Hercules mysteriöse Weihnachten - Teil I

Disclaimer - Der nachfolgende Tatsachenbericht bezieht sich auf die wechselvollen, unheimlichen Begebenheiten im Zeitraum vom 16. - 20. November des letzten Jahres. All dies ereignete sich in Deutschland und Frankreich. Sensiblen Leserinnen und Lesern, sowie Jugendlichen wird empfohlen diesen Bericht nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen oder einer abgeklärten Person zu lesen. Ich empfehle das Bereithalten eines Kissens und reichlich Taschentücher, ob der zu erwartenden Reaktionen auf die geschilderten Phänomene. Alle im Bericht genannten und handelnden Personen sind real und Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen sind alles andere als zufällig.
Die geneigte Leserin und der geneigte Leser mögen mich jetzt begleiten. Ins Land der Maus und zu einer Fahrt ins mysteriöse und fragwürdige Weihnachten.

Bericht oder kein Bericht, das ist hier die Frage.
Ob's edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Der wütenden Unwägbarkeiten allein zu ertragen oder
sich wenig erduldend ergeben und den Leser*innen
des Forums mitzuteilen? Schreiben? Lassen?

EDIT: Halt, halt. Das ist ja nicht auszuhalten. Hier meldet sich der Editor von Hercules. Dies Geschwurbel. Schrecklich. Wer denkt sich den so was aus? Mein lieber Schwan. An Hercules ist weder ein Shakespeare noch ein weniger begabter Dichter verloren gegangen. Bitte, bleiben wir doch im normalen Jargon. Bitte, Herr Detektiv. Und damit es nicht zu langweilig für die Leser*innen wird, erlaube ich mir ab und an, bei passender Gelegenheit, ein wenig Musik einzubetten. So, um einfach die Stimmung zu untermalen.

Also wirklich, muss ich mir das gefallen lassen? Nun? Stille? Dann mache ich einfach mal weiter.
Die Sache begann ja schon im August letzten Jahres. Leider fiel ja der Urlaub ins Land der Maus, mit Nichte und ihrer Oma, ob eines mysteriösen, weltumspannenden Virus, ins Wasser. Ins Ausland mit einem ungeimpften Kind kurz vor Ende der Sommerferien erschien mir nicht länger eine gute Idee zu sein. Also musste die ganze Unternehmung kurzfristig abgesagt werden. Aber mir blieb ja noch immer Paris, äh nein. Mir blieb ja immer noch der November und Paris. Da sollte es doch wohl klappen. Ich war ja geimpft, die Zahlen würden sich wohl bis dahin beruhigt haben. Alle wissen, das taten sie nicht wirklich. Aber das ist ja eine ganz andere Geschichte. Ich schweife ab.
Der November sollte es werden. Das war klar. Ich blockte also bei Freigabe der Termine des fraglichen Monats gleich drei Tage. Mehr ging ja nicht, da ich im Val de France nächtigen wollte. Dienstag bis Freitag sollte die Reise sein. Ich suchte nach einem passenden Hotel. Die waren sehr erschwinglich. Ich ließ mir aber noch Zeit mit der Buchung. Erst einmal wollte ich mich, um das Mittel der Beförderung kümmern. Mit dem Auto sollte es dieses Mal nicht sein. Blieb Bus, Bahn, Flugzeug oder zu Fuß. Na ja, letzteres fiel wegen Entfernung aus. Flugzeug war mir zu teuer und zu unflexibel. So blieben Bus und Bahn. Wieso eigentlich nicht mal mit dem Zug, dachte ich. Damit ging es dann los. Verbindung für den Thalys suchen, Daten checken, buchen, ach nein. Vorher noch die dazugehörige App laden. Und weil wir gerade im App Store sind, auch noch die franz. Covidapp, ach ja die deutsche hatte ich schon. Dann wollen wir mal die Zugfahrt buchen. Der Preis war recht günstig. Lieber noch einmal die Urlaubsdaten überprüfen. Und da ging es schon los. Ich hatte mich in der Woche vertan, im Land der Maus die falschen Tage geblockt. Hoffentlich gab es noch was in der Woche vorher? Moderne Technik und ich. Das war mir alles schon fast zu viel. Termine umbuchen ging Tag für Tag, Glück gehabt. Und jetzt der Zug. Wahnsinn, das klappte auch beim ersten Mal. Wird wohl alles gut gehen, dachte ich so bei mir. Jetzt die Daten in die App laden. Da ging es dann los. Es war nur eine Zugfahrt geladen. Ich wollte ja immer schon mal ganz lange in Paris bleiben, aber so? Hmm, keine Idee. Es war immer nur die Hinfahrt zu sehen.
Also alles ausdrucken. Und wenn ich schon dabei bin auch die geblockten Termine für den Eintritt. Und wenn ich schon Stunden mit der Vorbereitung für einen Urlaub im November im September verbringe, kann ich gleich auch mein Zertifikat der Impfung in die französische App laden. Das gelang immerhin gleich im zweiten, nein dritten Versuch.
Später dann auch noch das Hotel gebucht, zu spät eigentlich, denn in den zwei Wochen, in denen ich überlegte, stieg der Preis glatt um 50 %. Selbst Schuld kein Mitleid. Auch das alles brav ausgedruckt, zu den anderen Unterlagen gelegt. Die Tage vergingen und die Reise rückte näher. Ich wurde ein wenig nervös. Klappt das mit den Apps? Reichen zur Not auch die schriftlichen Unterlagen? Mir fehlte noch einiges. So spät war ich noch nie auf eine Reise vorbereitet. Schreckliches Gefühl.
