Tuomas Holopainen im Interview zu „The Life and Times of Scrooge“

Cover Artwork zu The Life and TimesVor wenigen Tagen haben wir über das im April erscheinende Album „Music inspired by: The Life and Times of Scrooge“ von Tuomas Holopainen berichtet, das demnächst im Musikverlag von Nuclear Blast veröffentlich wird.
Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass wir Euch heute ein Interview mit Tuomas Holopainen präsentieren können, in dem Ihr mehr über das – unserer Meinung nach – wirklich großartige Projekt erfahrt.
In den nächsten Wochen werden wir noch ein bisschen mehr über das Werk veröffentlichen – lasst Euch überraschen. Vorab möchten wir uns noch bei Markus Wosgien, dem Head of Promotion, beim Label Nuclear Blast bedanken, der uns die Veröffentlichung des Interviews und die kleine Aktion zur Veröffentlichung des Albums, die wir in Kürze starten, ermöglicht hat – Ihr dürft gespannt sein!
Und nun zum Interview!

Das Interview mit Tuomas Holopainen

Der erste Kontakt mit Don Rosas „The Life and Times of Scrooge McDuck“

dein-dlrp: „Kannst Du Dich daran erinnern, wann Du das Buch „The Life and Times of Scrooge“ zum ersten Mal gelesen hast und wann es Dich auf die Idee zum Album gebracht hat?“

Tuomas: „Es muss kurz nach der Veröffentlichung gewesen sein, so 1996. Einige der Geschichten waren schon vorher im finnischen Aku Ankka (Donald Duck) Magazin veröffentlicht worden, aber wenn ich mich richtig erinnere, habe ich die Geschichten in chronologischer Reihenfolge zum ersten Mal 1996 gelesen.
Drei Jahre später, im Herbst 1999, hatte ich dann die eigentliche Idee, die Geschichte eines Tages sozusagen musikalisch zu malen.
Die erste Person, der ich davon erzählte, war Tony Kakko von Sonata Arctica, der genau wie ich ein großer Don Rosa Fan ist. Und er sagte, ja, das ist eine richtige coole Idee, und wenn Du das jemals machst, dann frag mich bitte, ob ich mitmache!
Und genau das ist jetzt geschehen.“

dein-dlrp: „Welche besondere Beziehung hast Du zu Don Rosas „The Life and Times of Scrooge McDuck“?“

Tuomas: „Ich bin mit den Disney Comics aufgewachsen, seit ich 2 Jahre alt war. Und auch die Disney Filme – die ganze Welt von Disney – war immer schon ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, vor allem Carl Barks.
Und dann kam Don Rosa und ich habe seine Geschichten zu Anfang der 90er kennengelernt und er hat mich einfach total umgehauen – vor allem natürlich dieses besondere Werk „The Life and Times of Scrooge McDuck“. Und seit dieser Zeit ist das meine liebste fiktionale Geschichte aller Zeiten. Es ist DAS Buch, das ich auf eine verlassene Insel mitnehmen würde.“

Von den Comics Rosas zur Musik Holopainens – der Entwicklungsprozess

dein-dlrp: „Wie hast Du dann die Verbindung zwischen den gezeichneten Geschichten und Deiner Musik hergestellt und die Idee zur CD entwickelt?“

Tuomas: „Das ist eigentlich ziemlich einfach. Immer wenn ich diese Geschichten gelesen habe, habe ich in meinem Kopf regelrecht Musik dazu gehört, ich hatte direkt verschiedene Melodien und Instrumente dazu im Kopf.
Auch das Buch selbst ist schon ziemlich filmisch.
Und da dachte ich, es sei eine coole Idee, all diese Musik, die dazu in meinem Kopf war, rauszulassen und einfach zu schauen, was passiert, wie es sich auf einer CD anhören würde. Außerdem hat mich natürlich die Idee gereizt, vielleicht der Erste zu sein, der einen Soundtrack zu einer Graphic Novel schreibt. Ich glaube, das hat vorher noch niemand getan.“

Tuomas Holopainen mit Don Rosa vor dem noch nicht colorierten Artwork

dein-dlrp: „Und die Musik hast Du dann so aufgeschrieben, wie sie in Deinem Kopf war? Oder gab es da noch einen Entwicklungsprozess?“

