uns alle von Techniken zur Verfügung, um in die Geschichten einzutauchen. Das „Studio Theatre“ ist eine hochmoderne Bühne. Sie bietet viele technische Werkzeuge um ein besonderes Erlebnis zu schaffen: Boden-, Seitenprojektionen sowie LED-Projektionsflächen.

Um den gesamten Hintergrund zum Leben zu erwecken ist viel Zusammenarbeit mit den Teams für Animation, Beleuchtung, Spezialeffekte und Musik erforderlich. Alles ist so gemacht, dass unsere Gäste in eine andere Welt eintauchen können.

Wie schafft Ihr es solche Sets wie diese zum Leben zu erwecken?

TG: Jedes Projekt ist anders und es gibt so unterschiedliche Methoden wie Persönlichkeiten, sowohl unter den Regisseuren als auch unter den Szenographen. Was sich jedoch nicht ändert, ist die Tatsache, dass wir alle zu einer starken Idee zusammenkommen. Es kann eine grafische Idee oder eine Inszenierungsidee sein: Musik, Licht oder was auch immer – alle anderen Elemente der Show werden sich darum drehen.

Unsere Aufgabe ist es, diese Idee aufzunehmen, räumlich zu interpretieren und umzusetzen. Während des Entwurfs können wir in verschiedene Richtungen gehen, aber alles konvergiert zum gleichen Ergebnis. Der Art-Director ist in gewisser Weise der Kapitän eines Schiffes und wir sind die Segel. Es ist echte Teamarbeit an denen Musiker, Lichtdesigner und technische Teams beteiligt sind.

JP: Wie Thomas sagt, beginnt alles mit einer starken Idee. Nimm beispielsweise den Drachen, der sich in „La Coeur du Château“ befindet. Dies ist eine rein dekorative Idee, die aus der Begegnung zwischen dem Universum von Fantasyland und dem Universum des Films hervorgegangen ist.

Es ist als ob die in der Geschichte von Dornröschen gefundenen Brombeeren in Form eines Drachens in den Hof eingedrungen wären. Diese Idee der Metamorphose steht im Mittelpunkt von Halloween in Disneyland Paris. Genauso wie sich die Kürbisse, die sich in Kürbismänner verwandeln. Oder auch der Spiegel des „Théâtre du Château“, der vor unseren Augen zum Leben erweckt wird.

Wie erweckst du diese Ideen zum Leben?

TG: Innerhalb des Szenografieteams hat jeder seine eigene Methode, die auf seinem Hintergrund und seinen persönlichen Stärken basiert. Ich habe eine Nerd-Seite aus meiner Videospielkultur, die mir bei der Umsetzung sehr behilflich ist. Ich recherchiere zuerst viel, skizziere mit einer Grafikpalette oder Collage. Es hängt alles von den Themen ab. Für Coco habe ich Farbskizzen auf großen Blättern gemacht. Ich kann manchmal 15 oder 20 Versuche unternehmen, bevor ich zu einer endgültigen Zeichnung komme.

JP: Eine gute Skizze kann einem alle benötigten Informationen und Emotionen geben. Dann gehe ich zum Modell über. Dies ist ein wesentlicher Schritt der aus der Welt des Theaters. Das für das „Théâtre du Château“, das ich letztes Jahr gemacht habe, war einfach aus Pappe. Es gibt viele technologische Fortschritte, die es uns ermöglichen eine Umgebung technisch zu modellieren. Doch trotz aller Technik ist die Idee die Grundlage der Umsetzung.

TG: 3-D ist auch nur ein Hilfsmittel – so wie Gouache, Aquarell oder Photoshop. Wir erstellen weiterhin Arbeitsmodelle sowie leere Modelle. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir diese mittels Federkamm und verschiedenen Pasten hergestellt. Heute können wie sie auch als Set-Modelle mit einem 3-D-Drucker erstellen.

Durch die Hand eines Modellbauers und dem 3-D-Drucker entsteht in beiden Fällen ein Modell. Das Finish ist unterschiedlich, aber das Ergebnis ist sehr ähnlich. Es hängt alles davon ab wonach man sucht. 3-D kann besonders für den Paraden-Verlauf interessant sein. Mit dieser Methode können alle technischen Abteilungen den gesamten Ablauf, einschließlich seiner internen Struktur, visualisieren.

Dies ermöglicht es also tatsächlich die Integration von Technologie in Betracht zu ziehen.

JP: Ja absolut, dies ist essenziell. Manchmal ist es nicht einfach die mechanischen Elemente in eine Umgebung zu integrieren. Das „Théâtre du Château“ verfügt über viele technische Elemente, darunter Seifenblasenmaschinen und viele Lichter. Dies ist jedoch kein geschlossenes Theater. Wir können es in einer 360-Grad-Perspektive sehen. Es ist daher notwendig Orte und Mittel zu finden diese Elemente so gut wie möglich zu tarnen.

Wie passen die saisonalen Dekorationen in die Ästhetik der verschiedenen Länder?

JP: In Disneyland Paris gibt es je nach Land unterschiedliche Umsetzungsgrade. Die Halloween-Dekoration ist ein wahres Symbol für diese Vielfalt an Stilen und Ansätzen. Es ist sehr interessant. Im Frontierland können wir etwas rau bleiben. Es ist die Welt der Cowboys, der Natur, des Holzes. Mit Kürbissen und anderen Elementen haben wir ein handwerkliches, sogar raues Aussehen.

Während in der Main Street U.S.A. oder im Fantasyland haben wir ein sehr fortgeschrittenes Finish, mit sehr aufwändigen Objekten. Die Kürbisse auf dem Central Plaza oder dem Town Square sind sehr speziell geschliffen und lackiert, um dem Geist des Ortes zu entsprechen.

Wo und wie werden diese dekorativen Elemente aufgebaut?

JP: In der Disneyland Paris Werkstatt für Dekorationen stellen wir Accessoires her oder modifizieren dekorative Elemente. Diese werden jedoch in externen Werkstätten hergestellt. Zu Halloween arbeiten wir viel mit französischen Unternehmen zusammen, aber auch mit Firmen in Holland, Deutschland sowie Italien.

Sobald die Sets erstellt und gespeichert sind müssen sie installiert werden. Wie läuft dieser entscheidende Schritt ab?

TG: Teil unserer Aufgabe ist es die Sets während des gesamten Installationszeitraums im Auge zu behalten. Besonders für Halloween und Weihnachten ist alles sehr knapp. Also müssen wir nachts arbeiten. Wir müssen sicherstellen, dass diese Sets korrekt installiert sind, da immer Anpassungen in letzter Minute vorgenommen werden.

Auch müssen wir überprüfen ob sie den Gastfluss, eine Warteschlange oder irgendetwas anderes nicht stören sowie bei Bedarf zu korrigieren. Unsere hauseigenen Dekorateure sind auch da um ein wenig Farbe auf einen Kratzer zu geben oder Reparaturen durchzuführen, wenn etwas beschädigt wurde. Die Installationen sind immer magische Momente, denn dann werden unsere Sets zum Leben erweckt!

Jérôme und Thomas, herzlichen Dank, dass Ihr uns einen Einblick in Eure Arbeit geben konntet.

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