Am Sonntag vor der Reise hatte ich noch keinen Koffer gepackt. Der steht sonst schon 10 Tage vorher bereit und wird von Tag zu Tag mit wichtigen Dingen gefüllt. Dieses Mal nichts. Am Montag vor der bevorstehenden Abreise erinnerte ich mich noch an die Checkliste dieses Forums. Da fehlte doch tatsächlich noch die eidesstattliche Erklärung. Ausdrucken. Und irgendwie schien mir der Ausdruck für den Thalys auch nicht komplett. Noch einmal alles in meinen Mails kontrolliert. Wo waren die nur? Ach ja, gespeichert in einem extra Ordner. Himmel lass Verstand regnen. Nochmal alles ausgedruckt. Ich war schon fast panisch. Musste ja noch arbeiten. Das wird alles so knapp, jammerte ich mir die Ohren voll.
Doch dann war es so weit: Feierabend. Ab nach Hause, Wecker auf drei Uhr gestellt. Vorher noch alles dreimal ehrlich gesagt mindestens fünfmal überprüft. Erleichterung machte sich bereit. Alles an Board. Über die Nacht hülle ich lieber den Mantel des Schweigens. An Schlaf war nicht wirklich zu denken. Aber gut, es ging ja in den Urlaub. Als der Wecker klingelte, hatte ich mal so gerade zwei Stündchen halbwegs geschlafen. Also Kaffee, reichlich. Noch einmal alle Unterlagen gecheckt. Die Apps gecheckt, hatte ich schon mal erwähnt, dass ich ein wenig zwanghaft sein kann? Nein? Gut, dann lasse ich das auch hier an der Stelle. Wir wollen ja den Zug nicht verpassen. Ein paar Leckereien, sprich Möhren, Äpfel, Kokosnussstücke und Mandarinen eingepackt. Noch einen Kaffee reingeschüttet. Tat meinem Blutdruck nicht gut, fürchte ich. Hand aus dem Fenster gehalten. Dunkel, nass. Na toll. Scheint früh zu sein und zu regnen. Ich war begeistert. Dann fahre ich wohl mit dem Bus zum Bahnhof und laufe nicht. Laptop in den Koffer, zu machen. Fertig. Ach nein, lieber noch etwas trinken. Und ehe ich aus dem Haus gehe, vielleicht doch noch mal ins Bad? Sonst müsste ich in Essen am Bahnhof. Und das mit dem Koffer? Lieber nicht. Herrje, ich rede schon wieder mit mir. Mantel an, Geld, ans Geld gedacht? Ja, zum Glück. Die Unterlagen in der Tasche und nicht im Koffer? Auch das. Am Ende des Liedes musste ich zur Bushaltestelle sprinten.
Mit der S-Bahn ging es dann zum Hauptbahnhof nach Essen. Vorher hatte ich nochmals die Abfahrtzeit des Zuges gecheckt, die ist geblieben. Der Bahnsteig auch konnte ich an der Anzeige sehen. Bis dahin hatte ich aber noch reichlich Zeit. Also warum nicht einen Kaffee. Hatte ich heute schon einen? Ich glaube nicht. Egal, im Zug gibt es ja auch Toiletten. Der Eine oder die Andere erinnert sich sicherlich an mein Toilettenproblem während einer anderen Reise ins Land der Maus. Also nicht lachen. Sicherheitshalber benutzte ich aber auch im Bahnhof noch einmal das stille Örtchen. Die Zeit schlich nur so dahin. Aber dann war es so weit. Ich musste hoch zum Bahnsteig. Auf Gleis 9 3/4 sollte es losgehen. Ach Quatsch, nicht den nach London, nach Paris Nord. Der fuhr doch auf Gleis 2 ab. Da stand ich also. Noch 10 Minuten. Keine Verspätung angezeigt. Vorher noch geprüft in welchem Abschnitt mein Wagen und somit mein Platz sein würde. Ach ja, da stand ich also richtig. Stünde, wäre wohl besser gewesen. Denn man zeigte gerade an, dass sich die Reihung umgekehrt habe. Ich seufzte. Just in diesem Moment wurde ich angesprochen. Hast du ein wenig Kleingeld für einen Obdachlosen. Na ja, wenn jemand schon morgens um sieben fleißig arbeitet, ich zückte mein Portemonnaie und gab ihm ein wenig Kleingeld. Ich war in Urlaubsstimmung. Dann hetzte ich zum Ende des Bahnsteigs, man erinnert sich? Die Reihung war geändert worden. Ich wartete also jetzt im Nieselregen. Sehr gemütlich und bequem. Gerade mümmelte ich mich ein wenig mehr in Mantel und Mickeyschal, da hörte ich eine mir vertraute Stimme. Hast du ein wenig Kleingeld für einen Obdachlosen? Also ich bin ja sehr sentimental, wenn es ins Land der Maus geht. Ansonsten natürlich leider auch. Und wenn ich habe gebe ich, meistens auch gerne. Aber über so viel Dreistigkeit war ich doch, wie soll ich es sagen? Angefressen. Mühsam beherrscht, erwiderte ich, dass er doch erst vor fünf Minuten von mir Geld bekommen habe. Und ich sei von seiner Gedächtnisleistung nicht überzeugt. Nass und bedröppelt zog er ab.
Dann kam die Durchsage. Auf Gleis zwei erhält Einfahrt der Thalys nach Paris Nord, über Köln, Aachen, Lüttich und Brüssel. Bitte beachten Sie die geänderte Wagenreihung. Na ja, die beachtete ich ja gerade. Der Zug fuhr ein. Und was soll ich sagen? Er fuhr in der Reihung ein, die er ursprünglich gehabt hatte. Also wieder ans andere Ende laufen. Zum Glück hatte er in Essen ein wenig Zeit für ältere, schon geplagte Menschen übrig. Außerdem musste zu meinem Glück auch noch eine Dame im Rollstuhl in den Zug. Da hatte sogar ich noch Zeit zum richtigen Wagen mit meinem reservierten Platz zu kommen.
Das bisherige einzige Mal, dass ich mit einem Thalys gefahren bin, muss so vor gut 20 oder mehr Jahren gewesen sein. Aber sagen wir es mal so, das schien immer noch der gleiche Zug sein. Wie sage ich es höflich? Man sah ihm sein Alter innen schon sehr an. Aber geht uns Menschen ja auch nicht anders. Ich sehe auch nicht mehr wie vor 20 Jahren aus. Hier ein wenig ramponiert, da der Lack ab. Also beim Zug jetzt. Aber die Sitze waren bequem, die Steckdosen funktionierten, später konnte ich feststellen das Wlan auch. Also alles in Ordnung. Koffer verstaut, sich bequem gemacht. Ein Pfiff und es ging endlich los.

