Catherine Powell ersetzt Tom Wolber als Präsident der Euro Disney S.A.S.

Catherine Powell - neue Präsidentin der Euro Disney S.A.S. und CEO der Euro Disney SCA. Die Euro Disney SCA hat heute einen Wechsel in der Führung des Konzerns rund um das Disneyland Paris bekannt gegeben.
Karl Holz äußerte zur Ernennung von Catherine Powell:

We are thrilled to welcome Catherine to Disneyland Paris. Catherine has held a variety of senior leadership roles throughout the world for Disney, including in Australia and Europe, and has proven to be an exceptional leader who has the versatility and experience needed to lead the continued success of Disneyland Paris.

Zum 1. Juli 2016 wird Catherine Powell, eine bei Disney in allen Segmenten, außer dem Bereich Parks & Resorts, sehr erfahrene Führungsperson, Tom Wolber ersetzen, der zu Disney Cruise Line in die USA zurückkehrt. Catherine Powell wird zur neuen Präsidentin der Euro Disney S.A.S., der Verwaltungs- und Holding-Gesellschaft, die die Geschäfte der Euro Disney SCA und ihrer Schwesterunternehmen führt und quasi die Klammer um den ganzen Konzern darstellt (siehe die folgende Grafik zur Konzernstruktur rund um die Euro Disney SCA).

Struktur der Euro Disney SCA, Stand April 2016

Wer ist Catherine Powell?

Elite-Schule Downe House und Studium in Oxford

Catherine Powell stammt aus Großbritannien und ihre steile Karriere zeichnete sich schon sehr früh ab. Bis 1986 besuchte sie eine traditionelle Elite-Schule für Mädchen, die Downe House School in Cold Ash, Berkshire.
Danach studierte sie in Oxford, wo sie 1989 mit einem Master of Arts in Philosophie, Politikwissenschaft und Wirtschaft ihren Abschluss machte.
Schon früh konnte sie in Führungspositionen aufsteigen, zunächst bei der BBC und dann später bei Disney.

Karriere bei Disney und der BBC

Bei der BBC war sie unter anderem in Führungsrollen für die Regionen Großbritannien, Europa generell und den Mittleren Osten tätig und arbeitete sowohl in den Bereichen strategischer Unternehmensplanung, Verkauf und Marketing, als auch im Bereich der (TV-)Produktion. Dabei wirkte sie vielfach an der Entwicklung neuer Marken und Produkte der BBC mit, quer über alle Geschäftsfelder, vom klassischen Fernsehen bis zu innovationen Interaktionskonzepten.
Im Juni 2004 wechselte sie zu Disney und eignete sich auch dort eine Expertise in einem breiten Feld von Geschäftsbereichen an. Sie sammelte in ihrer bisherigen Zeit bei Disney eigentlich Erfahrungen in allen großen Unternehmensfeldern und zeigte sich immer wieder sehr offen für Innovationen, wurde aber auch selbst innovativ tätig, so zum Beispiel im Bereich digitaler Medien und vielen anderen zukunftsträchtigen Segmenten.
Im Juni 2014, genau 10 Jahre nach ihrem Einstieg bei der The Walt Disney Company, wurde sie zum leitenden Direktor für den Bereich Australien und Neuseeland in der Walt Disney Company berufen und verantwortete von diesem Zeitpunkt an die kompletten Geschäftsbereiche der The Walt Disney Company für diese Region.
Neben ihrer breitgefächerten Berufserfahrung in einem vielfältigen Aufgabenfeld bringt Catherine Powell umfassende Kentnisse der europäischen Märkte mit sich.
Catherine Powell spricht neben ihrer Muttersprache Englisch auch fließend Deutsch und Französisch.

Warum verlässt Tom Wolber das Disneyland Paris nach so kurzer Zeit?

Direkt am heutigen Tag reagierten viele enttäuscht auf das Ausscheiden von Tom Wolber und seine Rückkehr in die USA. Außerdem gab es Stimmen, die davon ausgingen, dass man mit der Arbeit von Tom Wolber nicht zufrieden gewesen sei.
Von offizieller Seite heißt es dazu von Karl Holz:

Tom’s knowledge of shipbuilding is unparalleled, as he previously oversaw a number of complex expansion projects including the successful launches of the Disney cruise ships the Disney Wonder, Disney Dream and Disney Fantasy. We are grateful for his many contributions in Paris and are anxious to have him back at the Cruise Line to oversee our latest expansion.

Die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Euro Disney SCA, Virginie Calmels äußerte sich zum Abschied Wolbers so:

On behalf of my fellow Supervisory Board members, I would like to thank Tom for his thoughtful leadership of Euro Disney and his dedication to the resort, its Cast Members and all of the Guests who have visited Disneyland Paris.

Diese Aussagen scheinen sehr treffend zu sein. Tom Wolber kehrt zur Disney Cruise Line zurück, wo er früher schon sehr erfolgreich für die Erweiterung um die Schiffe Disney Wonder, Disney Dream und Disney Fantasy verantworlich war und wo weitere Expansionen anstehen.

