Here You Leave Today – Time and Temporality in Theme Parks

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Here You Leave Today – Time and Temporality in Theme Parks (Johannes Gutenberg Universtität Mainz)An der Johannes Gutenberg Universität in Mainz hat vom 18.-20. September 2014 eine internationale Konferenz stattgefunden, die sich mit dem Thema Zeit und Zeitlichkeit in Themenparks befasst hat und den Titel „Here You Leave Today – Time and Temporality in Theme Parks“ trug.
Zeit spielt für jeden, der in irgendeiner Form mit Themenparks zu tun hat, eine Rolle. Ob als Besucher, der seinen Tagesablauf im Park plant, als Imagineer / Designer, der versucht, die Gäste in eine bestimmte Zeit zu entführen oder als Manager hinter den Kulissen, der Arbeitspläne und Einsatzzeiten der Mitarbeiter koordiniert. Zeit, in den unterschiedlichsten Ebenen, hat in Themenparks große Bedeutung.
Wissenschaftlich unter die Lupe genommen wurde dieses Phänomen allerdings bisher nur selten, die Konferenz an der Universität Mainz war die Erste, die sich mit den Aspekten Zeit und Zeitlichkeit in Themenparks befasst. Dass dieses Thema grundsätzlich von Interesse ist, zeigte der Kreis der Referenten aus allen Teilen der Welt: von Kanada und den USA über Skandinavien bis nach Israel, Russland und Ungarn. Dabei waren nicht nur Theoretiker geladen, sondern auch Vertreter der Praxis, wie zum Beispiel David Tolley, der die Hintergrundmusik für das Discoveryland im Disneyland Paris komponierte, und Gordon Grice, der für ein kanadisches Unternehmen Themenorte in aller Welt gestaltet.
Organisiert haben die Konferenz Dr. Florian Freitag und Prof. Dr. Filippo Carlà, die im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Ästhetische Eigenzeiten“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeiten.

Leider konnten wir erst ab Freitag Nachmittag an dieser Konferenz teilnehmen, aber wir müssen sagen: Es hat sich gelohnt und wir haben trotz der versäumten Vorträge einen sehr guten Einblick in das Themengebiet bekommen! Die Themen waren durchweg interessant und auch die Diskussion mit den Teilnehmern aus aller Welt hat verschiedene Aspekte zur Sprache gebracht, die sehr interessant, teils auch sehr unterhaltsam waren.
Wir werden Euch natürlich in den nächsten Tagen detaillierter von den verschiedenen Vorträgen berichten, wobei wir uns dabei in erster Linie auf die Beiträge mit direktem Bezug zum Disneyland Paris konzentrieren werden.

Eine Übersicht der Vorträge zum Thema „Here You Leave Today“ Time and Temporality in Theme Parks

Donnerstag, 18. September 2014
Keynote zur Eröffnung:
„The Theme Park Is Dead, Long Live the Theme Park!“ Scott A. Lukas (Lake Tahoe Community College, USA)

Freitag, 19. September 2014

Panel I: Theme Parks and the U.S.

„Revisiting Past Futures at the 1939 New York World’s Fair“ Astrid Böger (Universiät Hamburg)

„Resetting the Clock: Theme Parks and New Urbanism in Los Angeles’ Imaginary“ Markus Reisenleitner (York University, Kanada)

„Coney Island Films and Non-Teleological Temporalities“ Simon Dickel (Ruhr Universität Bochum)

Panel II: Theme Park Theory

„Introducing Theme Park Theory“ David Younger (University of Lincoln, Großbritannien)

„Staging the Gaze: The Water Coaster Poseidon as an Example of Staging Strategies in Theme Parks“ Ariane Schwarz (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz)

Panel III: Past/Times I

„Changing Concepts of Temporality: From Age to Pastness in Heritage and Theme Parks“ Cornelius Holtorf (Linnaeus University, Schweden)

„XVIII Century Attractions: The Multitemporality of the Museum-Reserve ‚Tsaritsyno'“ Natalia Samutina & Boris Stepanov (National Research University & Higher School of Economics Moskau, Russland)

„Creating a Model City for the Future by Referring to the Past: Aspects of Temporality at Huis Ten Bosch“ Michiko Uike-Bormann (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Panel IV: Designing the Park

„Temporality as Storyline, in the Design of Themed Environments“ Gordon S. Grice (Forrec Ltd., Kanada)

„Scoring the Music for Discoveryland“
David L. Tolley (Delaware State University, USA)

Samstag, 20. September 2014

Panel V: Past/Times II

„Themeparks, Nostalgia, Retro“ Susan Ingram (York University, Kanada)

„Wrangling the Masses: Frontierland and the Imagineering of American Collective Memory“ Priscilla Hobbs (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz)

„Mini Israel and the Subversive Present“ Michael Feige (Ben-Gurion University, Israel)

Panel VI: Situating the Theme Park

„Representations of Difference in Themed Spaces“ Jan-Erik Steinkrüger (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)

„Et in Chronotopia Ego: Main Street-Architecture as a Rhetorical Device at Theme Parks and Outlet Villages“ Per Strömberg (Telemark University Porsgrunn, Norwegen)

„From Neomediaevalism to Retrofuturism: A Virtual Addition to the Genealogy of the Pleasure Ground“ Peter Kristof Makai (University of Szeged, Ungarn)

Ein paar Bilder von den Vorträgen

Überblick über das Thema Zeit und Zeitlichkeit in Themenparks

Es lässt sich festhalten, dass das Thema Zeit und Zeitlichkeit in Themenparks aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln und von verschiedenen Ausgangspunkten ausgehend betrachtet wurde, wobei sich äußerst interessante Einblicke in die Thematik gestalteter Welten ergeben haben.