Edit: Jetzt ist eine Entspannung mehr als verdient:


Angenehme Reise!
 
MinervaMouse Cast Member
Was @MadameMim1969 sagt 😍 Da brauche ich mich ja nicht weiter mit der Frage plagen, welche Lektüre ich für die nächsten Wochen zur Hand nehme, wenn ihr uns sogar beide zeitgleich mit euren Berichten umsorgt. Wie immer ganz wunderbar zu Papier (äh...zu Bildschirm?) gebracht, Monsieur Poirot ✨
 
MikeFink Imagineer Azubi
Dies Geschwurbel. Schrecklich. Wer denkt sich den so was aus?
Hoffentlich hast Du Dir kein Beispiel an meinen Reiseberichten genommen... Das macht mich sehr betroffen dich möglicherweise so infiziert zu haben. Sofern es einmal wieder einen Bericht von mir geben wird er auch so ausfallen wie gewohnt.

ALSO: ICH DENKE MIR OHNE SCHAM SO ETWAS AUS!
 
Teil II

Da saß ich also entspannt im fast leeren Zug. Außer mir gerade mal noch drei Leute im Abteil. Vermutlich Auswirkungen des gnadenlosen "C"s. Nun ja, ich würde es nicht so schlimm finden, wenn es so bliebe. Aber man kennt das ja, fühlt man sich wohl, dann geht es nicht so weiter. Erster Halt Duisburg und siehe da es steigen ein paar Leute ein. Und auch in unser Abteil. Genau zwei Leute. Ein Herr, Typ Geschäftsmann, der ging durch und setzte sich weiter vorne in der Nähe der Tür zum Speisewagen ein. Und dann eine ältere Dame, nun gut, älter ist ja relativ. Ich zähle selbstverständlich auch schon in diese Kategorie, wenn man einen im Alter Anfang 40 fragt, für noch jüngere zähle ich schon in die Kategorie Onkel, Opa oder alter Knacker. Die Dame war vermutlich höchsten ein paar Jahre älter als ich. So viel zu ältere Dame. Schreckliches Gefühl.
Sie machte es sich bequem, ich machte es mir bequem und so kamen wir ganz gut zurecht.
Die Fahrt verging wie im Fluge. Die App spielte sogar mit. Es funktionierte einwandfrei. Abgesehen davon, dass das Ticket für die Rückfahrt immer noch nicht drin war. Aber warum sollte ich mir jetzt schon darüber meine grauen Zellen zerbrechen? Dann waren wir endlich in Paris. Paris Nord. Ich wusste ja, dass ich zum Gar de Lyon kommen müsste, sollte ja wohl kein Problem sein. Mutig steuerte ich auf den ersten Ticketautomaten zu. Gab mein Ziel ein und erschrak. Knapp 90 Euro sollte das Ticket kosten? Ich war erschüttert, hatte ich doch in Erinnerung für nicht mal 8 Euro zum Bahnhof im Land der Maus kommen zu können. Ich versuchte es erneut. Gleicher Preis. Dann fiel es mir auf. Lesen können hilft manchmal echt. Das war ein Ticketautomat für die Fernzüge. Okay, wer kann auch ahnen, dass es für den Nahverkehr einen anderen Ticketgeber gibt. Nur wo? Ich lief ein wenig ziellos umher. Dann entschloss ich mich zu einem Wagnis. Ich ging an einen Ticketschalter. Ja, die gab es natürlich auch. Und es ging erstaunlich schnell. Zum Preis von 7,80 Euro erhielt ich einen Fahrschein, beste Wünsche und eine Erklärung im schnellen Pariser Französisch, wie ich zur Bahn komme, wo ich dann umsteigen müsse, um ins Land der Maus zu gelangen.
Es war ja klar, zwei Meter vom Schalter entfernt hatte ich schon so gut wie alles vergessen. Habe ich schon erwähnt, dass ich im fortgeschrittenen Alter bin? Mein Langzeitgedächtnis funktioniert eigentlich noch tadellos. Aber wenn es um Sachen geht, die sich erst kürzlich ereignet haben... Ach ja und dann ist das gepaart mit meiner festen Überzeugung, dass ich es auch ohne weitere Hilfe schaffe, egal was ich mir vorgenommen habe. Gut, es hat gedauert, aber ich habe trotzdem noch die richtige Rolltreppe zur Bahn gefunden, den richtigen Bahnhof zum Umsteigen erwischt und da dann einen Platz im nächsten Zug Richtung Marne-la-Valley/Chessy ergattert. Glück gehabt, dass reichlich Züge auf der Strecke unterwegs sind. Und zwar pünktlich. Kann es kaum erwarten, dass mal in Deutschland zu erleben? Wenn ich das überhaupt in meinem Alter noch erlebe.
Meine Glückssträhne hielt an. Der Regen ließ nach, es war trüb, aber trocken und recht mild. Dazu erwischte ich gleich auch den Shuttlebus Richtung meines Hotels. Wenn das kein gutes Omen war. Auch beim Einchecken ging alles wie geschmiert. Die App für den Covidpass funktionierte, ich erhielt ein Armband damit ich als ungefährlich gekennzeichnet war, mein Zimmer war auch schon fertig. Also hoch, Koffer abgestellt, frisch gemacht, ein paar Möhren eingesteckt, mein Lanyard mit meinem Jahrespass umgehängt und Disneyland Paris, ich komme. Am Check - In erfuhr ich dann, dass der nächste Bus erst in einer halben Stunde fahren würde. Pech gehabt. Aber ich bin inzwischen gut zu Fuß und so weit ist es ja auch nicht vom Val de France ins Land der Maus. Da könnte ich doch einen kleinen Spaziergang machen? Ein Blick auf eine App zeigte mir an, dass ich angeblich 90 Minuten brauchen würde. Ich war skeptisch, das war doch sicher ein Irrtum. Können maximal 30 Minuten sein, vielleicht 45, aber niemals länger. Ich würde doch auch ein wenig abkürzen können, so querfeldein? Also App weggepackt, Musik an und los.


Edit: Musik an gutes Stichwort. Ich weiß zwar nicht was Hercules da gehört hat, ich empfehle bei Spaziergängen folgendes:


Da hat doch jemand dazwischen gefunkt? Ich lief also los. Nicht Richtung der anderen Hotels vom Campanile aus, sondern einfach quer rüber zur Straße. Dann ein wenig die Straße entlang, dann links. Mal sehen, was da an der Bushaltestelle stand. Hm, ein nächster Bus würde auch noch länger auf sich warten lassen. Ich lief einfach weiter. Vor mich hin summend, an Möhren knabbernd genoss ich die Stille. Aber irgendwie kam es mir seltsam vor. Das war nicht die richtige Richtung. Also gewendet, aber natürlich nicht richtig gewendet. Da muss es doch längs gehen? Ja sicher, guten Mutes bog ich nach rechts ab, dann nach links, dann wieder ach ich weiß es nicht genau. Gibt es denn hier keine Schilder? Aber sauber war es überall. Im Gegensatz zu Deutschland, wo in der Natur oft Müll zu finden ist, war es an der Straße richtig sauber. Wohl nicht extra für mich, das stand ja wohl fest. Offensichtlich ist man hier in Frankreich anders eingestellt.
Inzwischen war ich schon gute 45 Minuten unterwegs und das Land der Maus nicht in Sicht.
Da aber ein Schild, dass in Richtung Disneyhotels und Parkplatz zeigte. Konnte also nicht falsch sein. Einfach über die Straße ging gerade schlecht, überall Hecken. Also darüber geklettert auf die andere Seite und weiter. Nun ja, noch kein Erfolg in den nächsten 20 Minuten. Ich war langsam ziemlich sauer auf mich. Wieso hatte ich nicht auf die App gehört? Wieso hatte ich nicht einfach dreißig Minuten auf den Bus gewartet? Warum nur bin ich ein so sturer Esel? Darum ist wohl I-Ah neben Donald Duck meine Lieblingsfigur? Fragen über Fragen und keine Antworten.
Ich lief und lief. Und irgendwie wurde die Straße immer breiter, das Land der Maus näherte sich nicht und als ich dann das Schild Péage Reims sah. War mir klar, ich war "Lost in Translation".

Edit: Da tun einem ja die Füße weh. Ich muss dem Herrn Detektiv widersprechen und seine Vorlage ausnutzen. Er war nicht "Lost in Translation" er war...


Erwähnte ich eigentlich schon, dass Besserwisser so gar nicht zu meinen Lieblingsmenschen zählen? Gut, ich hatte mich verlaufen, klar. War mir auch schon vor einer halben Stunde klar. Aber was jetzt? Ich stand auf dem Autobahnzubringer. Mir war klar, dass die Richtung total falsch war. Also auf die andere Seite sprinten. Wie man eben in meinem Alter sprintet. Möglichst nicht unter die Räder kommen. Und den ganzen Weg wieder zurück. Irgendwann musste ich ja ankommen. Ging ja gar nicht anders. Alle Wege führen ins Land der Maus.

Edit: Nein, werter Autor, nicht alle Wege führen ins Land der Maus. Eigentlich führen alle Wege nach Rom. Gut, das mag in der Antike so gewesen sein. Allerdings uneigentlich führten alle Wege aus Rom hinaus. Aber auch das mag nur eine schwache Erklärung für den Optimismus unseres Detektivs sein, seine mehr als peinliche Vorstellung im Film Pfadfinder für Anfänger, zu beschönigen.

Zur Aufheiterung sah ich auf mein Handy. Hey, mehr als 25000 Schritte, gar nicht übel für einen Tag, den ich mehr als die Hälfte sitzend in einem Zug verbracht hatte. Irgendwann bog ich Richtung Parkplatz Disneyland ab. Natürlich musste ich wieder quer über die Straße sprinten. Liebe Kinder, nicht nachmachen. Zum Glück sah mich niemand, na ja, ein paar Autofahrer. Die wunderten sich bestimmt über den Irren, der an der Autobahn im Trüben entlang lief. Das ist das einzig gute an der Situation, sich in einem fremden Land so zu benehmen. Keiner kennt einen. So getröstet marschierte ich weiter, Kopf hoch und fast gut gelaunt. Und dann war es tatsächlich fast geschafft. Ich bog um die Ecke, wich einem entgegen kommenden Wagen aus und erblickte das gelobte Land. Nicht das gelobte Land, aber den Eingang. Den Eingang durch den man auf den Parkplatz des Disneylands kommt.
Ich hielt kurz inne, nicht um zu Atem zu kommen, nein gar nicht. Ich wollte es einfach auf mich wirken lassen. Der erste Eindruck ist es der zählt, war schon immer so. Und es galt auch heute. Ich bin fast da. Ich startete meinen Motor, legte einen Gang zu und steuerte mich nach ganz links auf den grünen Pfeil zu. Dort angekommen, lief ich langsam aus, zückte meinen Jahrespass und bat um einen Platz in den vorderen Reihen des Parkplatzes, wie es für Besitzer des Infinity - Passes ja möglich ist. Der junge Mann am Schalter schaute mich an, als wäre ich gerade eines Ufos entstiegen. Sie haben doch gar kein Auto. Ich schaute an mir herunter. Na ja, aber wenn ich parken wollte, dürfte ich doch privilegiert parken, fragte ich. Ja natürlich erfuhr ich, aber ich hätte nun mal kein Auto. Ich zuckte nur mit den Schultern, lachte, ließ den Motor an und brummte los. Da redet Disney von Magie, Fantasie und Märchen und dieser junge Mann schien so gar nichts davon zu haben. Aber gut, er hatte sicher, im Gegensatz zu mir, einen harten Arbeitstag.
 