Tuomas: „Es findet schon ein leichter Entwicklungsprozess statt, während man die Musik niederschreibt. Die ursprüngliche Idee war es eigentlich, das Album rein instrumental zu belassen und die Geschichten nur atmosphärisch zu untermalen, etwas anders als es beim jetzigen Ergebnis nun der Fall ist. Aber dann kam während des Komponierens ein Punkt, an dem mir die Idee kam, dass es besser sei, ein paar Liedtexte, ein paar menschliche Stimmen, sogar ein paar Chor-Elemente hinzuzufügen, wie bei einem traditionelleren Lied-Aufbau, um das ganze Album für die Hörer zugänglicher und interessanter zu machen.
Das war als wir gerade bei der Nightwish-Tour eine Pause hatten und ich für 4-5 Monate zu Hause war; zwischen der Tour durch Australien und den Sommer-Festivals. In dieser Zeit habe ich die meisten Songs komponiert und auch die Texte geschrieben.“

Die Vielfalt der Musik

dein-dlrp: „Die Musik des Albums ist unheimlich vielfältig, mit so viel verschiedenen Musikstilen – wie kam es zu einem solch abwechslungsreichen Werk unter Einbindung vieler althergebrachter Klänge ethnischer Musik?“

Tuomas: „Diese Idee, mit vielen Stilen zu arbeiten, hat mich von Anfang an fasziniert. Wenn Du das Buch liest, dann siehst Du, dass Scrooge darin fast zweimal um die ganze Welt reist. Er erlebt seine Abenteuer in ganz unterschiedlichen Gebieten: von den schottischen Highlands über den Wilden Westen bis nach Australien und Afrika.
Daraus ergab sich ein riesiges Potenzial, verschiedene ehtnische Musikstile, Klänge, Instrumente zu verwenden. Das hat mir wirklich Spaß gemacht.
Da gibt es ein Didgeridoo in einem der Lieder, schottische Instrumente, wie den Dudelsack in einem anderen, den an Ennio Morricone angelehnten Wild-West-Stil im zweiten Stück, „Into the West“. Das war eine wirklich faszinierende Achterbahn-Fahrt um die ganze Welt und hat mir unheimlich viel Spaß gemacht.“

dein-dlrp: „Du wurdest bei den Aufnahmen vom London Philharmonic Orchestra und den Metro Voices, Größen in der Welt der klassischen Musik und der Filmusik, begleitet, die von Pip Williams arrangiert und dirigiert wurden.
Wie reagierte der auf Deine Idee?“

Tuomas: „Er war eigentlich von Anfang an mit vollem Enthusiasmus bei der Sache – aber er selbst hatte das Buch vorher noch nicht gelesen. Deshalb war natürlich das erste, was ich getan habe, ihm das Buch zu schicken, damit er es lesen und mir danach seine Meinung dazu sagen konnte. Er hat es gelesen und hat sofort verstanden, was mein Ziel war und war von Anfang an davon begeistert.
Ich meine, eigentlich reden wir hier über ein Projekt, das für Leute, die das Buch nicht kennen, die Don Rosa nicht kennen, unbedeutend erscheint, für die mag es schon weit hergeholt – man könnte schon fast sagen – naiv klingen, eine Graphic Novel zu vertonen.
Aber das wurde auch über den Herrn der Ringe gesagt, der eigentlich ursprünglich als Kindergeschichte entstanden ist, ein Buch, das die Leute heute aber sicher nicht mehr als solches sehen. Man sollte seine Vorurteile einmal bei Seite lassen und der Sache eine Chance geben.“

Don Rosa und die Vertonung seines Werkes

dein-dlrp: „Don Rosa selbst hat das Cover für das Album gezeichnet und auch im Video zur Single „A Lifetime of Adventure“ mitgespielt. Wie konntest Du ihn für die Idee begeistern?“

