„Onkel Dagobert – sein Leben, seine Milliarden“ – Vergleich zwischen Graphic Novel und Soundtrack – Teil 3

Wir bringen heute unseren Artikel zum Vergleich von Don Rosas Epos „Onkel Dagobert – sein Leben, seine Milliarden“ mit Tuomas Holopaines Album „The Life and Times of Scrooge“ zum Abschluss.
Hier findet Ihr Teil 1 und hier Teil 2.

Heute beginnen wir mit „To be Rich“ – einem Lied, das sich mit Dagoberts skrupelloser Phase beschäftigt.

Von „To be Rich“ bis „A Lifetime of Adventures“

To be Rich

To be Rich / Der Geschäftsmann ohne Gewissen
„To be Rich“ zeichnet den schon zu Beginn von „Goodbye Papa“ dargestellten Weg Dagoberts weiter – und greift dabei auf dasselbe Mittel zurück wie Don Rosa in „Der Geschäftsmann ohne Gewissen“. Die langen Jahre, in denen Dagobert seinen Reichtum ausgebaut hat, werden kurz zusammengefasst. Sie werden nicht detaillierter beschrieben.
Dagobert ist den Weg von Gut zu Böse gegangen, so wie auch Don Rosa es beschreibt. Die beiden Johannas singen „Silent years, the cold heart haunting still“ in Rückgriff auf „The Last Sled“, nun ist es aber nur noch der Reichtum, der Dagobert antreibt, selbst wenn er noch viele Abenteuer erlebt, tut er das immer skrupelloser, und es treibt ihn nicht mehr die Suche nach Gold und die damit verbundenen Abenteuer an, sondern lediglich das Streben nach Reichtum, ein Streben, das sein Herz hat erkalten lassen.
Aber das ist dann doch nicht alles, wie uns der Text sagt – die Gier ist nicht alles, was Dagobert hat traurig werden lassen. Es ist auch der Verlust von Nelly, der Dagobert verhärmt hat, der ihm schlaflose Nächte bereitet, wenn er den Mond betrachtet und darin ein Bild ihres Gesichtes zu erkennen glaubt. Genau so, wie es sich Tuomas Holopainen für die Darstellung des Mondes auf dem Cover von Don Rosa gewünscht hat.

Das findet sich in der Geschichte „Der Geschäftsmann ohne Gewissen“ nicht wieder, aber es passt. Und es wird musikalisch perfekt umgesetzt und untermalt.
Aber dann, ab dem zweiten Drittel des Stückes, kommen wieder hellere, fröhlichere Töne auf, die den echten Dagobert zeigen, so wie sie sich auch im dazugehörigen Comic immer wieder finden.
Es sind nur kurze Momente, in denen sich Dagobert an seine Ursprünge erinnert, verkörpert von den Geistern seiner eigenen Vergangenheit oder dem seines Vaters oder wenn er, wie kurz vor Ende des Comics, sich selbst an seine Erlebnisse erinnert, an Momente, in denen er nicht reich, sondern glücklich war.
To be Rich / Der Geschäftsmann ohne Gewissen 2
Aber leider hält das nicht lange an – und am Ende ist Dagobert wieder so auf seinen Reichtum fokussiert, dass er sogar seine Schwestern aus dem Geldspeicher treibt – und sich selbst damit in eine viele Jahre dauernde Isolation.
To be Rich / Der Geschäftsmann ohne Gewissen 3
Das Stück von Holopainen endet aber etwas hoffnungsvoller, mit einem leisen, nur ganz kurzen, weihnachtlichen Schellenklang. Einem Vorgriff auf das wohl berühmteste Weihnachtsfest, das es in der Geschichte der Ducks jemals geben sollte – aber erst viele, viele Jahre später.