MikeFink Imagineer Azubi
Recht vielen Dank für Deinen 2. Bericht. Habe ich sehr gerne gelesen. Wenn Du gestattest jedoch eine kleine Manöverkritik bezüglich deines ersten hier genutzten Musiktitels "I`m Walking. Natürlich kann man ihn nehmen Möglicherweise hätte ich mich für für ein Liedelein aus der Operette "Schwarzwaldmädel entschieden:

Echtes deutsches Liedgut eben... Was ist aber mein Problem mit Fats Domino? Ich verbinde es vielleicht all zu sehr mit dem Restaurant "Annette`s Diner". Eben halt 50ger/60ger Jahre Musik. Verstärkt wird der Eindruck natürlich auch durch das Bild was hier zu sehen ist. Eben halt eine Bedienung die dem Charakter der Restauration besonders unterstreicht.

Letztlich ist es natürlich Geschmackssache. So ist letztlich auch Deine Musikwahl durchaus berechtigt. Schließlich muß ich ggf. mit der Kritik leben das ich zu klischeehaft denke. Aber Rock`n Roll erscheint für mich eben halt Annet`s Diner zu verkörpern.
 
Teil III

Wo war ich gleich? Ach ja, ich startete gerade meinen ein MS Motor und machte mich auf Richtung Eingang. Und zwischen ihm und mir lag ja eigentlich nur noch der Parkplatz, der große ziemlich leere Parkplatz. Kennt ihr das? Man hat gerade eine ziemlich dämliche Erfahrung gemacht und wird vor eine ähnliche Entscheidung gestellt? Und? Ja genau, man entscheidet sich wieder falsch. So war es natürlich. Hey, ich kann doch querfeldein über den Parkplatz gehen, da kann man doch sicher durch die Baustelle laufen, da laufen doch auch reichlich Handwerker herum. Wieso sollte ich nicht nach so vielen unnötigen Metern, nicht mal ein wenig abkürzen? Ja, lacht nur. Abkürzung. Ha! Wer geht schon bis zum Laufweg. Kein Auto weit und breit hier am Ende des Parkplatzes. Nun, aus heutiger Sicht hätte mir auch da schon klar sein müssen. Wenn es läuft, läuft es. Eben auch in die falsche Richtung. Kein Durchkommen auf der Seite. Überall Maschinen und Zäune. Die Arbeiter auf der anderen Seite, ein einsamer, langsam gefrusteter Detektiv auf der anderen. Also blieb mir doch nichts anderes übrig als Richtung Parkplatz Mitte zu laufen und den normalen Weg zu nehmen. Na bravo. Hätte ich wirklich auch gleich haben können.
Ein paar Laufmeter weiter, war dann endlich ein wenig Disneyfeeling angesagt. Die Laufbänder und Disneys Musik empfingen mich.

Edit: Nach so viel Gejammere und Selbstmitleid ist ein wenig Aufheiterung für die Leser nötig. Hoffentlich bleibt das nicht so wehleidig.


Gerne hätte ich das Laufband mal genutzt. Aber ich erinnere mich gar nicht mehr, wann das zum letzten Mal funktioniert hat. Vielleicht kann mich da jemand aufklären? Gefühlt sind es Jahre her.
Also weiter laufen, ein Blick auf mein Smartphone zeigten schon deutlich über 30.000 Schritte. Nun ja, um meine sportliche Betätigung heute müsste ich mir keine Gedanken mehr machen, so viel war klar. Aber langsam wurde ich müde, hungrig und durstig. Doch ich war ja fast da. Und das beflügelt. Mit erhöhtem Tempo ging es auf die letzten Meter. Da Anette's Dinner, da der Bahnhof. Die Einlasskontrollen. Konnte es sein. Ich hatte es geschafft. Aber natürlich, nur fast. Ein Sicherheitsmitglied wollte etwas kontrollieren. Keine Ahnung woran es lag, an meiner Müdigkeit, an seiner eigenartigen Art von Französisch, an meine mangelnden Kenntnisse in der Landessprache bei dem Tempo. Es war schwierig. Ich zeigte ihm meine Ausdrucke, er kratzte sein Haupt, weil er das alles nicht scannen konnte. Dann zuckte er nach ein paar Minuten die Schultern und ließ mich gehen. Ich war so zwanzig Meter durch, da fiel es mir ein. Er wollte sicher meinen Covidpass sehen. Also Smartphone gezückt, App aufgemacht und ihm gezeigt. Und siehe da, es funktionierte. Er strahlte, ich strahlte, Hürde genommen und mit gutem Gewissen zur Einlasskontrolle.

Die klappte wirklich ohne Schwierigkeiten. Und somit war ich wirklich da. Im Land der Maus. Ich konnte es spüren. Ich war daheim, endlich.
 
Malakina Stammgast in den Parks
Das ist so lächerlich. Hat ja bestimmt beim Bau auch ordentlich Geld gekostet. Also im Gesamtbudget für den Park sicher ein Taschengeld, aber trotzdem, grrr.

Wie bei unserem schwedischen Möbeldealer. Ein ewig langes Laufband von der Tiefgarage zum Eingang gebaut. Läuft seit Jahrzehnten nicht. Die Kids mit ihren Skateboard schlagen sich da jetzt regelmäßig die Nasen auf.

So, Herr Detektiv. Endlich im Land der Maus. Wenn Du nicht gleich auf der erstbesten Parkbank auf dem Central Plaza eingedöst bist. Ich hoffe auch für Dein Schuhwerk, dass Du für den Rückweg den Shuttlebus genommen hast. Es bleibt spannend.
 
Malakina Stammgast in den Parks
Vielleicht sollte man das Wort Laufband neu definieren: Ein Band auf dem man laufen kann... (War ja mal wieder ein ganz flacher und somit ein Schuß in den Ofen, Mike...)
Auje... Mike, Mensch. Der kam echt flach. Darf ich Dich mit meinem Mann bekannt machen? Der kringelt sich jedes Mal bei IKEA im Restaurant wegen der/dem Abräumband (sprich Abräumbänd). Könnte jedes Mal klatschen, aber keinen Beifall.
 
Teil IV

Welcome - Gibt es ein schöneres Wort? Vielleicht. Tauchsieder ist ein schönes Wort, nur mal so zum Beispiel. Gibt es ein Wort, dass mehr Wärme ausstrahlt? Sicherlich. Tauchsieder können das auch. Und mit Sicherheit gibt es schönere, herzlichere Stimmen, als die doch monotone Stimme, die den Besucher mehr oder weniger gefühllos begrüßt. Zum Beispiel die der Susi Müller aus dem Herzblatt seinerzeit, und doch, sobald diese Stimme einen willkommen heißt, stellt sich bei mir dieses Kribbeln ein. Eine wohlige Wärme, die sich aus dem Herzen im ganzen Körper ausbreitet. Man ist angekommen, man fühlt sich daheim, besonders zu Weihnachten.

Edit: Damit der gute Hercules noch sentimentaler werden kann.