Tuomas: „Es war 2010, als ich zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, ihn zu treffen. Er war gerade in Finnland unterwegs, um eines seiner Bücher zu vermarkten. Am Rande einer Pressekonferenz konnte ich ungefähr 5 Minuten mit ihm sprechen.
Ich habe ihm von meiner Idee erzählt und er hat mir sehr höflich zugehört und ich habe ihm eine CD von Nightwish gegeben – und das war es eigentlich auch schon. Ich glaube nicht, dass er das damals schon wirklich ernst genommen hat – und das kann ich ihm sicherlich auch nicht vorwerfen.
Zwei Jahre später habe ich ihm eine email geschrieben und ihm erzählt, dass ich das Projekt wirklich umsetzen werde, dass ich die Studios für die Aufnahmen bereits reserviert hatte, ein paar der Songs schon fertig waren und ihm gesagt, dass ich es großartig fände, wenn er das Cover Artwork für die CD zeichnen würde.
Er antwortete mir, dass er es gerne versuchen könne, aber schon seit 2006 nichts richtiges mehr gezeichnet habe und fragte mich, ob ich sicher sei, dass wirklich er das machen sollte.
Und natürlich war ich das – denn das ganze Projekt rief nach seinem Namen.
Und er zeichnete dann das schönste vorstellbare Bild für das Cover und gab mir sogar einige seiner ursprünglichen Vorzeichnungen für die Geschichten für das Layout der CD und das Musikvideo, die noch niemand zuvor gesehen hatte, wodurch ich mich wirklich geehrt gefühlt habe.
Und dann kam er sogar noch nach Finnland geflogen, um im Musikvideo zu „A Lifetime of Adventures“ mitzuspielen. Und, wow, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie ich mich in diesem Moment als Fan-Boy gefühlt habe.
Auch heute sind wir noch in Kontakt, wir schreiben uns hin und wieder emails und im April kommt er zur Veröffentlichungs-Party für des Albums nach Helsinki. Er gibt dabei auch eine Autogrammstunde und natürlich wollen wir auch die Veröffentlichung des Albums gemeinsam feiern.“

Don Rosa und Tuomas

dein-dlrp: „Am Anfang des Interviews hast Du gesagt, dass Tony Kakko der Erste war, mit dem Du über Deine Idee gesprochen hast – und jetzt war er auch wirklich am Album beteiligt.
Welche Rolle hat er am Ende übernommen?
Und wie kamst Du auf die anderen Musiker, die am Album mitgewirkt haben?“

Tuomas: „Er hat keine Figur übernommen, sondern fungiert als Erzähler in einem der Songs, der den Titel „Cold Heart of the Klondike“ trägt.
Die anderen drei Sänger singen Rollen.
Alan Reid singt Scrooge, Johanna Kurkela singt „Glittering“ Goldie o’Gilt und Johanna Iivanainen hat die Rollen von Scrooges Mutter und Schwester übernommen.
Tony könnte man als den Geschichtenerzähler aus dem Off sehen.
Die meisten der Beteiligten gehören einfach zu meinen besten Freunden – und das war fast schon der Auswahlprozess. Ich habe dieses Album einfach mit einigen meiner besten Freunde zusammen gemacht – das war quasi die Philosophie bei der Auswahl der Musiker.
Pip Williams, Troy Donockley, die beiden Johannas, Mikko, der Gitarre und Banjo spielt, die gehören einfach zu meinen engsten Freunden und ich fand, es sei eine tolle Idee, sie alle zusammenzubringen und das Projekt gemeinsam zu verwirklichen. Das ist etwas, was ich jederzeit liebend gerne wieder machen würde.“

Die Single: A Lifetime of Adventures

dein-dlrp: „Warum hast Du „A Lifetime of Adventure“ als Single-Auskopplung ausgewählt?“

Tuomas: „Der Song ist eigentlich der einzige Song des Albums mit einem klassischen Liedaufbau und einer Struktur, die sich dafür eignet. Eigentlich kann man keinen anderen der Songs einfach so als Single veröffentlichen.
Es gibt überhaupt nur drei Songs, die einen Refrain haben und von denen hat dieser als einziger einen klaren Anfang und ein klares Ende, deutliche erkennbare Strophen. So war dieser Song eigentlich die einzige und offensichtliche Wahl für eine Single.“

Hier könnt Ihr „The Life and Times of Scrooge“ von Tuomas Holopainen in verschiedenen Versionen kaufen

Copyright der Bilder: Don Rosa / Tuomas Holopainen / Nuclear Blast

Kommentar zu „Tuomas Holopainen im Interview zu „The Life and Times of Scrooge““

  1. Moritz sagt:

    Sehr interessantes Interview, vielen Dank dafür!

Kommentare sind geschlossen.

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