Meine Sicht der Dinge

Ist Tom Wolber gescheitert?

Dass Tom Wolber in die USA zurückkehrt ist meiner Meinung nach kein Zeichen dafür, dass er schlecht gearbeitet hätte oder man mit seiner Arbeit für das Disneyland Paris nicht zufrieden gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Meiner Meinung nach kann man davon ausgehen, dass er seine Arbeit und seine Mission im Disneyland Paris schlicht und einfach hervorragend erfüllt hat und es genau das war, was er tun sollte. Er kam als Feuerwehrmann nach Paris und war in der Lage viele dort schwelende Probleme zu lösen und das Resort auf einen Sanierungskurs zu bringen. Diese Aufgabe ist nun gelöst und jemand anderes kann die Führung übernehmen.
So gesehen ist dieser Wechsel absolut nachvollziehbar und öffnet dem Disneyland Paris viele neue Chancen und der Wechsel ist keinesfalls ein Zeichen dafür, dass beim Disneyland Paris vieles im Argen liegen würde, sondern wenn es darum gehen soll, dass irgendwo etwas im Argen liegt, dann spricht der überraschende Wechsel an der Spitze eher dafür, dass bei Disney Cruise Line Probleme behoben werden müssen, für die Tom Wolber als ausgewiesener Problemlöser perfekt geeignet zu sein scheint.
Das Disneyland Paris hat Tom Wolber sehr viel zu verdanken. Er hat einen nie dagewesenen Sanierungskurs eingeleitet, der sich hoffentlich als nachhaltig erweisen wird.

Neue Impulse durch Catherine Powell

Mit Catherine Powell kommt nun eine neue Führungskraft ins Disneyland Paris, deren Kompetenzen in anderen Feldern liegen – sie hat sich als eine hervorragende Kraft im Bereich Marketing und
Verkauf erwiesen, die außerdem sehr innovationsfreudig ist.
Das sind genau die Kompetenzen, die dem Disneyland Paris nach der Durchführung des Sanierungskonzeptes weiterhelfen können, denn nach der Sanierung muss der nächste Schritt nun sein, dass Disney sein Produkt über die Grenzen Frankreichs hinaus in ganz Europa wieder besser verkauft – eine Aufgabe, für die Catherine Powell auf Grund ihrer Erfahrung bestens geeignet zu sein scheint.
Der Wechsel an sich scheint also absolut logisch nachvollziehbar. Was in meinen Augen allerdings falsch ist, ist der Zeitpunkt zu dem er verkündet wurde und zu dem er vollzogen wird.
Innerhalb der The Walt Disney Company mag der Zeitpunkt perfekt sein, Wolber wird bei Cruise Line offensichtlich dringend gebraucht, seine Arbeit in Paris ist abgeschlossen, nun braucht es neue Fähigkeiten um die nächsten Schritte anzugehen.

Mission Accomplished – oder doch nicht?

Aber nach außen sieht das anders aus. Tom Wolbers Arbeit ist abgeschlossen? Aber das Disneyland Paris steckt doch noch mitten in der Sanierung! Wie kann Wolbers Mission da beendet sein? Diese Sichtweise klingt zunächst durchaus nachvollziehbar. Aber bei genauerer Betrachtung stellt sich die Frage, was Wolber bezüglich der Sanierung noch machen soll? Der Zeitplan steht, die Arbeiten laufen (weitestgehend) planmäßig und folgen seinem Konzept. Da ein CEO nicht selbst an den Arbeiten beteiligt ist, würde für ihn nun nicht mehr viel mehr bleiben, als abzuwarten, denn die nächsten Schritt erfordern offensichtlich ein neues Konzept, das besser von jemandem aus einem anderen Bereich aufgestellt wird.

Richtige Personalwahl aber falscher Zeitpunkt?

Wenn all dem so ist, warum halte ich den Zeitpunkt dennoch für ungeeignet?
Wie geschrieben, intern ist das logisch nachvollziehbar. Nach außen hin ist es allerdings schwer darstellbar. Es erscheint in der Tat nun so, als sei Wolber abberufen worden, weil er schlecht gearbeitet habe, es erscheint nach außen hin alles etwas chaotisch. Diese Außenwirkung kann sich für ein wirtschaftlich so fragiles Resort wie das Disneyland Paris als sehr nachteilig herausstellen, auch wenn sie substantiell unbegründet ist.
Ein ähnliches Risiko besteht in dem Zeitpunkt, zu dem Catherine Powell ihre neue Position antritt – dem 1. Juli 2016. Was das Disneyland Paris braucht, mehr noch, als direkte Änderungen ist zu allererst ein optimistischer Ausblick in die Zukunft.
Aber wie kann Catherine Powell diesen mit sich bringen? Sie hat keine optimistische Botschaft, die sie mit ihrem Amtsantritt verknüpfen kann, es ist ihr absolut unmöglich, große neue Dinge, die optimistisch in die Zukunft blicken lassen würden, anzukündigen. Zu ihrem Antritt am 1.7.2016 verbieten sich solche Ankündigungen gänzlich, denn jede große Ankündigung für die Zukunft, für 2018, 2019, 2020 würden dazu führen, dass viele potentielle Gäste ihre Planungen zu einem Besuch des Disneyland Paris im Geburtstagsjahr 2017 aufschieben würden – und das ist etwas, das sich das Disneyland Paris nicht erlauben kann. Das Jahr 2017 muss ein Erfolg werden, sonst droht ein PR-Super-Gau in der europäischen Presse, der dem Resort massiv schaden könnte.
Deshalb wäre meiner Meinung nach eine Ankündigung und ein Amtsantritt genau 1 Jahr später ideal gewesen.