Mir ist als hörte ich jetzt noch die Musik, die aus der Main Street ertönt. Weihnachtliche Stimmung, weihnachtliche Dekorationen, gut gelaunte Menschen. Massen an Menschen. Wie kann das sein, fragte ich mich? Es ist Dienstagnachmittag? So voll war der Parkplatz nun auch wieder nicht. Das tat meiner Stimmung keinen Abbruch. Ich verschob allerdings, die ersten Besuche in den Geschäften. Ich musste dringend Nahrung und Flüssigkeit zu mir nehmen. Allerdings waren die Schlangen vor den einschlägigen Etablissements elendig lang. Ich warf nur kurz einen Blick auf das gebotene. Typisch weihnachtliches gab es jetzt nicht gerade. Wie sich später zeigen sollte, gab es zwar etliche Lockangebote mit weihnachtlichen Desserts, aber die waren selten bis nie zu erwerben. Eine merkwürdige Strategie.
Schließlich kam ich doch noch zu einem Wasser, einem Kaffee und einer Waffel. Das besänftigte meinen Magen fürs Erste. Wie sollte ich denn fahrtechnisch meinen ersten Besuchstag beginnen? Standesgemäß mit einer Fahrt auf dem Karussell. Also ab durchs Schloss. Doch noch einen Blick auf die Weihnachtsdeko und Artikel in den zwei Shops geworfen. Viel Neues habe ich da auf Anhieb nicht entdeckt. Ein leises Bedauern machte sich breit. Aber es gibt ja reichlich andere Möglichkeiten unnützes Zeug zu erwerben. Wenn nicht hier wo dann? Ich hatte auch keinen Erfolg mit dem Karussell. Das war im Stand By Modus. Also nichts ging. Keine Ahnung warum. Bei Peter Pan stand man für 45 Minuten mindestens an. Selbst bei Alice war die Warteschlange immens. Ich könnte doch nicht etwa mit der kleinen Welt anfangen müssen? Wenn ja, dann würde ich vier Tage lang immer die gleiche Melodie im Ohr haben?
Aber was blieb schon, wo ich hier in der Ecke war. Oh ja, it´s a small world after all. Irgendwie werde ich das auch nicht los.

Edit: Damit der brave Detektiv mal richtige Musik im Ohr hat.


Dennoch, etwas ist anders. In meinem Kopf spukt die Weihnachtsversion der Attraktion immer wieder herum. Sehr seltsam, die gab es in den letzten Jahren gar nicht mehr. Sehr zu meinem Bedauern. Nach drei vergeblichen Versuchen eine offene Toilette zu finden. Es werden wohl etliche gerade renoviert, war ich auch da erfolgreich. Mir war inzwischen kalt, kann auch Müdigkeit gewesen sein. Bin mir da nicht mehr so sicher. Es war ja inzwischen auch schon sehr dunkel. Aber für eine Fahrt bei den Piraten reichte es noch, danach ist einem zumindest warm ums Herz. Übrigens der Pirat am Seil hatte keinen Dienst. Der Esel aus der Weihnachtsgeschichte hatte sich ins Marktgeschehen eingeschlichen und sang voller Inbrunst statt "Kommet ihr Hirten", "Ho Ho und eine Buddel voll Rum" oder so. Vielleicht war ich auch nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Einen weiteren Kaffee später, der nützte auch nichts, war es Zeit sich auf den Weg ins Hotel zu machen. Ich musste dringend was Essen. Das würde ich im Hotel einnehmen. Also zurück zum Ausgang, einmal durchs Village, das musste natürlich auch sein. Aber dann war ich wirklich bereit für die Heimfahrt.
Das ist ja immer das "schönste" am Abend. Mit dem Shuttle zurück ins Val de France. Irgendwie muss ich dabei immer an Dantes Inferno denken. Und, ob das noch zur Folter in der Vorhölle gehört oder doch schon härtere Maßnahmen sind. Den ersten Bus ließ ich sausen. Mehr oder weniger freiwillig. Erschütternd, wenn man zu Coronazeiten in einen Bus mit 200 Leuten einsteigen will, etliche ohne Masken, viele ohne jegliche Rücksichtnahme und sogar einige ohne Sinn und Verstand.


Edit: Warum nur ist der berühmte Detektiv nicht zu Fuß ins Hotel gelaufen er kennt doch den Weg. :muha:

Der nächste Bus kam 20 Minuten später. Gefühlt eine Ewigkeit, wenn man schon seit drei Uhr morgens auf den Beinen ist. Diese am Ende des Tages knapp 50.000 Schritte zurückgelegt haben würden und man einfach friert und Hunger hat. Die Fahrt wurde überstanden, wie man lesen kann. Aber nur mit Mühe. Einige Leute sind einfach nur noch unmöglich. Das Essen erfüllte seinen Zweck und dann hieß es nur noch ab ins Zimmer. Ein heißes Bad, ein gemütliches Bett und gehabt euch wohl, Mühsal und Plagen.
 
MikeFink Imagineer Azubi
Ein altes Russisches Sprichwort sagt: Wer zu spät kommt den bestraft der Hunger. Da offenbar eine menge der Besucher sich dessen bewusst waren haben sie die Parkplätze gemieden um dort nicht schon Zeit zu verlieren. Dennoch haben auch sie die bittere Lehre ziehen müssen das man sich im nächsten Stau (sprich Warteschlange) ohnehin wiedersehen wird wie bei den Maststationen und Fahrattraktionen leidvoll zu erfahren war.

Und wirklich unnützes Zeug im DLRP zu finden dürfte uns doch auch schwer fallen. Zumindest unser geliebter Torsten kann es doch nicht erwarten sich die nächsten Prinzessinnenroben zu kaufen.. (Oh,bisschen Vorsicht ist vielleicht angeraten, Mike...)

Ich hoffe dennoch das Dir der Tag gefallen hat. Dein vierter Bericht lässt zumindest den Schluß zu das dem nicht unbedingt der Fall gewesen ist. Also einen Fall den Du liebend gern an eine Miss Marple abgegeben hättest.
 
Teil V

Es ward Nacht und dann ward es Morgen. Ich erwachte. Wo bin ich? Was bin ich? Wer bin ich? Ich zählte meine Extremitäten. Sehr gut vier. Ich reckte und streckte mich auf dem Bett, es war ja noch so dunkel. Ich tastete nach meiner Brille. Gefunden! Jetzt zwar Durchblick angesagt. Aber es war ja immer noch nicht wirklich hell. Ich schaute Richtung Fenster. Vorhänge? Ach ja, ich war im Disneyland. Gut geschlafen stellte ich fest. Dann fiel mein Blick auf meine Uhr. Schockschwerenot! Schon so spät? Wie konnte das passieren? Verschlafen! Und das mir. So langsam stellten sich meine grauen Zellen zum Dienstantritt in ihren Abteilungen zur Arbeit ein. Ich verschlafe mich ja sonst nie. Nun ja, ich gebe es zu. Einmal habe ich mich 1997 verschlafen. Bei meinem ersten Wochenendeinsatz in der Firma in der ich angefangen hatte. Da kam ich am Sonntagmorgen um 6:00 Uhr fünf Minuten zu spät. Ich gebe es zu. Und dann war da ja noch das Verschlafen in 2015 an einem Dienstag. Also gut, verschlafen würde ich es nicht direkt nennen, wenn man immer noch eine knappe halbe Stunde vor Dienstbeginn vor Ort ist. Doch ausgerechnet im Urlaub? Ich wollte doch zu Beginn in den Park zu den EMH....

Edit: Herrje, schon am frühen Morgen so langatmig und lamentierend. Wen interessiert das denn? Ich denke, wir verlassen mal das Elend und stimmen uns ein wenig auf den Morgen ein. So ein wenig Entspannung täte unserem Herrn Detektiv auch gut. Gerade am Morgen.