A Lifetime of Adventures

A Lifetime of Adventures / Der reichste Mann der Welt / Der Einsiedler der Villa Duck
„A Lifetime of Adventures“ ist die Single-Auskopplung aus dem Album.
Obwohl in der Geschichte viele Jahre vergangen sind, beginnt das Stück genau so, wie „To be Rich“ geendet hat, mit Schellenklang und darauf folgt ein von Johanna Kurkela gesungenes „To be Rich“ – man könnte fast meinen, das Lied setze auch inhaltlich seinen Vorgänger fort – aber es wendet sich in eine ganz andere Richtung.
Ähnlich wie in Don Rosas Geschichte „Der reichste Mann der Welt“ / „Der Einsiedler der Villa Duck“, wo zunächst nur Dagoberts materieller Reichtum zu sehen ist, aber dann schon wenige Panels später ein leises „Nelly“ zeigt, dass es Dagobert bei allem Reichtum an Geld vor allem auch Erinnerungen geht, die er geschaffen hat.
Und das zeigt sich auch im Liedtext. „To be rich“ geht es weiter „is to still remember, to treasure your first dime […] to be rich is to seek […] to relive the memories“
Damit sind wir eigentlich schon beim letzten Panel der Geschichte Don Rosas angekommen – im Lied spielt der Zwischenteil rund um die Panzerknacker keinerlei Rolle – so wie diese eigentlich auch in Rosas Geschichte nur ein Mittel zum Zweck sind.
Das Ziel ist das letzte Panel, in dem Dagobert, nachdem er mit Hilfe der Großneffen erkannt hat: “Meine größten Abenteuer liegen noch in der Zukunft“, im Geld seines Speichers liegt und man sieht, dass es ihm nicht um die Münzen im Sinne ihres materiellen Wertes geht, sondern um die Erinnerungen, die er zu jeder Einzelnen hat und die Geschichten, die er zu jeder Einzelnen zu erzählen weiß – aus seinen „Leben voller Abenteuer“.
Genau das wird im Lied auf den Punkt gebracht und dabei der Ton Rosas perfekt getroffen.
Die abschließende Kraft des Liedes, die unter anderem aus dem deutlichen Einsatz einer E-Gitarre resultiert, zeigt die in Dagobert wieder erwachende Kraft, die ihn zu vielen weiteren Abenteuern führte.
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Das Musikvideo zu „A Lifetime of Adventures“

Go Slowly now, Sands of Time

Zu „Go Slowly now, Sands of Time“ gibt es bei Don Rosa keine Entsprechung, es gibt keine Geschichte, in der Dagobert stirbt, aber Don Rosa sagt auch nicht, dass Dagobert ewig lebt, seinem Duck-Universum nach ist Dagobert 1967 im stolzen Alter von 100 Jahren verstorben, wie auf der in Teil 2 gezeigten Zeichnung zu erkennen.
Die Geschichte dieses Momentes erzählt Tuomas Holopainen in diesem Lied.
Gesungen wird es wieder von Alan Reid – mit einer deutlich gealtert klingenden Stimme – es ist aber vom vermittelten Gefühlt her gar nicht Alan Reid, der da singt, es ist Dagobert selbst, auf seinem Sterbebett.
Das Lied ist ruhig und getragen, erinnert ein bisschen an das Abschiedslied „Hurt“ von Johnny Cash, es klingt etwas nach Country, aber vielmehr noch nach schottischem und irischem Folk.
Beim Text greift Tuomas Holopainen dabei auf die Worte eines der berühmtesten Schotten – nach Dagobert Duck natürlich – zurück, auf Robert Louis Stevenson und sein Gedicht „Requiem“ von 1887:

„Home is the sailor, home from the sea,
And the hunter home from the hill.“

Ein Motiv, das auch vom englischen Dichter A.E. Housman wenige Jahre später aufgegriffen wurde.
Aber Dagobert ist eigentlich noch nicht so weit zu gehen, er klagt und bittet:

go-slowly-now-sands-of-time 
 
 
 
 
 
 
 
„Go Slowly now, sands of time
still have a memory to make
Dancing to Auld lang syne
thinking of the heaven of home“

Neben dem ergreifenden Gesang von Alan Reid wird das Lied vor allem durch die akustische Gitarre getragen, die von Mikko Iivanainen gespielt wird.
Erst in der zweiten Hälfte stimmen Dudelsack und Flöten ein, am Ende wird die Stimme durch eine Sängerin der Metro Voices unterstützt, die das Lied zusammen mit Alan Reid ausklingen lässt.
Beim Zuhörer bleibt Gänsehaut zurück.