Schauen wir einfach mal, was dann möglich gewesen wäre: Tom Wolber hätte mit einem großen „Mission erfüllt“ am 12.4.2017 seinen Abschied erklären können, dann wenn die Erfüllung seiner Mission nicht nur intern deutlich geworden wäre, sondern auch nach außen hin sichtbar. Das wäre eine starke Aussage zum 25. Geburtstag gewesen: Wir haben das Resort zu diesem Zeitpunkt wieder in die Spur gebracht, auf zu neuen Ufern, neuen Zielen, neuen Visionen.
Am 1.7.2017 wiederum hätte Catherine Powell dann ihre Mission mit einer großen Ankündigung starten können, ihren Antritt mit der Botschaft für eine positive Zukunft des Resorts verknüpfen können, denn dann hätte keine Gefahr für negative Auswirkungen auf das Geburtstagsjahr mehr bestanden, denn zu diesem Zeitpunkt sind die Buchungen für dieses Jahr in der Regel maßgeblich abgeschlossen. Eine neue Ära hätte mit einem WOW-Effekt eingeleitet werden können.
Ein weiterer Vorteil wäre es gewesen, dass Catherine Powell die Möglichkeit gehabt hätte, vor ihrem Antritt auf ihrer neuen Position Expertise in dem einzigen Feld zu sammeln, das ihr aus den großen Feldern bei Disney noch fehlt: Parks & Resorts. Sie hätte jetzt zum 1.7.2016 Wolbers Nr. 2 werden können und ihn dann genau ein Jahr später beerben können – das hätte die Kritik daran, dass ihr genau in dem Feld, das sie nun verantworten soll, die Erfahrung fehlt, sofort verstummen lassen.

Nun ist es aber so gekommen – falsch war die Entscheidung sicherlich nicht, nur eventuell schlecht terminiert. Grundsätzlich lässt die Ernennung von Catherine Powell optimistisch in die Zukunft blicken, denn es zeigt, dass die Zeichen nun nicht mehr nur auf Sanierung stehen, sondern auf Innovation, Ausbau und Vermarktung eines (hoffentlich) 2017 wieder im alten Glanz erstrahlenden Resorts.

Eine andere Sicht auf die Veränderungen

Es gibt allerdings auch eine andere Sicht auf diesen Zeitpunkt, über den ich mit Jonathan Lewis-Jones, dem Betreiber des gerade in Fragen der Finanzsituation und der Unternehmensstruktur des Konzerns um die Euro Disney SCA hervorragenden Salon Mickey Blogs, ausgiebig diskutiert habe.
Jonathan vertritt die Meinung, dass genau jetzt der Wechsel notwendig ist. Auch dafür gibt es starke Argumente. Auch diese liegen in den unbetrittenen Fähigkeiten von Catherine Powell. Demnach braucht das Disneyland Paris genau jetzt schon den Auftakt für eine aggressive Marketing-Kampagne, eben um 2017 zu einem Erfolg zu machen, um rechtzeitig vor dem Geburtstag am angeschlagenen Image des Resorts zu arbeiten und es aufzupolieren, um neue Märkte zu erschließen, wie die in Osteuropa und alte Märkte wieder für das Resort zu gewinnen, zu allererst ist hier natürlich an Deutschland zu denken.

Hätte man beides haben können? Wolber und Powell als Team

So wie beide Meinungen ihre Berechtigung haben und in meinen Augen stark untermauert werden können, stellt sich natürlich die Frage, ob man nicht beides hätte haben können. Den nach außen hin besseren Übergang mit positiven Botschaften, aber auch den baldigen Beginn des Aufbaus neuer Vermarktungsstrategien.
Ich denke ja, das wäre möglich gewesen, indem man Powell für 1 Jahr zur Nr. 2 gemacht hätte, intern hätte man durchaus schon so verfahren können, dass Powell die Strategie für die Zukunft vorgibt, während sie mit der Hilfe Wolbers die notwendige Erfahrung im Bereich Parks & Resorts erlangt.
Allerdings gibt es auch hier ein gutes Gegenargument, ebenfalls von Jonathan: Vielleicht ist es nämlich gerade gut, dass jemand von außerhalb dieses Bereichs nun das Ruder übernimmt, jemand der direkt mit einem frischen und noch unbefangenen und unbeeinflußten Blick den Weg in die Zukunft starten kann.

Wie es auch immer sein mag – wir hoffen vor allem, dass dieser Weg in die Zukunft, den das Disneyland Paris mit Catherine Powell gehen wird, ein positiver ist.

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