... Das war ja zu erwarten. Ich stand in der Schlange vor dem Restaurant. Was würde das für ein Frühstück werden? Ein lautes. So viele Leute. Normalerweise bin ich der erste, vielleicht erst der zweite Besucher beim Frühstück um 7:00 Uhr im Hotel. Aber jetzt? Ein einziges Gewusel. Kinder, Kinder, sogar kleine Kinder. Ich habe nichts gegen Kinder. Durchaus nicht. Ich kann sogar ziemlich gut mit ihnen umgehen. Die meisten Kinder mögen mich sogar. Ja und das ist das Problem. Haben diese einmal festgestellt, dass ich ein sehr liebenswürdiger, umgänglicher Mensch mit viel Fantasie und Verständnis bin, aus die Maus. Ich werde sie nicht wieder los. Aber ich merke, ich schweife ab. Irgendwo war noch ein Plätzchen für einen sich nach ein wenig Ruhe sehnenden, älteren Herrn. Am Buffet bediente ich mich bei Rührei, Müsli und Obstsalat. Ich entdeckte auch noch einzeln verpackt Zwieback. Den wollte ich auch mal probieren. Also zum Kaffee. Ach nein, zum Kakao und Milch. Vermutlich habe ich schon zur Genüge erzählt, dass mir der Kaffee im Land der Maus echt zu schaffen macht. Mir schmeckt er nämlich überwiegend gar nicht.
Bei einem Lärmpegel, der sogar die Musik übertönte, verschlang ich förmlich mein Mahl. Auf den Zwieback hatte ich gar keinen Appetit mehr. Das stellte mich vor ein Problem. Zurücklegen ging ja wohl nicht. Wegen Hygiene und Corona und überhaupt. Auch, wenn das Produkt extra eingepackt war. Könnte ich mir das einstecken? Leicht. Dürfte ich das? Es steht ja überall, dass man keine Lebensmittel aus dem Restaurant mit hinausnehmen soll. Ich hatte ja auch noch Möhren und frische Kokosnussstücke dabei. Hin- und hergerissen entschied ich mich für Mundraub. Mit schlechtem Gewissen immerhin. Also schnell, möglichst ungesehen, also beim Diebstahl hinaus zum Shuttlebus.
Der war zum Glück zeitnah da. Und zu meinem Glück ist er bei der Fahrt in die Parks immer ziemlich leer, weil er am Campanile anfängt, die Leute einzusammeln. Spätestens nach dem fünften Hotel war gerade noch genug Luft zum Atmen im Bus. Da ich ja wusste, was man von mir erwartet, hatte ich rechtzeitig zur Kontrolle die passende App geöffnet. Einlass gewährt. Die Warteschlangen bei den Einlasskontrollen war elendig lang. Endlich durch. Eigentlich beginne ich ja gerne im Park. Aber da schien es schon ziemlich voll zu sein. Also entschloss ich mich im Studiopark zu beginnen. Erneut wurde am Einlass kontrolliert, ob ich geimpft war. Nach meiner Reservierung für den Tag fragte man mich nicht, als man meinen Infinitypass sah. Übrigens an keinem der vier Tage wollte man die Buchung sehen. Der Pass reichte durchaus. Macht das irgendwie Sinn? Ich nutzte meinen Vorteil und stellte mich an der Schlange für die Passinhaber an. Die war angenehm kurz und so kam ich ziemlich schnell in die Studios. Ganz pünktlich zur Eröffnung.

Wie üblich führt im Studio mein erster Weg Richtung Ratatouille. Selbstverständlich begrüßte ich vorher im Studio eins noch die Hausherren. Ich mag es, wenn Micky, Donald und Co. einen herzlich willkommen heißen. Gleich hob sich meine Stimmung Richtung Weihnachten total. Ohne Zwischenstopp ging es dann meinem Ziel entgegen. Dabei passierte ich natürlich unter anderem Crush Coaster und wunderte mich mal wieder, warum man für eine Fahrt, die einem den Magen umdreht, ansteht. Bei Ratatouille ging es schnell.
Ich wunderte mich auch hier dann doch. Irgendwie hatte ich damit gerechnet, dass ich mehr oder weniger alleine in der Ratte in einer Reihe sitzen würde, aber nein. Ein Pärchen wurde auch noch hereingebeten. So waren alle Ratten meist ganz besetzt. Wie war das noch mit Corona?
Ich nutzte die Fahrt gleich noch zweimal hinterher. Dann gleich in der Single Rider Line. Die war geöffnet. Und ehrlich gesagt, wenn ich so oder so Mitfahrer bekomme. Die Fahrt ist ja mit mein Favorit. Auch wenn man noch so oft mit der Ratte durch die Küche gefahren ist, fallen mir kleine Details auf. Da habe ich doch ein kleines Quiz für die ständigen und auch für die nicht so oft nach Paris eilenden Leserinnen und Leser parat.

Wie oft bestellt Tisch 4 das Essen Ratatouille?
a. einmal b. zweimal c. viermal d. sechsmal

Nach der dritten Fahrt wäre mir jede weitere Tour doch peinlich gewesen. Vor allem, nachdem schon beim zweiten Mal die Castmember gegrinst hatten, vom Lachen bei der dritten Runde ganz zu schweigen. Also ins Land von Woddy und Buzz. Slinky Dog genutzt, leichtsinnig genug war ich auch. Ihr wisst, ich sprang Fallschirm. Also so gut wie. Dann stand die neue Attraktion, Cars, die ehemalige Studio Tram Tour. Eher ernüchternd würde ich meinen. Gut die Requisiten und einige Gimmicks. Aber nicht mal der Drache bläst einem Wärme entgegen. Und die wäre bitter nötig gewesen, bei den Temperaturen und der Feuchtigkeit. Ich hoffe, dir Tour wird noch ein wenig aufgemotzt. Das täte der Attraktion sicher gut.
Ich begab mich nach der Tour Richtung Show. Da gab es zurzeit ja nur die mit der Eiskönigin. Gut, die kannte ich ja schon, aber ich war ja auch schon ein paar mal im Land der Maus und da sind neue Eindrücke ja eher nicht an der Tagesordnung. Ich ergatterte einen Platz in der Warteschlange. Das war ja schon mal ein Anfang. Bis zum Beginn der Show dauerte es ja noch eine geraume Weile. Also hielt ich es für eine gute Idee ein paar Möhrchen zu knabbern, um mir die Zeit zu vertreiben. Als ich dann die restlichen Möhren wieder verstaut hatte und mein Smartphone wegen der Uhrzeit zurate gezogen hatte, fiel es mir auf. Er war weg. Mein Schatz, verschwunden. Hektisch suchte ich auf dem Boden, in meinen Taschen.
Nein, wo war er nur? MEIN SCHATZ...

Edit: Mir ist es gelungen noch ein kurzes Video und einen Schnappschuss unseres Erzählers zu machen. Nicht verraten, er wäre nicht begeistert, ist zu vermuten.

 
MinervaMouse Cast Member
Monsieur, Sie sind ein Abenteurer! Ein waschechter noch dazu, der das Abenteuer wie magisch anzieht. Zum Glück pflege ich nicht die Gewohnheit, mir vor Spannung an den Nägeln zu kauen - die wären sonst wohl spätestens nach Teil II dieses Berichts schon gefährlich kurz gewesen.
Denn neben den Abenteuern, die ihm widerfahren, weiß unser Karl May des dein dlrp Forums sie einfach ungemein spannend und unterhaltsam zu erzählen.
Das Quiz vermag ich nicht zu lösen, aber im Austausch gegen den Tauchsieder gebe ich hier in dieser illustren Erzählrunde (in meiner Vorstellung sitzen wir allesamt um ein gemütliches Feuer und lauschen gebannt dem Herrn Detektiv) noch eines meiner Lieblingswörter preis: Sesamsamen.
 