„The Life and Times of Scrooge“ – in der Interpretation Holopainens

Ich empfinde „The Life and Times of Scrooge“ als ein grandioses Werk.
Besser hätte man den Epos von Don Rosa nicht untermalen können.
Jeder Ton trifft die Geschichten – vor allem aber trifft jeder Ton die Stimmung und das Wesen Dagoberts. Die Instrumente sind perfekt eingesetzt, sehr abwechslungsreich und vielfältig, immer zum Thema des Stückes passend ausgewählt. Die Stimmen sind großartig und tragen deutlich zu sich an vielen Stellen einstellenden Gänsehaut bei.
Auch der Wechsel zwischen pompösen, orchestralen Elementen und ruhigen Momenten ist perfekt gelungen, nimmt den Zuhörer gefangen in der Welt von Dagobert, Don Rosa und Tuomas.
Selbstverständlich ist die Musik Geschmackssache – und so hat vielleicht jeder Leser selbst eine andere Musik im Kopf, wenn er die Geschichten liest, darauf werden wir im bald folgenden letzten Teil unserer kleinen Serie zurückkommen – aber die Stile auf dem Album sind so vielfältig, dass sicherlich für jeden, nicht nur für Fans von Nightwish, etwas dabei sein sollte.
Man merkt dem Werk an, dass Holopainen selbst ein riesiger Fan, nicht nur Don Rosas, sondern auch Dagoberts ist, so gefühlvoll und treffsicher bringt er jede Facette des reichsten Mannes der Welt mit seiner Musik heraus.

Kauftipp oder nicht?

Für jeden Don-Rosa- und Dagobert-Duck-Fan ist die Musik ein Pflichtkauf.
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, die Musik zusammen mit den Geschichten zu genießen – das sich ergebende Gesamtbild ist nochmal um ein vielfaches beeindruckender, als das Hören oder Lesen alleine. Und hört die Musik mehrfach – es ist eine komplexe Komposition, die bei jedem Hören neue Überraschungen bringt und immer wieder neue Details zu bieten hat, ganz im Stile von Don Rosa, der wie kein anderer Duck-Zeichner seine Geschichten mit vielen grafischen und inhaltlichen Elementen gespickt hat, die sich erst beim mehrmaligen Lesen erschließen.

Hier könnt Ihr „The Life and Times of Scrooge“ von Tuomas Holopainen in verschiedenen Versionen kaufen

Copyright der Bilder: Disney / Don Rosa / Egmont Ehapa

Kommentar zu „„Onkel Dagobert – sein Leben, seine Milliarden“ – Vergleich zwischen Graphic Novel und Soundtrack – Teil 3“

  1. Kuotient sagt:

    Eine sehr schöne und detaillierte Gegenüberstellung und Interpretation der beiden Werke. Doch trotz aller Begeisterung über Ihre genaue Kenntnis des Comics und des Soundtracks muss ich leider an einer Stelle etwas herummäkeln 😉

    In Teil 2 wird gesagt, Nelly sei nicht der Mittelpunkt des Stückes „Cold Heart of the Klondike“. Dem würde ich persönlich insoweit zustimmen, dass das Lied nicht einen, sondern zwei Mittelpunkte besitzt: Dagobert und Nelly. Insbesondere die Zeile „Nothing but two cold Klondike hearts“ im Refrain sollte hierauf ein Indiz sein.

    Der Song selbst bezieht sich nämlich nicht ausschließlich auf „Der Einsiedler am White Agony Creek“, sondern auf Don Rosas gesamte Yukon-Trilogie, zusätzlich bestehend aus den Geschichten „Die Gefangene am White Agony Creek“ und „Die zwei Herzen des Yukon“, welche als Hauptthema die Beziehung zwischen Dagobert und Nelly beschreiben. Beachtet man im Liedtext nämlich die Zeilen „Those precious thirty days“ und „A letter in the snow“ und vergleicht diese mit den oben erwähnten Geschichten, so ist es ersichtlich, dass Tuomas Holopainen sich beim Verfassen des Textes chronologisch an der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den zwei Herzen des Yukons orientiert hat und somit eine ähnliche Kernaussage verfolgt wie Don Rosa mit den Kapiteln 8, 8B und 8C von „Sein Leben, seine Milliarden“.

    So, hiermit wäre mein Senf dazugegeben. Ich möchte zum Schluss noch einmal betonen, wie gut mir dieser dreiteilige Vergleich gefallen hat und mich dazu animiert hat, genauer auf die Parallelen zwischen der musikalischen Gestaltung der Stücke und der Erzählstruktur der Geschichten zu achten.

    Viele Grüße, Kuotient

Kommentare sind geschlossen.

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