Zeitreisen haben die Menschheit schon immer fasziniert, daher ist es wenig verwunderlich, dass viele Themenparks der Welt dieses Thema aufgreifen und interpretieren. Die Besucher werden in thematisierten Umgebungen in der Regel nicht nur in eine Fantasie-Welt entführt, sondern auch in eine andere Zeit. Oft handelt es sich dabei um Umgebungen, die in ihrer Gestaltung an Epochen angelehnt sind, die Sehnsüchte der Besucher ansprechen, so zum Beispiel den Wilden Westen oder die vermeintlich heile Welt einer US-Kleinstadt um 1900. Auch die Antike, sowohl das Alte Ägypten als auch das Alte Rom, faszinieren Menschen in aller Welt und sind daher eine geeignete „Kulisse“. Ebenso verhält es sich mit der Zukunft, dabei ist allerdings weniger die greifbare Zukunft in der eigenen Realität von Interesse, sondern eher die abstrakte Vorstellung von der Eroberung des Weltalls.
Einige Konzepte waren allerdings zu eng begrenzt gewählt, sodass sie letztendlich zum Scheitern verurteilt waren und erst durch eine grundlegende Überarbeitung des Konzepts erfolgreich sein konnten – Susan Ingram zeigte dies am Beispiel von Disney’s California Adventure in Anaheim. Andere Konzepte sind aufgrund veränderter gesellschaftlicher Normen nach und nach von der Bildfläche verschwunden, ein Aspekt, den Per Strömberg in seinem Vortrag am Rande streifte. Explizit seien hier die „Liliputaner“-Parks des letzten Jahrhunderts genannt.
Gleichzeitig tauchen neue Konzepte thematisierter Umgebungen auf, wie Jan-Erik Steinkrüger aufzeigte. Seit einiger Zeit erfahren Projekte, in denen bedrohliche Szenarien nachgestellt werden, eine gewisse Nachfrage, so zum Beispiel Nachbildungen von südafrikanischen Townships oder „Überlebenstouren“ durch Slums in Brasilien und Indien.
Es gibt allerdings auch Themenparks, die den Besucher nicht in eine andere Zeit entführen, sondern ihm die Gegenwart präsentieren, allerdings in einer idealisierten Form, wie es Michael Feige in seinem Vortrag über „Mini-Israel“, den beliebtesten Themenpark Israels, in dem wichtige Sehenswürdigkeiten des Landes im Miniaturformat nachgebildet werden, zeigte. Die aktuellen politischen Probleme des Landes werden bei der Gestaltung allerdings ausgeblendet.
Die Thematik von Zeitreisen und thematisierten Welten spielt auch in Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspielen (MMORPG) eine zentrale Rolle, wie Peter Kristof Makai in seinem Vortrag zeigte. Hier hat der Spieler im Unterschied zum Besucher eines Themenparks, eine sehr aktive Rolle, in der er in der Regel die Möglichkeit besitzt, seine Umgebung nach eigenen Vorstellungen zu beeinflussen, während einem Themenparkbesucher eine eher passive Rolle zufällt.
Viele Projekte – ganz gleich wie ihre Thematisierung aussieht – kommen übrigens niemals über die Planungsphase hinaus. Oftmals fehlt am Ende schlicht und einfach das notwendige Geld, um die Projekte wirklich in die Tat umzusetzen oder es tauchen andere unüberwindliche Hürden auf. Gordon Grice, seinerseits Architekt und künstlerischer Leiter von Forrec Ltd., einer Firma, die derartige Projekte plant und u.a. auch maßgeblich an bekannten Parks wie Universals Islands of Adventures mitgewirkt hat, konnte einige Einblicke in diesen Bereich geben.

Wir hoffen, dass wir euch durch diese einführende Zusammenfassung, einen ersten Einblick geben konnten. Zeit und Zeitlichkeit spielen in Themenparks wirklich eine viel größere Rolle, als es dem normalen Gast bei seinem Besuch bewusst ist. Aber vielleicht tragen unsere Artikel zur Konferenz dazu bei, euch auf den einen oder anderen Aspekt aufmerksam zu machen.
In Kürze werden wir hier, wie oben bereits erwähnt, ausführlich über die Vorträgen mit Bezug zum Disneyland Paris berichten. Seid gespannt!

Der abschließende, sehr entspannte Lunch, bei dem die spannenden Themen angeregt weiter diskutiert wurden

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