Teil VI

Ich suchte auf dem Boden, in den Taschen. Nichts! Einfach verschwunden. Mein Jahrespass war weg. Am Ende des Lanyards gähnende Leere. Ich war aufgelöst. Ich hatte ihn ja noch am Morgen. Also musste ich ihn irgendwo im Studio-Park verloren haben musste. Nur wo. Hier in der Warteschlange? Da lag er nicht. Ich hatte das ja alles gut im Blick. Auf dem Boden war nichts zu sehen. Ich ging zum Ende der Warteschlange, dort stand ein CM. Was sollte ich auch sonst machen? Ich erzählte ihr von meinem Missgeschick.

Edit: Eigentlich könnte ich hier ja ein Musikvideo einsetzen. Aber eine Quizfrage ist auch nicht schlecht. Weiß ja nicht, ob einige Rätselfreunde sind. Zwieback war offensichtlich falsch. ;)
Also hier die Frage: Wie reagierte die junge Frau am Eingang auf das Problem unseres Herrn Detektivs?
a. Je suis désolé.
b. Oh, that´s bad.
c. F*ck
d. Wo haben Sie ihn denn verloren?


Dann mal viel Spaß beim Raten.


Die junge Frau erkundigte sich, ob ich wüsste, wo ich überall gewesen war. Klar, bin zwar alt, aber noch nicht ganz senil. Sie schlug vor, dass ich mal nachfrage und im schlimmsten Fall mir wohl einen neuen Jahrespass würde ausstellen lassen müssen. Tja, so viel dazu. Das hatte ich ja befürchtet. Sie wollte dann noch wissen, ob ich trotzdem in die Show wolle. Sie könnte mir einen Eintrittspass geben. Klar, warum nicht? Meine Stimmung war eh hinüber, da könnte ich mir auch noch die Eiskönigin anhören. Sie gab mir ein Ticket und ich überlegte wie ich vorgehen könnte.
Zunächst natürlich zu Ratatouille, da war ich ja am häufigsten. Dreimal bin ich da ja durch das Restaurant gefahren. Übrigens hat jemand erraten, wie oft die Speise bestellt wurde? Nein? Dann gibt es die Auflösung später. Am Eingang fragte ich nach, ob ein Ausweis gefunden worden sei. Man telefonierte, leider nichts. Okay, wäre ja auch zu schön gewesen. Dann eben zu Cars. Wenn ich den da verloren hätte, wäre ich wirklich ärgerlich gewesen. Aber auch da gab es nichts, für mich zu finden. Also zum Sprungturm oder erst zu Slinky? Ich entschied mich für den Hund. Am Ausgang fragte ich die junge Frau. Ich hätte meinen Jahrespass verloren, ob hier einer gefunden worden sei. Ihre Gegenfrage ließ mich erst ein wenig stutzen. Was für ein Jahrespass es denn gewesen sei? Erstaunt antwortete ich, gibt es denn mehrere zur Auswahl? Nein, sagte ich. Einen Infinitypass. Auf welchen Namen denn? Das wurde ja immer seltsamer. Allerdings machte sich Hoffnung in mir breit. Da musste doch mein Pass dabei sein. Sie fragte, nach dem Namen und griff zum Telefon. Ein kurzer Wortwechsel mit der Dame am Eingang und fünf Minuten später hielt ich meinen Jahrespass wieder in den Händen.


Edit: Damit ist es mal wohl wieder Zeit in den Kopf des Herrn Detektivs zu schauen und was sich dort abgespielt hat zu visualisieren. Oder besser zu Gehör zu bringen.


Zum Glück für die Dame, Corona sei Dank, fiel ihr der emotional überforderte Hercules ihr nicht um den Hals. Das gehört sich ja auch nicht.


Ich dankte ihr überschwänglich. Nicht so wie ich es gewollt habe. Manchmal ist eben einfach Zurückhaltung angesagt. Beschwingt schritt ich zur Show der Eiskönigin. Zwei Minuten vor Beginn schlüpfte ich dank Ticket noch in die Show. Wenn das mal kein Glückstag war.
 
MikeFink Imagineer Azubi
Die Frage ist in gewisser weise zumindest für mich eine Harte Nuss. Die Antwort von mir wäre das keiner Deiner Antwortmöglichkeiten zutrifft. Warum das?

Genau genommen hattest Du gar nicht am Eingang gefragt. Offenbar hattest Du am Tagesanfang den Pass noch bei Dir und hast Zugang zum Park erhalten. Danach dürftest Du offensichtlich den Pass verloren haben. Du fragtest eine CM im Park und eine weitere am Ausgang des selbigen.

Vor allem die Antwort D würde ich als Gast des Parks als unverzeihlich brandmarken wollen und zumindest in meinem Gedanken den CM dafür zur Hölle wünschen. So eine Frechheit auch...

Für alle die es nicht checken: Antwort D: Ja wo haben Sie ihn denn verloren??? Ja, gehts noch???? Wenn ich das wüßte hätte ich ihn doch selber gefunden... Was für eine dämliche Frage... Die hätte sie sich also wirklich sparen können.

Ein- und Ausgang den Du wähltest müssen ja nicht zwangsweise der ein und derselbige gewesen sein. Somit hattest Du keinen Kontakt mit der Einlaßdame in der Frage was deinen verlorenen Pass anbelangte. Oder liege ich hier falsch?

Auf jeden Fall ein sehr guter Bericht.
 
Teil VII

Durchaus gut gelaunt besuchte ich dann die Eiskönigin in ihrem Schloss. Ich fiel der jungen Dame auf, der ich mein Leid geklagt hatte. Sie erkundigte sich, ob ich erfolgreich bei der Suche gewesen sei. Und ich konnte ihr von meinem Triumph. Dieses Gefühl konnten mir auch nicht Kristoff und Anna und Elsa nehmen. Allerdings muss ich betonen, dass vor allem das Rentier eine herausragende schauspielerische Leistung brachte. Der Darsteller des Kristoff war auch sängerisch überzeugend. Da hat man im Disneyland gut gecastet. Ansonsten ist die Story ja bekannt. Die Hoheiten sparen und lassen die Besucher für das Unterhaltungsprogramm sorgen. Wobei auch noch Tiere, besser gesagt ein Tier, gequält wird. Aber gut, genug geklagt. Ich besuchte noch die diversen Shops, um mir einen Überblick über das Gebotene zu verschaffen. Allerdings überzeugte mich das im Studio auch nicht richtig. Hoffentlich würde ich genug Präsente für Weihnachten finden. Sie mussten in erster Linie ja auch mir gefallen. Ehe ich das Studio verlasse, so gedanklich mal wieder. Ich schulde ja noch die Auflösung des Rätsels, wie oft der Tisch vier sich das Kultessen Ratatouille bestellt wird. Genau viermal.
Zu Mittag wechselte ich dann in den Disney Park. Mehr oder weniger rechtzeitig, um einmal ganz genüsslich die weihnachtliche Parade zu sehen.

Edit: Dann wollen wir mal mit der Auflösung der Rätselfragen weitermachen, wenn schon Monsieur Detektiv damit anfängt. Was antwortete die junge Frau, als der konfuse, erschütterte Detektiv sein Leid klagte. Die Antwort. "C". Sie schlug sofort danach ihre Hand vor dem Mund, ob ihres Fauxpas. Aber sie und auch der geplagte Hercules konnten sich ein Lachen nicht verkneifen.
Aber nach so viel Denkarbeit haben sich Leserinnen und Leser ein wenig verspätete Weihnachtsstimmung verdient.


Im Vergleich zum Vortag war es ziemlich leer im Land der Maus. Nicht, dass es mich gestört hätte. Nachdem ich am Vortag leider meine Fahrt im Karussell nicht hatte antreten können, weil außer Betrieb, nutzte ich an diesem Tag die Gelegenheit. Jetzt war das Weihnachtsgefühl endlich da. Dann sollten endlich die Piraten besucht werden. Mir war kalt und wie gesagt, dort ist es kuschelig warm. Dieses Mal war auch der enternde Pirat im Dienst, die Kanonen feuerten aus allen Rohren, man sang schräg und angeschickert und wie üblich ergatterte ich wohl den einzigen Platz an dem Mann nass wird. Egal, wo ich saß. Kein so tolles Gefühl, aber was nimmt man nicht alles im Kauf für ein wenig Spaß an der Freud.
Es ward an der Zeit sich um etwas Essbares zu kümmern, gar nicht so einfach, wie ich wohl schon eingangs mal erwähnt habe. Toad Hall war die ganze Zeit geschlossen. Mal wieder. Im Fantasyland gab es auch nichts. Hakuna Matata war überlaufen. Für das Essen war es echt nicht einfach. Auf ein Buffet hatte ich keine rechte Lust, ich hatte zwar nicht reserviert, aber man hätte schon noch in den einzelnen Restaurants etwas bekommen. Also hielt ich mich mit Snacks aufrecht.
Wie zu erwarten verwirrt mich so etwas, meine Suche nach Futter hatte mich ins Adventureland gebracht. Doch mexikanisch ging auch nicht. Und wenn ich verwirrt bin, mache ich meistens Dummheiten. Und so stand ich plötzlich in der sehr kurzen Warteschlange vom Big Thunder Mountain. Ach was, Schlange ist das falsche Wort. Man konnte förmlich zu den Zügen durchmarschieren. Während ich meinem Verderben entgegenlief, hörte ich, dass die Attraktion gerade erst wieder geöffnet hatte. So was nennt man dann wohl richtig Pech gehabt. Während der Fahrt, selbstverständlich mit geschlossenen Augen, fragte ich mich die ganze Zeit, wieso, weshalb, warum. Der Mensch an und für sich ist schon seltsam. Ich besonders, stellte ich fest.
Jedoch, man glaubt es kaum, ich überstand die Fahrt. Zur Entspannung gönnte ich mir einen Kaffee und eine Fahrt auf der Molly Brown, zu schade, dass eines meiner Lieblingslieder im Park zu Weihnachten nicht mehr gespielt wird.

Edit: Da will ich mal nicht so sein. Gönnen wir den werten Leserinnen und Lesern, sowie unserem Protagonisten eine kurze Verschnaufpause und seinen Lieblingssong aus der Vielfalt der Paradenlieder des Landes der Maus.

 
Teil VIII

Da saß ich also auf der Molly Brown und hing meinen Gedanken nach. Ließ sie fliegen. Im Unterbewusstsein hörte ich das Geplänkel von Molly Brown und dem Kapitän. Die Jahre zogen so an mir vorbei. Fünf, zehn, zwanzig Jahre muss es fast her sein, dass ich zum ersten Mal ein Schiff auf dem See gesehen habe. Es war allerdings die Mark Twain, an Halloween im Geisterkleid. Mitten in der Lasershow auf dem See in der Partynacht. Lang, lang ist es her. Schon bedauerlich, dass Disney nicht schafft, dieses Schiff wieder auf den See zu bringen. Eine der Unzulänglichkeiten, die sich Disney leistet, wie ich finde. Ich höre noch heute die Musik im Park, fühlte das nasskalte Wetter und die gleichzeitige Aufregung, zum ersten Mal an diesem Abenteuer teilzunehmen.

Edit: Dann wollen wir mal den Erinnerungen des Alten auf die Sprünge helfen, obwohl er sicher einiges in seiner Weitschweifigkeit durcheinander gebracht haben wird.


Aber wenn es hilft, ihn wieder ins jetzt zu beamen.


Doch es ist ja Weihnachten, Molly erzählt zufällig gerade von Samuel Langhorne Clemens. Und gleich fällt mir ein Zitat von ihm ein, dass zu jedem Tag im Disneyland passt. "Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden." So sollte ich es halten. Die Fahrt näherte sich dem Ende. Und weil ich schon mal in der Nähe war, ging es ins Phantom Manor. Nachdem ich mir die Örtlichkeiten und Braut angeschaut habe, schlug ich das Angebot aus, in die Familie einzuheiraten und ins Anwesen einzuziehen. Ich meine, eine weise Entscheidung.
Im Shop des Frontierlandes entdeckte ich dann einen limitierten Donald Pin. Ich war erstaunt, rechnete ich doch gar nicht mit so etwas. Also fragte ich den zuständigen Verkäufer, ob ich denn den limitierten Pin haben könne. Ich rechnete schon damit, dass er ablehnen würde, denn er erzählte von Pueblo Trading Post, die habe nur am Wochenende, wenn überhaupt auf, und so weiter. Dann überraschte er mich damit, dass ich den Pin selbstverständlich käuflich erwerben könne. Und ob denn auch einer reichte oder ich mehrere haben wolle. Verstört meinte ich, einer reiche durchaus. Ein weiteres Weihnachtsgeschenk wanderte in meine Richtung.
Ich sah auf die Uhr und bemerkte, dass ich sicher noch rechtzeitig zu König der Löwen am Theater sein würde. Rechtzeitig wohl, aber mit viel Glück würde ich wohl noch einen Platz ergattern, an dem ich auch noch was sehen würde können. Die Warterei in der Kälte war eher langweilig, denn über die Maßen langwierig. Lärmende Kinder, heulende Kinder, tobende Kinder so weit das Gehör und die Augen reichten. Und strenge Eltern, wortgewaltige Eltern, überforderte Eltern und apathische Eltern. Von allem etwas. Schließlich kam Bewegung in die Warteschlange und ich ergatterte einen gar nicht so üblen Platz, zu meiner eigenen Überraschung. Einer der Vorteile, allein unterwegs zu sein. Platz ist manchmal für einen auch in den vorderen Reihen, bei späterem Einlaufen. Wenn man von den Leuten absieht, die trotz dauernder Aufforderung nicht in der Lage waren Masken zu tragen. Und von der nicht mehr ganz jungen Frau, so mein Alter, absah, die schräg hinter mir saß, und zwar textsicher, aber ständig einen halben Ton bei den Liedern daneben haute, war es eine tolle Show. Klasse Musik, sehr kraftvoller Gesang, Akrobatik und Tanz. Herrlich! Damit bekommt mich Disney immer. Eine Show mit guter Musik und ich bin hin und weg. Emotional ergriffen und sentimental wie ich bin, oft den Tränen nah. Scheußliche Erinnerung.

Edit: Da können wir doch locker dem Detektiv ein paar Tränen ins Antlitz zaubern.


Langsam neigte sich dieser Tag dem Ende zu. Ich schaffte es noch ein paar weitere Geschenke zu kaufen und ging dann ins Village. Dort wollte ich erst mal genau die Geschäfte durchforsten und dann gab es ein Dinner bei Anette's, wie immer ein musikalischer und kulinarischer Leckerbissen. Die anschließende Fahrt ins Hotel war eine Zumutung. Genau wie am Tag zuvor. Ein Gedränge, Geschubse, Gekreische und etliche Leute, vor allem Briten, ohne Masken. So viel zu Coronaschutzmaßnahmen. Zu wenig Busse, zu viele Leute. Aber ich habe das ja vorher gewusst. Und was würde Mr. Twain dazu antworten? Wie würde er das Verhalten der Spezies Mensch beurteilen? "Enttäuscht vom Affen, schuf Gott den Menschen. Danach verzichtete er auf weitere Experimente."
 
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